Am 21. verließen wir Schoschong; unsere Karawane bestand aus sieben Wägen. Außer mir und Herrn Makenzie reisten auch Herr Hephrun und die beiden Missionäre Thompson und Helm aus dem Matabele-Lande mit, denn die Herren hatten in Molopolole eine Conferenz abzuhalten. An Khama’s Salzsee wurden wir noch durch einen Abschiedsbesuch des Königs Khama beehrt, er konnte nicht umhin, noch einmal meinem Freunde Mackenzie, dem Manne, dem er so viel zu verdanken hatte, die Hand zu drücken. Bei dieser Gelegenheit fand er mehrere Wägen eines Händlers vor, der durch sein Land nach dem Matabele-Lande ziehen wollte. Khama gestattete dies jedoch nicht und zwang den Mann zur Rückkehr nach dem Süden, weil derselbe ein Jahr zuvor gegen des Königs Willen im Lande Branntwein verkauft hatte.
Wegen Wassermangel war unser weiterer Zug bis an den Limpopo recht beschwerlich, statt ihn wie gewöhnlich zu kreuzen, umfuhren wir den Sirorume, um dem erwähnten tiefsandigen Wald an diesem Flusse auszuweichen. Kurze Zeit zuvor hatte im Flußthal ein Löwe in der Nacht das Pferd des Jägers Dracke getödtet, wobei einer der schwarzen Diener einen Ochsen für das Raubthier ansah und diesen auch glücklich erlegte. Abends am 23. kamen wir an der Notuany-Mündung an und blieben bis zum 26.; ich lernte hier auch den Afrikareisenden, Kapitän Grandy kennen, der nach dem Matabele-Lande reiste und später dem Fieber erlag.
Wir zogen nun das Limpopo-Thal aufwärts, die Geleise, welche nur einige Male, das letzte Mal wohl vor Jahren, befahren worden sein mochten, waren äußerst schlecht, theilweise tiefsandig, meistens felsig. Am 1. und 2. lagerten wir an einer jener Lachen, welche, wie schon erwähnt, am Ufer des Notuany gelegen, von Quellen sowohl wie von dem ausgetretenen Flusse gespeist werden und selbst dann noch wasserhaltig bleiben, nachdem der Fluß schon längst ausgetrocknet ist. Die angetroffene Lache war zwanzig Meter breit, hundertfünfzig lang und enthielt zahlreiche Fische. Da an einem der Wägen des Herrn Mackenzie ein Rad gebrochen war, begab sich Rev. Hephrun nach der nahen Stadt der westlichen Bakhatla, Mochuri, um von zwei daselbst wohnenden Händlern ein Rad zu entlehnen. Als wir am 3. Mochuri erreichten, hörten wir, daß die Bakhatla Tags zuvor von ihrem Kriegszuge gegen die Bakwena’s heimgekehrt waren. Sie hatten sich unbemerkt der Hauptstadt Molopolole genähert und nachdem sie sechzehn Makalahari-Hirten getödtet, sich der Heerden bemächtigt und alle Angriffe der Bakwena’s, die Heerden wieder zu gewinnen, zurückgeschlagen. Da erst erstand der König der Bakwena’s von den Händlern einige Hinterlader und mit Hilfe derselben war es endlich den Bakwena’s gelungen, so viele Bakhatla niederzuschießen, daß diese die geraubten Heerden aufgeben mußten. Von den gefallenen Bakhatla’s waren nur zehn todt, die übrigen verwundet, allein von den Verwundeten nur vier heimgekehrt, die übrigen waren nach Bakwena-Sitte, trotzdem sie einen christlichen König hatten (Seschele), niedergemetzelt worden. Die Bakhatla’s klagten, daß die Bakwena’s einige ihrer Viehposten überfallen, die Hirten getödtet und ihren Frauen Hände und Füße abgeschlagen hatten.
