Am 5. August langte Herr Mackenzie auf seinem Marsche nach Kuruman hier an, auch Herr Williams kam von Molopolole, um mich wegen seiner Gesundheit zu consultiren. Am 6. entlohnte ich meine vier Zambesi-Diener To, Narri, Burilli und Tschukuru, damit sie nach dem Zambesi zurückkehren konnten und um mich ihrer Hilfe auch auf dem nächsten Zuge zu versichern, gab ich mehr als ihnen gebührte. Durch Herrn Wehrmann, einen unter den östlichen Bakhatla’s wohnenden Missionär, erfuhr ich, daß ihre Stadt zwei Stunden westlich vom großen Marico am nördlichen Abhange gelegen, Melorane, und der Häuptling der westlichen Bakhatla’s Linsch heiße und ein Sohn Khamanani’s sei. Bevor noch meine Diener nach dem Norden abgingen, benützte ich meine geringe Kenntniß der Senansa und der Sesuto-Serotse-Sprache, um einiges über die Setonga (zwei meiner Diener waren Matonga’s) zu erfahren.

Um mir zur Rückreise nach den Diamantenfeldern einiges Geld zu erwerben, übernahm ich die Behandlung von Kranken. Unter meinen Patienten befand sich auch ein Händler K., der durch Westbeech’s eminente Rosselenkerkunst aus dem Wagen geworfen worden war und sich arg beschädigt hatte. Auch der holländische, allgemein beliebte Prediger de Vries befand sich unter meinen Kranken, dessen Heilung mir unter der holländischen Bevölkerung des Districtes viele Freunde erwarb. Am 19. September erhielt ich von Lord Derby eine freundliche Antwort auf den ihm von Schoschong aus gesendeten Bericht über die Sklaverei im Marutse-Reiche. Am 24. verließ ich Linokana, schlug von hier nach Mamusa den kürzesten Weg ein und berührte Ooisthuizens erzreiche Farm sowie den südlichen Theil der westlichen Grenze des Marico-Districtes; der Weg auf dieser Strecke bereitete uns ob seiner felsigen Beschaffenheit ungemeine Schwierigkeiten.

Platberg bei Rietfontein.

Bei meinen kleinen Ausflügen in der Umgegend der Farm Dornplace am Molapo fand ich auch den vom Eigentümer desselben erwähnten Felsensee (Joubert-See), wohl der kleinste in Süd-Afrika, der in einem tiefen, etwa hundert Meter langen und etwa über fünfzig Meter breiten Felsenloche liegt; fünf Meter vom Ufer betrug die Wassertiefe circa zweiundvierzig Meter. Laut Angabe des Farm-Eigenthümers stand das Wasser in der Regenzeit bis zu 1½ Meter höher; derselbe glaubte auch, daß der See mit dem nahe vorbeifließenden, doch tiefer liegenden Molapo communicire. Ich denke, daß die unteren Felsen aus dem harten grauen Kalkstein bestehen und der kleine Felsensee am Grunde zahlreiche Grotten und Höhlen besitze und auch aus diesen gespeist wird. Die steilen Felsenwände waren von hellrostbraunen großen Klippschliefern, Felsentauben, Staaren und zahlreichen Bienen bevölkert. Herr Joubert bereicherte meine Jagdnotizen mit mehreren sehr interessanten Jagdbegebenheiten, darunter drei Löwenjagden. In früheren Zeiten schienen Löwen, namentlich die mähnenlose Art sich äußerst zahlreich am Molapo aufgehalten zu haben. Herr Joubert sowie andere Farmer des Molapo-Thales klagten über die Krebsschäden der Transvaal-Republik und gaben mir mit Joubert, dem Feldcornet an der Spitze, die Vollmacht, bei der englischen Regierung die Annexion des Molapo-Thales zu beantragen. Sie klagten namentlich über die willkürliche Handhabung der Gesetze, sowie, daß die Republik sie gegen die Barolongen nicht zu schützen vermöge, nachdem sie zuvor Concessionen zum Farmankauf und zum Ankauf von Landgebieten ertheile, welche nicht ihr, sondern den Barolongen angehören.

Am 30. aufbrechend, gelangte ich nach einer kurzen Fahrt zu der von mehreren Familien bewohnten Farm Rietvley, spät Nachmittags nach Poolfontein. Früher eine Farm, ist es jetzt eine Niederlassung von Barolongen unter dem Häuptling Matlabe; der Stamm wurde aus der Umgegend von Potschefstroom hieher angesiedelt. Hier war auch Herr Hansen als Mitglied der Hermannsburger Mission thätig, doch gehörte der größte Theil der Bevölkerung dem wesleyanischen Bekenntniß an. Eine in dieser Gegend zu Tage kommende Quelle entspringt aus einem der tiefen Löcher des harten grauen Kalksteines, in der Umgegend stieß ich auch auf einen tiefen kleinen Felsenweiher, der sich durch eine schwimmende Grasinsel auszeichnete.

