Von meinem guten Freunde Mackenzie auf das Herzlichste aufgenommen, mußte ich abermals sein Gast sein; um meine Erholung zu beschleunigen, lud er mich ein, so lange bei ihm zu verweilen, als er selbst noch in Schoschong verblieb. Seiner Gastfreundschaft, sowie der bei Herrn Jensen in Linokana genossenen danke ich zum größten Theile meine Genesung. Als ich wieder zum ersten Male ein Stück ordentlich zubereitetes Brod genießen konnte, kam ich mir wie ein mächtiger Herrscher vor, der jede seiner Launen zu befriedigen vermag.

Als ich am Tage meiner Ankunft mit Westbeech Khama besuchte, überraschte er den letzteren mit der Frage nach Z. Khama war davon genau unterrichtet, daß er mit uns gereist war und da half Westbeech keine Widerrede, er mußte gestehen, daß Z. Früh Morgens den Wagen verlassen habe. Am selben Nachmittage noch sandte der König bewaffnete Mannschaft aus, um Z. einzubringen, doch diese kehrten spät am Abend unverrichteter Dinge zurück, worauf der König Berittene aussandte, um die Gegend bis gegen den Khama-Salzsee durchforschen zu lassen.

Am Morgen des 22. kehrten sie mit dem Flüchtigen zurück, beim Durchstreifen des Bushveldts waren sie von dem Scheine eines kleinen Feuers angezogen worden, sie ließen ihre Pferde zurück und näherten sich so leise, daß Z. ohne von seinem Revolver Gebrauch machen zu können überwältigt wurde. Zum Könige gebracht, zeigte sich Z. über seine Gefangennehmung sehr aufgebracht. Der König aber hielt ihm sein Vergehen vor und verurtheilte ihn zu einer Geldbuße von 100 £ St. und als sich der Verurtheilte entschuldigte, daß er diese Summe nicht besäße, antwortete Khama, »ich weiß wohl, daß Du Dein Gespann sammt Wagen an W. verkauft hast, er muß für Dich bezahlen, da er noch das Geld schuldet.«

Die mitgekommenen Matabele brachten einen Brief La Bengula’s an Khama, welcher diesen einlud, gemeinschaftlich an den Präsidenten der Transvaal-Republik und Sir Henry Bartle, den Gouverneur der Cap-Colonie, die Bitte zu richten dem Vordringen der Damara-Emigranten Einhalt zu gebieten. Am 22. wurden zwei Händlergehilfen von dem Könige in öffentlicher Sitzung zu je 10 £ St. Strafe verurtheilt, weil sie vor ihren außerhalb der Stadt liegenden Gehöften in betrunkenem Zustande aufgefunden wurden. »Wenn Ihr Euch schon nicht enthalten könnt,« sagte Khama, »so thut es innerhalb Euerer Wohnungen oder Wägen, um nicht meinen Leuten ein böses Beispiel zu geben.«

Am 24. reisten meine Gefährten nach dem Süden ab, während ich mit Westbeech’s Wagen, den er vor der Hand nicht benöthigte, nachdem er das Elfenbein daraus entnommen, in Schoschong im Hause meines Freundes Mackenzie zurückblieb. Am 25. und 26. fühlte ich mich leidlich wohl und hielt im Hofraume Revue über meine Sammlungen, von welcher der von einem Jagdzuge am Limpopo zurückkehrende Kapitän G. ganz entzückt zu sein schien. Es freute mich, mit dem Könige bereits ohne Dolmetscher in der Setschuana plaudern zu können. In den Abendstunden verzeichnete ich meine Erlebnisse, während mir Rev. Mackenzie wieder Interessantes über die Gebräuche der Bamangwato’s mittheilte.

Koranna-Gehöfte bei Mamusa.

Am 4. kam der Elfenbeinhändler Shelten vom N’gami-See an und berichtete von der Gefangennahme des Damara-Emigrantenführers Van Zyl durch die Damara’s, sowie daß eine Horde der Makololo, die sich aus der früheren Niedermetzelung des Stammes gerettet und heimlich am Tschobe aufhielt, von den westlichen Bamangwato’s vernichtet worden sei. Da ich mich am 10. etwas wohler fühlte, bestieg ich das Plateau auf welchem der entscheidende Kampf zwischen Sekhomo und seinen Verbündeten, den Makalaka’s einerseits und Khama andererseits stattfand. Ich fand nur ein einziges der vorgefundenen Skelete der Makalaka’s für meine Sammlungen brauchbar.

Am 13. kam durch die eingebornen Postboten die Nachricht, daß in der Transvaal-Provinz zwischen den Boers und dem Eingebornen-Häuptling Sekokuni Krieg ausgebrochen sei. Von Khama aufgefordert, übernahm ich bis zum Ende meines Aufenthaltes in Schoschong die Behandlung der sich meldenden kranken Eingebornen, wobei mir die beiden Herrn Missionäre getreulich beistanden und auch die nöthigen Medicamente lieferten.[18] Am 15. sandte ich einen Bericht an Lord Derby, dem Minister für auswärtige Angelegenheiten Großbritanniens, über die Sklaverei im Marutse-Reiche. In den folgenden Tagen kamen häufige Nachrichten von den Grausamkeiten, welche von den beiden im Lande Seschele’s kriegführenden Theilen, den Bakwena’s und Bakhatla’s, ausgeübt worden waren. Anfangs waren die Bakwena’s, dann die Bakhatla’s zum Angriff übergegangen.

Am 24. wurde in Schoschong die Boguera an den Mädchen vorgenommen, wie Khama mir versicherte, zum letzten Male. In den ersten Tagen des Juni begann Freund Mackenzie Vorbereitungen zu seiner Uebersiedlung nach Kuruman, wohin er berufen worden war, um ein größeres Seminar zu gründen. So weit meine schwachen Kräfte hinreichten, suchte ich ihm bei seinen Arbeiten zu helfen. Doch die Krankenbesuche während der heißen Zeit verschlechterten meinen Zustand und ich sah mich gezwungen, Khama zu ersuchen, mir ein Pferd zur Verfügung zu stellen, was er auch that. Während dieses Aufenthaltes in Schoschong erfuhr ich, daß Matscheng und andere Betschuana-Häuptlinge am rechten Limpopo-Ufer wohnten, ohne die Oberhoheit der Transvaal-Republik anzuerkennen und der Limpopo deshalb nicht als Nordgrenze dieses Landes angesehen werden könne. Am 13. kam die Nachricht, daß die Bakhatla bei ihrem Angriffe auf Molopolole, die Hauptstadt der Bakwena’s, geschlagen worden waren. Im Kampfe hatten die Hinterlader der letzteren den Ausschlag gegeben.