Die Stadt der Bakhatla’s schien mir die reinlichste Betschuana-Stadt, die ich bisher besucht hatte. Der Stamm der Bakhatla’s war früher im Transvaal-Gebiete ansässig, verließ jedoch das Land nach der Besitznahme desselben durch die Boers zum großen Theile und siedelte sich nun unter zwei Häuptlingen als östliche und westliche Bakhatla im Lande Seschele’s an. Dieser forderte nun von ihnen wie von den Makhosi und den Batloka Tribut, den sie verweigerten. Mochuri breitet sich an einer Sattelhöhe aus, der Ort ist von einem hohen Dornzaune umgeben, die Gehöfte sind äußerst rein gehalten und gut cementirt. Bis zum Jahre 1876 waren die Bakhatla unter den centralen Betschuana’s der einzige Stamm, welcher sich mit Tabakbau beschäftigte und dessen Erträgnisse in den Handel brachte. Eine ihrer Hauptbeschäftigungen außer dem Ackerbau ist die Gerberei und Bearbeitung des Leders zu verschiedenen Artikeln. Die Mehrzahl des Stammes spricht holländisch.
Ich erstand hier von den Häuptlingen durch Vermittlung Rev. Mackenzie’s zwei junge Löwen und verließ hierauf Mochuri, um weiter nach dem Süden, gegen Tschuni-Tschuni, zu ziehen, während sich meine Freunde, die Missionäre, nach Molopolole wandten. Ich schied schweren Herzens von ihnen, denn beide waren mir stets wahre Freunde gewesen. Von Mochuri gelangt man nach einer zwölfstündigen Fahrt nach Molopolole (etwa dreißig englische Meilen). Nachdem ich das bewaldete Thal des Notuany verlassen, durchfuhr ich in südöstlicher Richtung eine große Ebene, welche in Folge ihres Salzgrundes nur spärlich mit Gras bewachsen war. Am 4. meine Reise fortsetzend, langte ich Nachmittags in Tschuni-Tschuni an. Hier herrschte solche Trockenheit, daß man über dreißig Fuß tiefe Löcher im Felsengrunde der Spruits graben mußte, um auf Wasser zu stoßen. Ich hielt mich deshalb nicht lange auf und zog weiter. Während einer Rast am nördlichen Abhange der Dwarsberge entsprangen mir meine jungen Löwen. Es währte mehr als zwei Stunden, bis ich und meine Diener, zerkratzt und mit zerbissenen Händen die Thiere eingefangen hatten.
Am 6. erreichte ich das dem Leser schon bekannte Brackfontein und schlug von hier statt der südwestlichen über Buysport eine südliche Richtung ein um nach Linokana zu gelangen, wobei ich auf die Farm Leuvfontein zusteuernd, das Bushveldt von Norden nach Süden durchzog. Auf diesem Marsche bemerkte ich, daß das Morupa-Flüßchen von Buysport sich in einigen seichten Einsenkungen verlor und nur nach sehr heftigen Regengüssen über die Grasflächen strömend den großen Marico erreicht. In diesem Thale nahe an der Farm Leuvfontein am Nordabhange des östlichen Höhenzuges, über welche der Buysport-Paß führt, trug sich vor einigen Jahren ein Löwenabenteuer zu, welches ich noch wegen seiner Originalität und weil es dem schon mehrmals erwähnten Van Viljoen, einem der berühmtesten Löwenjäger zustieß, im Folgenden wiedergeben will.
