[Batlapinen bei der Arbeit.]

Wie in allen Eingebornendörfern hatten wir auch hier eine Belagerung von Seite der Eingebornen auszuhalten, die an Lärm nichts zu wünschen übrig ließ; es wurde geschrieen, gesungen und gelacht, dabei Tauschhandel getrieben, alte und frische Raubthierfelle, Ziegen- und Ochsenhäute, Holzlöffel und stumpfe unbrauchbare Assagayen, Mais und unreife Kürbisse, geröstete Heuschrecken und Honig zum Kaufe angetragen. Der Eine bettelte, der Andere bat, ein Dritter klagte, daß ihm alles mögliche fehle, dazwischen kreischte eine weibliche Stimme, ob ich auch ein Medicinmann sei, wie ihr einer meiner Diener berichtet, sie wolle eine Medicin kaufen, welche ihr zu einem Kinde verhelfen würde; sie hätte weder Sohn noch Tochter. »Ich habe aber einen Mann und mehrere andere Frauen wohnen in demselben Gehöfte und die haben Kinder, aber ich keine.« Je bereitwilliger man sich aber diesen Leuten gegenüber zeigt, desto ärger und unverschämter werden sie in ihren Forderungen; je zurückhaltender man ist, ohne jedoch barsch mit den Leuten zu verfahren, desto bessere Resultate erzielt man.

Nachdem wir etwas Mais von den Leuten erstanden, machten wir uns auf den Weg. Unsere Frage, ob wir unsere Fässer mit Wasser füllen sollten, verneinte der uns vom Könige mitgegebene Führer mit der Bemerkung, wir würden an vielen Stellen des Wegs hinreichend Wasser antreffen. Da wir den Mann als Führer erhielten, glaubten wir ihm vollkommen trauen zu dürfen, allein wir wurden bitter enttäuscht. Wir fanden auf der ganzen Strecke zum Vaalflusse kein Wasser, und hatten, da wir diesen und den folgenden Tag in brennender Sonnenhitze reisen mußten, viel Durst zu leiden. Das Land zwischen Gassibone's Stadt und dem Vaalflusse ist eine einzige Hochebene, theilweise bewaldet und bebuscht, theilweise, und namentlich in feuchten Jahren, hochbegrast.

Auf dieser Ebene dahinziehend, fiel uns ein eigenthümlicher grauer sich rasch nähernder Wolkenstreifen auf, der den westlichen Horizont bedeckte. Je näher er kam, desto mehr ähnelte er von der Erde aufsteigenden, stellenweise dichteren Rauchsäulen. Es war eine Heuschreckenwolke. Diese Wanderheuschrecken erscheinen oft während der südafrikanischen Sommerszeit in meilenlangen Schwärmen, alles Grün in der Vegetation vernichtend, wo sie einfallen. Ihr Flug ist aber ein ununterbrochenes Einfallen, d.h. während sich der eine Theil zum Fraße niederläßt, fliegen die bereits gesättigten Thiere über die Ersteren hinweg, so lange, bis sie der Hunger zum abermaligen Niederlassen zwingt.

Unser Führer bezeichnete uns in der grasreichen Ebene, in der ich zehn Monate später durch einen Brand beinahe eine aeronautische Excursion unternommen hätte, eine binsenreiche, durch einen hohen Kameeldornbaum gekennzeichnete Stelle in genau südlicher Richtung, wohin wir gegen Sonnenuntergang kommen und Wasser finden sollten. Als wir jedoch am Nachmittag an Ort und Stelle waren, fanden wir eine sehr seichte, bis auf einige wenige, kaum je einen Becher Wasser enthaltende Stellen, vollkommen ausgetrocknete Regenlache. Wasser konnte man es eigentlich nicht nennen; es war vielmehr ein grünlich-dickes reichlich mit Kaulquappen, Insectenlarven und Infusorien versetztes und stark nach Ammoniak riechendes, wässeriges Fluid. Es bedarf wohl keiner besonderen Versicherung, daß uns bei dem bloßen Gedanken an den Genuß dieses Fluids anfänglich Ekel erfaßte, allein der Durst besiegte schließlich alle Bedenken. Die Flüssigkeit wurde aus einigen der Löcher mit einem Löffel geschöpft und damit eine Serviette gefüllt, in der sicher Millionen von, dem bloßen Auge unsichtbaren und eine Unzahl von handgreiflichen thierischen Gebilden herumtummelte, und das Wasser mühselig durchfiltrirt. Das ganze Experiment ergab etwa 1½ Becher einer dicklichen Flüssigkeit, welche Menge in fünf gleiche Theile getheilt wurde.

Nach einer zweistündigen Rast, während welcher wir trotz brennenden Durstes keinen zweiten Filtrirungsversuch machten, brachen wir wieder auf. Im selben Maße als wir uns dem Vaalflusse näherten, schwanden die Büsche und Bäume, das Gras wurde niedriger—ein ausgezeichneter Weideplatz für große Heerden. Wir sahen nichts von den Gnu's und Gazellen, die wir nach der Angabe der Bewohner von Gassibone's Residenz auf der genannten Strecke hätten finden sollen; wir begegneten nur wenigen Batlapinen, welche blos mit Stöcken bewaffnet und von mehreren afrikanischen Windhunden begleitet, auf Niederwild jagten.

Tags darauf, als sich die Sonne bereits hinter dem bewaldeten Freistaatufer des Vaalflusses zu bergen begann, wurden wir von einem kleinen Batlapinenjungen, der auf der weiten Grasebene Ziegen hütete, auf die bewaldeten Hügel aufmerksam gemacht, hinter welchen sich der Fluß hinschlängelte. In der angegebenen Richtung sahen wir einige Hütten, wo Gassibone's Viehhüter wohnten, welche Früh und Abends die auf der Ebene weidenden Rinder nach dem Flusse zur Tränke zu führen hatten.

Der Vaal-River gehört unstreitig zu einem der trügerischesten Flüsse Süd-Afrika's. Seine Ufer, weniger sein Bett, sind so schlammig, daß die zur Tränke gehenden Zugthiere einsinken und eines elenden Hungertodes sterben; und dies namentlich ältere Thiere, welche der längs des Flusses fahrende Gespann- und Wageninhaber (Rider) wegen Abmattung an einer oder der anderen Stelle bis zu seiner Rückkehr von der eben unternommenen Geschäftsreise oder bis zu einem vielleicht mehrere Monate später erfolgenden Besuche zurücklassen muß. Auch ich machte mehrmals bittere Erfahrungen in dieser Hinsicht.