Ich sammelte einige, der mit Salz incrustirten Steine und vegetabilischen Stoffe, während sich meine Gefährten daran machten, die zahlreichen, am reinen Kiesgrunde der Pfanne reichlich aufliegenden, hirse- bis erbsengroßen Salzkrystalle zu sammeln. Wir betraten nunmehr das eigentliche südwestliche Wildrevier des Transvaal-Gebietes, das sich von den Ufern des Bamboesspruit bis zum Schoenspruit über eine ununterbrochene, im Süden vom Vaal-River, im Norden von den Maqwasihöhen begrenzte und von mehreren meist von Norden nach Süden oder Südosten laufenden periodisch fließenden Spruits und einem Flusse durchschnittene, hochbegraste Ebene erstreckt.
Seit meinem Besuche dieser Gegend im Jahre 1873 hat das Wild bedeutend abgenommen, doch ist zu hoffen, daß die neue Regierung zu seinem Schutze die nöthigen Maßregeln ergreifen wird. Bei einer vernünftigen Jagdweise kann sich das übrig gebliebene rasch vermehren und dennoch den Farmern einen ergiebigen Ertrag sichern.
Während meiner ersten Reise beobachtete ich das gemeine schwarze Gnu in Heerden von 5-30 Stück, Bläßböcke in Heerden von 15-300 Stück, Springböcke, Deuker und Steinböcke von 10-150 Stück, nahe an den bebuschten Partien nur paarweise; ferner eine Menge von den rothlöffeligen Hasen, eine Unzahl von Springhasen und Stachelschweinen, Schuppenthiere und Erdferkeln—doch fehlten auch Raubthiere und Hyänen, Schakale und Proteles, an den Spruits Fischottern und im hohen Ufergras Wildkatzen nicht; während mehrere Trappenarten, Wildenten und Gänse, Wachteln (eine kleine Art) und in den bebuschten Partien Perlhühner zahlreich vertreten waren.
Bevor wir noch den Bamboesspruit (18. März) erreichten, erblickten wir zuerst einige einzelne, später eine kleine Heerde von Bläßbock-Antilopen, so genannt, weil sie auf ihrer Stirne eine weiße »Bläße« zeigen, die gut zu der dunkelrothbraunen Behaarung des Körpers paßt. Die Hörner sind nach hinten geneigt, gegen die Spitzen auseinanderlaufend, weder so zierlich noch so schön wie jene der Springbock-Antilopen, wie denn auch der Bläßbock, im Ganzen stärker gebaut und eine längere Verfolgung, ohne dabei zu großen Sprüngen seine Zuflucht zu nehmen, auszuhalten im Stande ist.
Zahlreiche Kranichheerden jagten im hohen Grase nach Heuschrecken. Nahte man ihnen, so flogen sie nach einem kurzen Anlaufe auf, um knapp über dem Grase hinreichend, einige hundert Schritte weiter wieder einzufallen. So wie sie aufflogen, ließen sie ihre prächtige, weithin hörbare Stimme ertönen.
Heftige Regenschauer nöthigten uns, schon in den ersten Nachmittagsstunden an einer Regenpfütze, einige Meilen östlich vom Bamboesspruit, Halt zu machen. Dazu trat noch eine allgemeine Ermattung der ganzen Expedition ein, in Folge der letzt erlebten Nacht und des Genusses von Salz aus der vorerwähnten Salzpfanne.
Der heftige Regen und unser Unwohlsein ließ uns eine recht unangenehme Nacht zubringen, erst gegen Morgen ließ der Regen etwas nach und wir versuchten etwas Schlaf unter dem Wagen, da die Ausdünstung der in dem Wagen naß gewordenen Gegenstände nicht einladend war.
Während der Nacht ließen sich Hyänen und Schakale oft nahe am Wagen vernehmen, allein wir konnten weder in der Dunkelheit hinreichend klar sehen, noch wollten wir uns auch in dem feuchten Wetter unserer in Lederhüllen aufbewahrten Gewehre bedienen. Das Liegen auf dem feuchten Grase wurde uns jedoch bald unbehaglich und so waren wir schon vor Sonnenaufgang bereit, die Weiterreise anzutreten.
Während sich meine Gefährten nun im Feueranmachen versuchten, hielt ich eine Rundschau über die nur nach Norden in der Ferne von Höhen begrenzte Grasebene, konnte jedoch nichts erspähen; am Himmel hingen noch schwere, dunkle und tiefgehende Wolken, der Tag versprach so trübe zu werden, wie es die Nacht gewesen. Während ich noch Rundschau hielt, hörte ich vor mir—es schien von zwei, circa 600 Schritte vor mir vorüberfliegenden storch- oder kranichartigen Vögeln zu kommen—schöne, melodische, harfengleich klingende, sich mehrmals wiederholende Töne, welche auch die Aufmerksamkeit meiner Begleiter auf sich zogen. »Das ist schön!«—»o, prachtvoll!«—»hört Ihr die Aeolsharfe!«—so zollte ein Jeder von uns seine Bewunderung, kaum daß jene Töne verklungen waren.
Nur Gert, der edle Korannajüngling, schien ungerührt. Von uns Allen um Auskunft bestürmt—wobei er recht erschrocken von seinem Frühstückstöpfchen auffuhr—woher diese Laute kämen, ob von Vögeln, anderen Thieren, oder was sie sonst erzeuge, schaute er über die Ebene hin, konnte aber nichts sehen, dann beugte er sich nieder, um längs der Grasspitzen besser in die Ferne sehen zu können, plötzlich faßte er mich bei der Hand, zog mich zu sich herab und sagte: