[1] Siehe [Anhang 10].
Da sich meine Patienten englischer Nationalität mehrten, sah ich mich nun genöthigt, mich mit Eifer auf das Studium der englischen Sprache zu werfen. Ein Drittel meiner Kunden waren Deutsche, ein Drittel machten die Holländer aus, ein Viertel der Patienten waren Engländer und den Rest bildeten Eingeborne, Halfcasts aus der Colonie, Koranna's Fingo's, Basuto's und Zulu's. Die Medicamente für meine Kranken bezog ich aus der Apotheke eines Engländers, mit Namen Anthony Davison, dem ich auch seiner prompten Bedienung wegen, während meines Gesammtaufenthaltes in den Diamantenfeldern treu geblieben bin.
Die Basuto-, die Zulu- und die Transvaal-Betschuanastämme stellten damals das größte Kontingent zu den Tausenden der in den Diamantenfeldern sich als Diener verdingenden Schwarzen. Sie bekamen 7 Sh. 6 P. bis 10 Sh. per Woche und die meisten blieben nur sechs Monate in den Feldern, um, nachdem sie um 3 Sh. bis 4 £ St. ein Gewehr, dann um 15 Sh. fünf Pfund Schießpulver, etwas Blei und Kapseln, sowie eine oder zwei Wolldecken, oder einen Hut etc. erstanden hatten, heimzukehren und sich daheim eine Lebensgefährtin zu kaufen. Jeder der Diener war seinem Herrn durch einen, von einem eigens dazu angestellten Beamten ausgefüllten Schein zum Dienste verpflichtet, den er bei jedesmaligem Platzwechsel erneuern mußte, und ohne den angetroffen, er einer Strafe verfallen war. Hatte er sich gut betragen und wollte er heimgehen, so gab ihm sein Herr auf Ansuchen einen Zettel an die Magistratsbehörde, von der dann für den Diener ein Waffenschein ausgestellt, d.h. ihm die Erlaubniß ertheilt wurde, sich ein Gewehr zu kaufen. Auf diese Weise hatten sich Tausende von den sowohl in der Kolonie als in ihren eigenen, unabhängigen Staaten wohnenden Eingebornen Schießwaffen verschafft.
Ich erwähnte der Basuto's unter den obigen Stämmen. In den Jahren 1872 und 1873 bildeten sie wohl als Diener das größte Contingent unter ihren dunkelhäutigen Stammesverwandten. Es sei mir gestattet, ihnen hier einige Worte zu widmen, um so das allgemeine Bild der Bantufamilie zu vervollständigen. Ich unterscheide in Süd-Afrika drei Eingebornenracen, die Buschmänner, die Hottentotten und die Bantu's. Zu der ersteren gehören die eigentlichen Buschmänner, zu der zweiten die eigentlichen Hottentotten, die Griqua's und die Koranna's, zu der dritten die Colonial-Kaffern, die Zulu's, Basuto's, Betschuana's, Makalaka's etc., mehr als 40 Stämme, doch kennen wir auch Uebergangsformen, wie zwischen den Buschmännern und den Bantu etc. Obgleich es dieser Stoff verdienen würde, gründlich behandelt zu werden, habe ich weder Raum noch Zeit, es hier zu thun.[[1]] Von den obgenannten Familien hatten wir bisher theilweise die Koranna und zwei Stämme der Batlapinen kennen gelernt. Die Basuto's (ihre Sprache heißt »Sesuto«) wohnen zum größten Theile an dem Cornetspruit und am Caledon-River, zwischen diesen und den Dracken-Bergen, also auf einem Gebiete, das vom Freistaat, vom Capland, Normansland und Natal begrenzt wird. Sie leben unter englischer Oberhoheit und dies seit ihrem Kriege mit dem Oranje-Freistaat, während ein zweites Bantuvolk, die südlichen Barolongen, als ihre westlichen Nachbarn, Unterthanen der Oranje-Republik sind.
[1] Während meines Aufenthaltes in London im Jänner bis März 1880 von der Anthropological Institute of Great Britain and Ireland aufgefordert, über diesen Gegenstand zu sprechen, behandelte ich dieses Thema in einem speciellen Vortrage.
Unter allen Bantustämmen haben es die Basuto's in Bezug auf den Ackerbau am weitesten gebracht. Ihnen zunächst stehen die Baharutse im Maricodistrict der Transvaal-Colonie, deren ich auf meiner zweiten Reise gedenken werde. Hunderttausende Centner Getreide werden in dem kleinen Ländchen in guten Jahren producirt und man muß zugeben, daß diese Stämme jährlich an Wohlhabenheit zunehmen. Sie besitzen auch große Heerden von Pferden und Rindern.
Als sich letzthin der südlichste der Basutohäuptlinge, der allerlei unruhige Elemente, weggelaufene Diener, Diebe, aus dem letzten Kaffernkriege flüchtige Gaika's und Galeka's etc. bei sich aufnahm, gegen die Engländer erhob und den Krieg mit Diebstahl eröffnete, waren es die übrigen Basuto's, die freiwillig 2000 bewaffnete Reiter in's Feld stellten, um den Engländern beizustehen. In der Bauart ihrer Hütten und in den übrigen Arbeiten kommen sie bis auf wenige unbedeutende Abweichungen den Betschuana's gleich, und nehmen in der eigenen Industrie etwa die Mittelrolle unter den Bantuvölkern ein. Eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale ihrer Industrie von jener der übrigen Bantustämme ist, daß sie aus Holz geschnitzte Fetische (Götzenbilder) verfertigen und diese meist roth und schwarz tünchen. Thaba Bosigo ist der bedeutendste Kraal (Stadt) des Landes und Thaba Unschu jener des von den Barolongen im Freistaate bewohnten Striches. Gegen Norden sind die Basuto's bis an die Vereinigung des Tschobe und Zambesi vorgedrungen.