[Unfall im Hart-Riverthale.]

Einer meiner Begleiter hatte mir die ersteren gereicht, und war eben daran, mir auch die Gewehre zu übergeben, als ein Blitzstrahl in unmittelbarer Nähe hinter dem Wagen zur Erde niederfuhr. Ich hatte in diesem Momente das Gewehr mit der linken Hand am Laufende erfaßt, um es im Innern des Wagens an die gehörige Stelle zu legen (die Gewehre sind stets an der Innenwand des Wagens gebrauchsbereit angeschnallt). Durch den plötzlichen nahen Donnerschlag außer Fassung gebracht, ließ mein Freund das Kolbenende fallen, dabei hatte sich der eine Hahn (es war ein Doppellauf) an der Deichsel aufgespannt und als ich eben mit der Absicht, das Gewehr im Wagen zu bergen, dasselbe an mich heranzog, entlud sich der mit Hasenschrot geladene rechte Lauf. Ich weiß mich nur noch zu erinnern, daß in dem Augenblicke, wo der Blitzstrahl die ganze Umgebung grell beleuchtete, eine heftig auflodernde, von starker Detonation begleitete Feuererscheinung unmittelbar folgte. Ich fühlte heftigen Schmerz in der linken Augengegend, und theils durch den Schreck, theils betäubt von dem Schusse, verlor ich das Gleichgewicht und fiel vom Wagen herab. Meine Freunde hielten mich im ersten Augenblicke für todt, glücklicher Weise war meine Verwundung keine tödtliche. Die Schrote waren durch die linke Hohlhand von unten nach aufwärts gegangen und hatten die linke Schläfe so gestreift, daß sie die Hutkrämpe durchbohrt und die so erzeugten Löcher in derselben mit meinen Haaren ausgefüllt hatten.

Da jedoch der Schuß in solcher Nähe der linken Gesichtshälfte abgefeuert worden war, so war auch das Aeußere des linken Auges bedeutend verletzt. Ich blieb auf zwei Tage auf diesem Auge vollkommen blind und litt noch vierzehn Tage an einer äußeren Augenentzündung. Unmittelbar nach dem Schusse waren auch die Eingebornen aus ihrem Verstecke gesprungen und wunderten sich nicht wenig über das Ereigniß, das sich vor ihren Augen abgespielt hatte. Im Momente desselben war ein Batlapinengreis zu dem Wagen herangekommen, der bei seiner Annäherung auch ein Zeuge dieser Scene gewesen. Bevor meine Freunde noch eingespannt hatten, um wenigstens noch an diesem Tage Springbockfontein zu erreichen, kamen noch einige Eingeborne zu Besuch, wovon einer, der Anrede nach zu schließen, der Sohn des alten Mannes zu sein schien, und von diesem folgende weise Ermahnung erhielt: »Sieh hinein in den Wagen, dort liegt ein todter »Bas« (Gebieter, Meister). Mein Herz sagt es mir, daß es ein sehr böser Mann gewesen sein mußte, denn als er vorne am Wagen stand, und seine Freunde, die ihm langsam die Gewehre reichten, mit lauten zornigen Worten schalt, da schlug ihn »Morena« (der Herr der Wolken) mit Donner und Blitz, so daß er vom Wagen herabrollte, und wenn er nicht schon todt ist, gewiß nicht mehr lange Mais essen und das Zuckerrohr aussaugen wird.«

Obwohl Springbockfontein nicht mehr weit entfernt war, mußten wir es mit Rücksicht auf meinen Zustand aufgeben, denselben Abend noch hinzukommen. Die Erschütterungen des Wagens verursachten mir die heftigsten Schmerzen. Nach zweistündiger Fahrt machten wir auch Halt.

Am folgenden Vormittage erreichten wir die sogenannte Ansiedelung der Weißen, welche aus mehreren Zelten und Schilfhütten bestand und von vier holländischen Familien, Flüchtlingen aus der Transvaal-Republik, bewohnt waren, die wahrscheinlich Schulden halber ihre früheren Wohnsitze verlassen hatten.

Ich fand ähnliche Ansiedelungen auch in den anderen Betschuanaländern, deren Bewohner sich meist theils durch die Jagd, theils als Gerber, Holzschläger oder als Händler ernähren. Im Allgemeinen führen diese Menschen ein elendes Dasein und gehören wohl zu dem ungebildetsten Theile der holländischen Bevölkerung in Süd-Afrika. Ihre Lage ist furchtbar, wenn sie, von Krankheiten heimgesucht, ohne Rath und Mittel darnieder liegen.

Die Springbockquellen sind sehr schwach und durchfließen einen kleinen Morast, bevor ihr Wasser den Hart-River erreicht; in dem kleinen Moraste fand ich die gewöhnliche südafrikanische Wasserschildkröte zahlreich vertreten.

Am folgenden Morgen, als ich mich etwas besser fühlte, verließen wir den Ort und zogen thalaufwärts weiter; ich hatte im Sinne, das Gebiet des damals noch unabhängigen Batlapinenfürsten Gassibone zu bereisen; leider hatten uns die an den Quellen wohnenden Holländer eine falsche Richtung angegeben, was wir erst spät Abends von zwei vorübergehenden Eingebornen erfuhren. Unsere Reise an diesem Tage war eine recht beschwerliche, wir zogen theils durch sehr dichtes Buschland, theils über sandigen Boden, und mußten sehr oft halten und den Thieren Rast gönnen. Je weiter wir nach Nordosten vordrangen, desto waldreicher schien die Gegend, d.h. das Land war mit schwachen Beständen von Kameeldornbäumen bedeckt.