Nach und nach hatten wir uns vom Hart-River entfernt und mußten, nachdem wir von den beiden vorübergehenden Eingebornen die wahre Richtung von Gassibone's Stadt erfahren, denselben Weg bis zu dem Hart-River zurückgehen; reichliche Jagdbeute entschädigte uns indeß für diesen Zeitverlust.
Wir schlugen nunmehr eine ostsüdöstliche Richtung ein und zogen quer durch den Wald nach der das Hart-Riverthal im Osten begleitenden Höhenkette, an welcher der Hauptkraal Gassibone's liegen sollte. Der Weg war einer der beschwerlichsten, die wir auf der ganzen Reise zurückzulegen hatten, und erheischte die größte Vorsicht, um Wagen und Gespann vor Schaden zu behüten. Anfangs führte derselbe durch ein monotones Buschland, später durch einen Mimosenwald, in dem uns einige Batlapinen, Unterthanen Gassibone's, begegneten, die uns in freundlicher Weise den kürzesten Weg nach des Häuptlings Kraal zeigten. Ueber eine tiefe Einsattelung im Höhenrücken gelangten wir nun in ein kesselförmiges Thalbecken; im Hintergrunde, da wo mehrere Höhenzüge sternförmig zusammenstießen, lag theilweise in dem Hauptthale, theils in einem der einmündenden Querthäler, die Stadt Gassibone's. Das Hauptthal, vor dessen Eingang wir standen, war ziemlich gut angebaut.
Der lange beschwerliche Ritt hatte uns alle ziemlich abgespannt, ich beschloß daher, da der Kraal des Häuptlings noch ziemlich entfernt lag, hier das Nachtlager aufzuschlagen.
Früh Morgens ließen wir die Thiere grasen und dann ging es aufwärts nach Gassibone's Residenz. In den Maisgärten waren schon die Frauen emsig beschäftigt und die Jungen trieben nach allen Richtungen hin die Heerden in die Berge auf die Weide. Es war ein schöner warmer Morgen und die gesammten Mitglieder der Expedition (Weiße und Farbige) im besten Humor.—Der volle Titel des Königs dieses Batlapinenlandes, der sich zwei Jahre später der Transvaal-Republik freiwillig unterwarf, gegenwärtig aber, seit der Annexion derselben durch die Engländer, ein englischer Unterthan wurde, ist Morena Botlazitse Gassibone. Seinem Charakter nach ist er ein Mann, der vielen Lastern, besonders aber dem Trunke ergeben ist. Die Häuser der Stadt zeigten denselben Charakter wie jene Lekatlongs, die Stadt mochte ungefähr 2500 Einwohner zählen. Meine Absicht war, von der Stadt aus eine südliche Richtung nach dem Vaal-River zu nehmen und dann nordöstlich nach der Transvaal-Provinz vorzudringen. Da in dieser Richtung kein Weg nach derselben führte, so sandte ich zum König um einen Wegweiser und betraute mit dieser Mission den hoffnungsvollen F., der überdies den Auftrag erhielt, vom König einige Töpfe Milch zu erstehen. Um dem Ueberbringer meiner Botschaft mehr Ansehen zu verleihen, wurde ihm ein Revolver um den Leib gehängt und ein Paar hohe Stiefel angezogen. F. fühlte sich durch die Mission so geehrt, daß sein ganzes Gesicht mit dunkler Röthe überzogen war und seine Augen leuchteten, seine imponirende Haltung flößte nicht nur den Eingebornen, die ihm begegneten, demuthsvolle Scheu ein, sondern gewann ihm auch das zuvorkommendste Benehmen Seiner schwarzen Majestät, so daß dieser nicht nur seiner Bitte um Ueberlassung einiger Töpfe Milch zu willfahren versprach, sondern sich auch noch erbot, mir für einen zweiten Shilling einen Führer zur Verfügung zu stellen, der uns durch die Schluchten auf die freie Ebene bringen sollte. Ja der Fürst ging noch so weit, um dem martialisch aussehenden Jüngling einen Ausdruck seines besonderen Wohlgefallens zu geben, daß er ihm von dem Gerichte anbot, mit dem eben eine seiner Königinnen ihren Batlapinen-Appetit stillte.
