[Rückkehr von der Gnu-Jagd.]
Noch bevor die Sonne im Zenith stand, hatten wir die hier vom Norden nach Süden vorbringenden Maqwasihöhen an ihrem südlichsten Abhange erreicht, welche nicht nur dem Botaniker, sondern auch dem Mineralogen eine höchst lohnende Ausbeute, letzterem prachtvolle Quarzit-Porphyre bieten. Hasen und Trappen fanden sich auf der Ebene nach dem Süden, während der nahe Teich des Farmers, der sich am Fuße der Höhen angesiedelt hatte, von schwarzen Blaßhühnern, von Tauchern, Wildenten, Ibissen und Fischreihern wimmelte.
Am Nachmittage machte uns der Sohn des Farmers einen Besuch und ich staunte über die Fertigkeit, mit welcher dieser Mann meinen Revolver zu handhaben wußte. Schuß auf Schuß traf das Ziel. Gegen Abend verließen wir die Farm und zogen über eine weite Ebene, welche von zwei Fuß hohem, üppigem Graswuchs bedeckt, zahlreiches Wild beherbergte. Etwa sechs englische Meilen von unserem mittägigen Lagerplatze entfernt, am Abhange der Höhen, mußten wir anhalten, strömender Regen hinderte uns an der Weiterfahrt. Wir befanden uns in einem kleinen isolirten Mimosenwäldchen, das eine Farm umgab. Der außerordentliche Reichthum der Ebene an mancherlei Wild gab uns Veranlassung, hier einen ganzen Tag zu verweilen.
Bei Tagesanbruch wurde ich durch einige in der Nähe gefallene Schüsse aus meinem kurzen Schlummer gerissen. Die Schüsse schienen auf der Ebene nach Süden abgefeuert worden zu sein. Später, als wir beim Frühstücke um unsere Eisentöpfe saßen, wurde uns die Erklärung dazu geboten. Zwei Holländer kamen auf unscheinbaren, allein sehr ausdauernden Ponies herbeigeritten, und nachdem sie uns gefragt, ob der »Bas« (Hausherr) daheim sei, eine Frage, auf die wir keine Antwort hatten, ritten sie auf das mit Stroh gedeckte Häuschen zu, um sich hier vom Nachbarn, »Ohm« (gewöhnlicher Titel eines holländischen Farmers), einen Wagen zu entlehnen, mit dem sie die zwölf diesen Morgen auf seiner Farm erlegten Antilopen (Spring- und Bläßböcke) nach ihren, einige Meilen abliegenden Farmen schaffen konnten.
Jene holländischen Bauern, welche nahe an Städten wohnen, bringen die erlegten Thiere, meist nachdem sie dieselben ausgeweidet, und ihnen die Köpfe abgeschnitten, die sie draußen im Felde den Schakalen und Geiern überlassen, aufgeschnitten zu Markte. Jene, die entfernter wohnen, zerstückeln ihre Beute, nachdem sie selbe abgehäutet und die Häute zum Trocknen auf der Erde ausgespannt haben. Von Springböcken werden die Felle von den Farmern blos getrocknet, viereckig zugeschnitten und 8-12 solcher Häute zu Fußdecken zusammengenäht, eine Arbeit, in welcher sie von den Eingebornen weitaus übertroffen werden.
Die Felle des Bläßbockes und des in den Wäldern oder auf den bebuschten Höhen wohnenden Kudu werden in ähnlicher Weise ausgearbeitet und zu dem hinteren stärkeren Vorschlag (dem Achterschlag) der aus Giraffenhaut verfertigten Peitsche benützt. Auch gerben sie in sehr primitiver Weise die Bläßbock-, Gnu- und Quaggafelle, und verkaufen das so gewonnene Leder den in Städten ansäßigen oder herumziehenden Kaufleuten. Zum Gerben benützt man die Rinde mehrerer auf Höhen wachsenden Bäume, so z.B. des Waggonhout-Baumes und anderer, und wo diese mangeln, einiger der gewöhnlichen, doch größeren, meist an Flußufern wachsenden Mimosenarten. Solche, die das Gerben als Nebengewerbe betreiben, kaufen gewöhnlich die ungegerbten Felle den Jägern ab, bezahlen in der Regel 3-4 Shillinge für ein Bläßbockfell und verkaufen es gegerbt um 10 Shilling.
Aermere Farmer, die bei Freunden oder Verwandten wohnen, bereiten aus den halbgegerbten Gnufellen die Sohlen, aus Bläßbock-, Kudu-, Hartebeest-Fellen etc. das Oberleder zu einer unscheinbaren, allein auf Reisen in Süd-Afrika sehr bequemen Fußbekleidung, den sogenannten Feldshoen, welche an Ort und Stelle mit 6-8, bei den städtischen Kaufleuten mit 10-14 Shillingen verkauft werden.
Das Fleisch des Wildes wird in lange Stückchen geschnitten, etwas eingesalzen oder bei mäßiger Tageshitze auf Riemen aufgehangen getrocknet und als Beltong steinhart auf den Tisch gebracht. Zubereitet, d. h. abgerieben und dann in Butter gesotten, gibt es einen delicaten Imbiß. Ein Pfund von diesem getrockneten Fleische wird mit 6 Pence bis 1 Shilling bezahlt und von manchem Farmer in größeren Mengen auf den Markt gebracht.