Im Jahre 1858 unternahm Mynheer Jan van Viljoen mit seinem ältesten Sohne und einem Holländer mit Namen Engelbrecht eine Reise in das Bushveldt. Man hatte die Stelle, an der gegenwärtig Leuvfontein liegt, verlassen, und war eben daran, das untere Morupa-Thal zu kreuzen. Die drei Jäger ritten voraus, denn die Wägen bewegten sich äußerst langsam vorwärts. Eine unmittelbar vor ihnen den Weg kreuzende Pallahheerde verleitete Viljoen sein Jagdglück zu erproben und so verließ er seine Gefährten und wandte sich rechts in die Büsche. Sich auf hundertfünfzig Schritte den Thieren behutsam nähernd, ersieht der Jäger eine gute Gelegenheit, einen tüchtigen Pallahbock aufs Korn zu nehmen; während er eben anlegt, scheint es ihm, als ob er von links her einen auftauchenden Schatten wahrnehmen würde. In dem Momente als er sich umsieht, fühlt er sich von einem Löwen erfaßt und sein Gesicht in des Löwen Rachen. Tiefe Narben im Gesichte zeugen noch heute für das starke Gebiß des Räubers. Er war durch den Sprung des mächtigen Raubthieres vom Pferde herabgerissen worden, allein kaum lag er auf dem Boden, als ihn der Löwe losließ und bald den vor sich daliegenden und ihn anstierenden Menschen, bald das ruhig stehende und an die vierfüßigen Räuber ziemlich gewöhnte Pferd betrachtete. In Folge des Falles Viljoen’s, war der Sattelgurt gerissen und der Sattel hing nun an den Hinterfüßen des Pferdes, das vom gestürzten Reiter etwa vier Meter entfernt war. Nachdem sich der Löwe eine Zeit lang Roß und Reiter betrachtet, schnappte er plötzlich nach der Brust desselben, um ihn davonzutragen, doch Viljoen war eben so rasch und versuchte mir seinem rechten Arme die Brust zu decken, während er mit seiner linken Hand den Löwen an seinem linken Ohre festhielt. Das Raubthier erfaßte nun mit seiner unteren Kinnlade den Arm, mit der oberen die Brust. In diesem für Viljoen so verhängnisvollen Momente wurde das Pferd sein Lebensretter. Den Sattel an seinen Hinterfüßen als unnütze Last fühlend, schlug dasselbe aus, so daß der Sattel aufflog und die Bügel klingend aneinanderschlugen. Da läßt der Löwe den Jäger fahren und stiert das Pferd an, das nun zum zweiten Male ausschlägt, wodurch der Schwanzriemen reißt und der Sattel gegen den Löwen und Jäger herabkollert. Dies schien selbst dem verwegenen Räuber zu viel. Mit einigen Sätzen sprang er zur Seite und stellte sich etwa zehn Meter weit beobachtend auf. Viljoen erhebt sich sofort und ergreift sein nebenan liegendes Gewehr. Doch beim Anlegen fühlt er einen heftigen Schmerz im Munde. Der Jäger denkt, der Löwe hätte seine Kinnlade zerbissen, und da er fürchtet, daß ihm in diesem Zustande das Abfeuern des geladenen Vierpfünders eine nicht geringere Verwundung als des Löwen Biß eintragen würde, entschloß er sich, nur im äußersten Nothfalle davon Gebrauch zu machen. Von einer nahen Höhe herabkommende Baharutse, welche die gefährliche Situation leicht begriffen, zwangen indessen den Löwen durch lautes Geschrei zur Flucht. Verwundert sahen Viljoen’s Gefährten diesen über und über mit Blut besudelt sich ihnen nähern.
Sechsundzwanzig Tage lang lag der Jäger in Folge seiner Brust- und Armwunden darnieder, bevor er sein Lager verlassen konnte. In derselben Nacht tödtete der Löwe einen von Moilo’s Hirten, der in einem nahen Gehölze wohnte. In Folge der letzteren Unthat wurde er am folgenden Morgen von einem großen Haufen der Baharutse verfolgt, aufgesucht und erschossen. Es war ein ausgewachsener Krachmanetje.
Am 8. erreichte ich Linokana und wurde hier von Herrn Jensen auf das Freundlichste angenommen. Viel Freude bereitete mir der Besuch meines werten Freundes Eberwald, der meinethalben von den fernen Leydenburger Goldfeldern hierhergekommen war, um mich zu begrüßen. Während meines Aufenthaltes in Moilo, wo er Herrn Jensens freundliche Aufnahme mit der Pflege, die er dessen Gärten angedeihen ließ, entgalt, war er mir sehr behilflich, und reiste auch später mit mir nach dem Süden. Der Häuptling Moilo war gestorben und sein Neffe Kopani von Moschaneng, der der Transvaal-Regierung unterstehende Häuptling der Baharutse, Chef von Moilo geworden. Den Tag nach meiner Ankunft, als eben ein geräumiger Käfig für mein Löwenpärchen fertigstellt war, verendete die Löwin.
Im Osten der Republik wüthete der Kampf, wobei sich die Weißen im Nachtheile befanden. Allenthalben im Marico-District wie in der ganzen Republik wurden Leute, Vieh und Wägen conscribirt, wogegen die Ackerbauer sehr murrten.