Es war ein herrlicher, des Waidmann's Herz entzückender Anblick, als der anbrechende Tag uns einen Ausblick in die Ferne nach allen Richtungen hin vergönnte. Wohin wir auch das Auge wenden mochten, überall erfreute uns der Anblick kleinerer und größerer Gazellen- und Gnuheerden, die nächsten etwa 400 Schritte vor uns, und manche wieder nur als dunkle Punkte am Horizonte, der nach Westen, Süden und Osten unbegrenzten Ebene erkennbar. Während die Springböcke gruppenweise grasten, hielten sich die Bläßböcke in langen Ketten hinter- oder neben einander grasend. Von mehreren Seiten klang der langgezogene Ton des Trappengeschreies zu uns herüber; jedes Plätzchen um uns athmete Leben. Als ich an jenem Morgen des 23. März 1873 die mir unvergeßliche Rundschau von meinem Wagen aus hielt, da kam es mir in den Sinn, mir einen größeren Landbesitz in diesen Gegenden zu wünschen, der umzäunt, dem von allen Seiten verfolgten Wilde als Hort dienen könnte; doch leider, dieser Wunsch wird sich wohl nie erfüllen! Nicht das Klima, der beschränkte Raum in den zoologischen Gärten ist einer der Hauptgründe, daß so viele Thiere der Gefangenschaft erliegen. Jene wandernden Menagerien werden mit der Zeit aufhören müssen, je mehr stabile entstehen, die sich rasch mehren, denn der notorischen Thierquälerei der ersteren, dem sogenannten Gefängnißsystem, muß einmal die sich mehr und mehr entwickelnde Veredelung des menschlichen Geistes ein Veto gebieten.

Am Klipspruit wollte ich einen mehrtägigen Aufenthalt nehmen, nicht um eine Razzia unter dem Wilde zu halten, sondern, wenn möglich, zu beobachten und von den hervorragenden Wildspecies je ein Fell für meine Sammlung zu gewinnen. Leider war der Zufall selbst diesem bescheidenen Wunsche nicht hold und heute bin ich zufrieden, daß es so geschah. Wir blieben bis zum 27. März. Den ersten Tag beschäftigten wir uns mit dem Präpariren des erkauften Gnufelles—eine mühevolle Arbeit. Am zweiten verfolgten wir den Lauf des Spruit, der sich grubenartig durch die Ebene wand und nur stellenweise in Tümpeln Wasser aufwies, um ein geeignetes Versteck in seinem Bette zu finden und das Wild aufscheuchen zu können.

Mehrere Wägen, die Transvaal-Farmern angehörten, welche mit Getreide theils nach den Diamantenfeldern zogen, theils von daselbst kamen, und die uns begegneten, hatten bis drei Stück Wild unter und an dem Wagen befestigt. Das Wild ließ denselben oft bis auf 300 Schritte Nähe vorüberfahren, was dann von den vortrefflichen holländischen Schützen benützt wurde, um auf der anderen Seite vom Wagen zu springen, sich in's nahe Gras zu werfen und auf die arglosen Thiere anzuschlagen. Von je drei Schützen traf in der Regel einer tödtlich und so bot man uns Springbockgazellen mit Fleisch und Haar für 1 Shilling bis 1 Shilling 6 Pence, Bläßböcke für 2-3 Shillinge und Gnus für 7-8 Shillinge an. Ich erstand zwei der ersteren Thiere.

[Von schwarzen Gnu's überrascht.]

Doch weder mir noch meinen weißen Gefährten war Waidmannsglück jetzt hold; schon waren drei Tage resultatlos verflossen, den letzten Tag (27. März) beschloß ich noch einmal, mein Glück zu versuchen, und unternahm einen Ausflug, am Spruit abwärts.

Auf meinen an den früheren Tagen nach dieser Richtung hin unternommenen Ausflügen war mir eine Stelle in dem etwas verbreiterten Flußbette aufgefallen, die von dem Wilde als Tränkstelle benutzt zu sein schien. Neben ihr führte quer durch das sonst trockene Bett ein zu beiden Seiten von einem Tümpel (der Tränkstelle) umsäumter Pfad, den das Wild und namentlich nach den Spuren zu urtheilen, Gnu's zum Ueberschreiten des Bettes zu wählen schienen. Ich hielt es für das Beste, an diesem Pfade im Anstand zu liegen und das Herannahen des Wildes zu erwarten.

Ich verließ den Wagen nach Sonnenaufgang und legte kriechend die etwa zwei englische Meilen entfernte Strecke zurück. Es mochte jedoch schon 11 Uhr gewesen sein, bevor ich es zu Stande gebracht, denn stellenweise war das eigentliche Bett sehr seicht und ein sich in demselben vorwärts bewegender Mensch konnte leicht vom Wilde von der Ebene aus beobachtet werden. Der Pfad war eng, zu einer Seite Tümpel mit Schilf umsäumt. Der Fluß war, wie ich schon erwähnt, ziemlich breiter, flacher und seichter, als es sonst am Laufe des Klipspruit zu beobachten war. Ich mochte eine Stunde an dem Pfade gelegen haben, die Sonne brannte heiß und machte mir meine Lage recht unbequem, als von Nordosten her in weiter Entfernung einige Schüsse fielen; theilweise durch einen Grasbusch gedeckt, lugte ich nach Osten zu aus, sah jedoch nichts, außer mehreren ruhig grasenden Heerden von Springböcken, Bläßböcken und Gnu's. Von den letzteren fiel mir die eine dadurch auf, daß die Thiere, eines hinter dem andern trottend, eine bestimmte Richtung, und zwar gerade nach mir zu, eingeschlagen zu haben schienen. Ich wandte mich deshalb auch gegen dieses Ufer und machte mein Gewehr schußbereit. Da jedoch die Gnu's noch weit entfernt waren und sich langsam vorwärtsbewegten, kehrte ich meinen Kopf nach der entgegengesetzten Seite, wohin ich zuvor ausgelugt, und staunte nicht wenig, eine zahlreiche Bläßbockheerde im schnellen Laufe aus derselben Richtung, aus welcher die Schüsse gefallen waren, herannahen zu sehen. Die Thiere waren mir näher als die langsam schreitenden Gnu's, und da sie dieselbe Richtung, d.h. nach dem Pfade eingeschlagen zu haben schienen, wurde ich den letzteren untreu, kroch, mich flach auf den Boden legend, bis zur Mitte des Bettes; bis zum gegenüberliegenden flachen Rande zu gelangen war mir keine Zeit mehr geblieben.

Nach einigen Sekunden erhebe ich ein wenig den Kopf, die Thiere mußten nun schon in unmittelbarer Nähe sein. Doch welche Enttäuschung! Die Bläßböcke mußten mich bemerkt haben, denn etwa 200 Schritte vor mir hatten sie sich zur Flucht gewendet. Die letzten Thiere der Heerde waren eine Gais und ein kleines Böcklein, das lebend zu erlangen, mein lebhaftester Wunsch war; ich wollte es daher versuchen, die Gais zu verwunden und mich dann des Böckleins zu bemächtigen. In den rechten Lauf geschossen, bäumte die Gais auf, hinkte anfangs, allein bald war sie wieder in vollem Lauf, unmittelbar von dem Böcklein gefolgt und hatte die enteilende Heerde eingeholt.