Die cylindrische, etwa 5 Meter im Durchmesser haltende und bis zum Giebel des kegelförmigen Daches etwa 3 Meter hohe Hütte war durch einen Mimosenbaum gestützt, der bis zur Höhe des Daches reichte. Am Fuße dieser Säule saß die erwähnte schwarze Schönheit in ein europäisches Kattunkleid gehüllt und auf ihrem Schooße hielt sie eine Holzschüssel, gefüllt mit einem beliebten Batlapinengerichte. Unser wackere Herold wollte, nachdem er des Königs Antwort durch meinen Diener, der ihm als Dolmetsch beigegeben war, erfahren, vom Anerbieten Gebrauch machen, und griff mit voller Hand zu. Erschreckt zog er die Hand zurück, denn die Schüssel enthielt getrocknete Heuschrecken, nach deren Genuß es unserem Freund durchaus nicht gelüstete. Zum Wagen zurückgekehrt, versicherte F., ähnliche Gesandtschaftsdienste zu anderen Betschuanakönigen nicht mehr annehmen zu wollen.
Die königliche Hütte war inwendig mit Thonerde überschmiert und der Boden glatt cementirt, an den Wänden hingen ringsum auf Pfählen aus den Fellen des Proteles, des grauen Fuchses, des Schabrakenschakals und der schwarzgefleckten Genetta gearbeitete Carossen. Dem Eingange gegenüber hing an der Säule ein amerikanischer Hinterlader; auf der Erde längs der Wand lagen Schaf- und Ziegenfelle ausgebreitet—die primitiven Ruhebetten. Während des Gespräches mit F. hatte Gassibone sich entschuldigt, daß die Kürbisse auf den Feldern noch nicht reif seien, und daß er mir auch kein Fleisch übersenden könne, weil seine Heerden der Wassernoth halber am Vaal-River weideten. Ich konnte mich auch späterhin überzeugen, daß es zu jener Jahreszeit im Jahre 1873 zwischen dem Vaal- und Hart-River kein trinkbares Wasser gab. Selbst in Gassibone's Stadt floß die Quelle so spärlich, daß sie fortwährend von Batlapinenfrauen umlagert wurde und blos eine nach der andern zum Wasser gelangen konnte. Als unser Diener zur Quelle kam, wurde er von den Frauen so angeschrieen, daß er es vorzog, sich schleunigst mit dem leeren Eimer zurückzuziehen. Uns blieb nichts übrig, als uns welches von den Eingebornenfrauen zu kaufen oder uns mit einer entsprechenden Menge einer mispelartigen, wildwachsenden Obstart zu versehen, um unseren Durst zu stillen.
Im Allgemeinen schien es mir, daß diese Batlapinen ihr Oberhaupt nicht besonders respectiren. In den letzten Jahren (seit dieser ersten meiner Reisen) kam es zwischen Gassibone einerseits und Mankuruan und Jantsche andererseits zu Reibungen, welche größtentheils auf zwei Gründen beruhten: erstens behauptete Gassibone wie Mankuruan, daß jeder der Paramontchief (oberster Fürst oder der eigentliche König) der Batlapinen sei, zweitens bewies sich Jantsche wie Mankuruan den Engländern und Missionären gewogen, während Gassibone gegen dieselben eingenommen, den Holländern stets gewogen war. Darum trat er auch sein Land an die Transvaal-Republik ab, als Mankuruan daran dachte, sich der englischen Regierung zu unterwerfen. Als nun die Transvaal-Republik von den Engländern annectirt wurde, belästigte er die holländischen Boers, die er nunmehr als englische Unterthanen haßte, derart, daß gegen ihn ein Commando abgesendet werden mußte, dem gegenüber er sich ebenso feig als vorher prahlerisch bewies.
[Mein Gesandter bei König Gassibone.]