Noch am selben Abend verließ ich die Barolongen (Stamm der Ba-Rapulanen), welche fleißig den Ackerbau betreiben. Die Reise in den folgenden Tagen bis an den Harts-River, den wir eine Tagreise oberhalb Mamusa überschritten, führte durch die wildreichen Quagga-Ebenen. Das Gras war niedrig, die Gegend ziemlich trocken und in Folge dessen das Wild, das sich in wasser- und grasreichere Gegenden zurückgezogen, seltener. Die Quellen des Maretsane-Flusses berührend, fand ich die seichte Thalvertiefung ziemlich reich an Niederwald. Am 1. langte ich bei einem großen Salzsee an, der ähnlich wie der Moffat-See von Wassergeflügel reichlich belebt war. Leider erkrankte ich hier abermals am Fieber und so war ich hier sowohl am Kalverts- wie an einem nahen zweiten, dem Helmor-Salzsee in der Jagd nicht besonders glücklich.

Am 4. November weiterziehend, besuchte ich den Harm-Salzsee, an dessen Ufer einige Boers in äußerst ärmlichen Verhältnissen von der Jagd und vom Salzgewinne lebten; an den folgenden Tagten passirte ich den Mackenzie- und Livingstone-Salzsee und langte nach einer mehrstündigen Fahrt über sumpfartig aufgeweichtem Boden bei einem von hohen Binsen umsäumten Weiher an, in dessen Mitte ein tiefes Felsenloch zu liegen schien. Als wir uns der Stelle näherten, wurden wir förmlich von dem Geschrei betäubt, das uns von seinen befiederten Bewohnern tausendstimmig entgegenschallte. Ich glaube, es ist der einzige seiner Art auf den Ebenen des Harts-River und Molapo. Wir schlugen in zwei verlassenen holländischen Jagdhütten, um welche ringsum ein wahres Golgatha von Antilopen- und Gnu-Knochen errichtet war, unser Nachtlager auf. Ich bedauerte, daß mir zur gründlichen Untersuchung des Sumpfes ein Kahn fehlte. Außer den mannigfachsten Sumpf- und Wasservögeln waren es namentlich Finken, welche im Uferschilfe hausten; ein seltenes Schauspiel brachte der Abend tausende und tausende von Schwalben kamen von ihrer Tagesjagd von den unabsehbaren Ebenen herangeschwärmt, um daselbst zu übernachten.

Am 9. überschritten wir zum ersten Mal den Harts-River, der durch Regen angeschwollen, die Durchfahrt nicht wenig gefährdete. Den Harts-River entlang ziehend, erreichten wir am 10. Mamusa und am folgenden Tage Houmans-Vley. Während des Marsches fing ich einen mächtigen Landleguan. Ich wurde von dem Farmer S. F. Houman freundlich aufgenommen; derselbe machte mich auf einige Pavian-Skelete aufmerksam, welche auf dem Abhange zum Harts-River lagen und erzählte mir folgende Jagdbegebenheit. Er war vor einigen Wochen von vier Hunden gefolgt, ausgeritten, um einige vermißte Schafe aufzusuchen. Als er heimkehrend sich etwa auf zwei Meilen seinem Hause genähert hatte, traf er eine dreißig Stück zählende Pavianheerde an. Trotz der Müdigkeit jagten die Hunde sofort auf dieselben los, doch wurden sie von diesen übel zugerichtet. Während sich die meisten Affen auf Bäume flüchteten und so die Hunde zerstreuten, warfen sich einige der größeren Thiere zu gleicher Zeit auf je einen Hund. Der unbewaffnete Farmer sprengte nun mit dem Pferde auf die Affen ein und trennte das stärkste Männchen von der Truppe. Auf dieses hetzte er seine muthigen vier Hunde, doch der Affe warf sich dem vordersten so geschickt entgegen, daß er ihm mit seinem furchtbaren Gebiß die Kehle ausriß. Im nächsten Momente hatte der zweite Angreifer ein gleiches Schicksal erlitten und beide Hunde waren wenige Augenblicke später verendet, die beiden anderen, noch jungen Hunde suchten unter dem Pferde Schutz. Aufgebracht über den Verlust der Hunde eilte der Farmer heim, bewaffnete sich und erlegte sechs Paviane.

Bevor ich noch von meinem Gastfreunde schied, theilte er mir noch etwas über seine Abstammung mit. Sein Vater stammte aus Mecklenburg, wo er durch Unvorsichtigkeit den Tod zweier seinem Vater angehörenden Rennpferde verschuldete. Aus Furcht vor der Strafe verließ er mit einem Kaufmannsschiffe die Heimat, kam in Capstadt an und siedelte sich später hier an.