»Siehst Du, Bas, dort fern von hier fliegen zwei Vögel, da—da setzen sie sich nieder, das sind, das mußten die Schreier gewesen sein, sie sind solche Vögel wie die »groten Springhanvogels« (graue Kraniche), allein sie haben schön weißrothe Flügel und auf dem schwarzen Kopfe tragen sie schöne gelbliche Kronen und diese Kronen«—dabei war er, als er das Erstaunen in unseren Mienen gemerkt, aufgestanden und hatte sich zur Stärkung nach seiner diesmal so ungewöhnlich wortreichen Rede mit einem neuen Stückchen Kautabak gelabt—»ja, diese Kronen sind nicht Federn, sondern lange, gelbe steife Haare. Alle Menschen kennen sie in Afrika und viele Farmer im Oranje-Freistaat und der Transvaal-Provinz halten sie zahm auf ihren Höfen.«—»Und ihr Name?« fragte ich—»Mā-hems, Sir, nennt man sie.«
Nun waren wir so klug wie zuvor. Stelzenvögel waren es wohl, allein wohin sie einreihen, wußte ich nicht, bis ich zwei Tage darauf das Glück hatte, drei davon auf einer Farm lebend zu finden. Es waren die gekrönten oder Königskraniche (Balearia regulorum), von denen ich ein Pärchen auch heimbrachte. Seine kaiserliche Hoheit, unser durchlauchtigster Kronprinz Rudolph, erwies mir die hohe Ehre, das Pärchen gütigst anzunehmen und die Vögel dem kaiserlichen Thiergarten zu Schönbrunn einverleiben zu lassen.
Auf der durch mehrere kleine, trockene Salzpfannen charakterisirten Ebene tummelten sich auch zahlreiche große Trappen. Wir überschritten den Bamboesspruit, welcher nur an sehr wenigen Stellen in seinem schlammigen Bette kleine Wasserlachen zeigte und zogen weiter ostwärts gegen den zu ihm parallel laufenden und stetig fließenden Maqwasi-River. Das Land stieg etwas nach dieser Richtung hin und war auch stellenweise mit kleinen Beständen von Mimosen, zumeist Kameeldornbäumen bedeckt.
Am Rande des ersten kleinen Gehölzes blieben wir über Mittag liegen und da meine Freunde mit dem Trocknen der durch den letzten Regen naß gewordenen Sachen die Hände voll zu thun hatten, ergriff ich ein Beil, um Holz für unsere Küche herbeizuschaffen. Da meine linke Hand noch von dem Unfall mit dem Gewehre her nicht völlig geheilt war, fiel mir die Arbeit schwer, und mein Ungeschick brachte mir nur eine neue schmerzhafte Wunde am Schienbein des rechten Fußes ein. Wenige Minuten darauf schwebte ich wieder in ernster Lebensgefahr.
Um nicht unverrichteter Dinge zu meinen Gefährten zurückkehren zu müssen, trachtete ich, wenigstens die trockene Rinde von den abgestorbenen Stämmen abzulösen. Bei diesem Beginnen sah ich plötzlich etwas vor meinen Augen glitzern und im selben Momente verspürte ich ein Gefühl von Kälte an meinem linken Unterarme. Eine Viper hatte sich, wie dies häufig vorkommt, unter der Baumrinde verkrochen und war mir nun in den linken Aermel gefallen. Mit dem Verhalten in solchen Fällen vertraut, blieb ich unbeweglich, um das Thier nicht zum Bisse zu reizen. Die Schlange hatte sich nun ausgestreckt, und dabei ragte glücklicher Weise das Schweifende aus dem Aermel heraus. Rasch entschlossen ergriff ich dieses und schleuderte das Thier weit von mir.
Die folgende Nacht war ebenso unangenehm wie die vorhergehende. Es regnete so stark, daß wir an Schlaf nicht denken konnten, wozu übrigens das Hyänen- und Schakalconcert nicht ermuntern konnte.
[Lager am Bamboesspruit.]
Am 19. März verließen wir unser Nachtlager. Nach etwa zweistündiger Fahrt hörten wir ein deutliches Brausen, wie von einem Bergstrome herrührend, welches vor uns aus einer durch einen langen von Norden nach Süden sich hinziehenden, durch einen Baumstreifen gekennzeichneten Vertiefung zu kommen schien. Wir fanden dies auch bestätigt und in jener engen 20-35 Fuß messenden Tiefe drängte sich der durch die in der gleichnamigen Hügelkette gefallene Regenmenge angeschwollene Maqwasi-River. Sein Bett ist meist steinig und steil, so auch seine Ufer, und zeigt oft, wie unterhalb der von uns benützten Furth, anmuthige Scenerie, wenn auch im beschränkten Maßstabe, wie es ein enges Flußbett und ein ebenso enges Thal nur bieten kann; der Fluß ist durch mehrere der Wintermonate bis auf einige der tieferen, felsigen Löcher trocken und ziemlich fischreich. Seine Ufer, und dies gilt namentlich von den felsigen, zerklüfteten Partien, sind von Fischottern, Wildkatzen, einer Wieselart, der Genetta und anderen kleinen Raubthieren, den Rohrrüßlern und auch von Wasserleguanen bewohnt. An der Furth, welche durch die steile Ab- und Auffahrt schwer zu passiren war, fanden wir das Wasser etwa drei Fuß hoch; am rechten Ufer trafen wir einige Transportwägen, welche Waaren im Gewichte von 6-7000 Pfund aufgeladen hatten, deren Fuhrleute den angeschwollenen Fluß nicht zu durchfahren wagten und das Fallen des Wassers in einer in der Nähe liegenden Cantine abwarteten. Ich entschloß mich jedoch, den Versuch zu wagen, der auch bis auf einen kleinen Unfall, der uns einen Theil unseres Kochgeschirres kostete, gelang.