Am 14. verließ ich die Farm und zog weiter südlich und südwestlich nach der Hallwater-Farm, welche ich von zahlreichen Koranna’s bevölkert fand. Je näher ich den Diamantenfeldern kam, desto trüber wurde meine Stimmung. Ich hatte kaum 2 £ St. im Vermögen, dagegen eine Schuld von 120 £ St. an Herrn Jensen zu bezahlen, ohne daß ich je hoffen konnte aus dem Verkaufe von Wagen und Ochsen diesen Betrag herauszuschlagen, da solche in Diamantenfeldern billiger als in der Transvaal-Republik erstanden werden können.

Am 20. langte ich in Christiana an und machte hier die interessante Bekanntschaft eines Händlers mit Namen Sanders, der an der tropischen Westküste Afrika’s gereist war. Das Vaal-Riverthal nach abwärts ziehend, stellte sich am 23. bei mir ein neuer heftiger Fieberanfall ein und krank erreichte ich am 26. Kimberley.


[18] Von den achtzig Kranken waren mehr als siebzig mit Lues behaftet.

XVI.
Mein letzter Aufenthalt in den Diamantenfeldern.

Wiederaufnahme der ärztlichen Praxis. — Mein neues Heim und kleiner Thiergarten in Bultfontein. — Ausstellung meiner Sammlung im Varieties-Theater zu Kimberley. — Ausflug nach der Farm Wessels. — Die Gravirungen der Buschmänner. — Hyänen- und Erdferkeljagden. — Meine Broschüre über die Eingebornenfrage. — Irrige Auffassung derselben in England. — Ernste Zeiten für die Colonie und Griqualand-West. — Major Lanyon und Colonel Warren. — Aufbruch nach der Küste.

Fingoknabe.

Von allen Mitteln entblößt, traf ich zum vierten Male in den Diamantenfeldern ein. Nach einundzwanzigmonatlicher Abwesenheit von denselben konnte ich mir die Schwierigkeiten nicht verhehlen, welche sich mir bei der Wiederaufnahme meiner ärztlichen Praxis entgegenstellten, ich war neuerdings fast fremd geworden und doch bot mir die Praxis die einzige Gelegenheit, meinen Verpflichtungen nachzukommen. Unwillkürlich regte sich in mir der Wunsch zur Herstellung meiner erschütterten Gesundheit in die Heimat zurückzukehren. Der Gedanke, das mir selbst gestellte Problem nicht gelöst zu haben, verbannte jedoch denselben vorläufig aus meiner Seele. In dieser drückenden Lage entschloß ich mich schon einige Tage nach meiner Ankunft eine Ausstellung der gesammelten naturhistorischen und ethnographischen Objecte zu veranstalten, um mit dem Ertrage derselben später die Heimreise antreten zu können. Da ich Herrn Werner von meiner Ankunft in Kenntniß gesetzt hatte, fand sich dieser schon am ersten Tage außerhalb Kimberley bei mir ein und lieh mir unaufgefordert eine Geldsumme, welche es mir gestattete, die geplante Ausstellung in’s Werk zu setzen. Ich zog deshalb mit meinem Wagen nach Bultfontein, wo ich einfacher und zurückgezogener leben konnte. Zudem fand sich gerade ein einsames Häuschen in der Nachbarschaft meines Freundes, der, obwohl jetzt verarmt, mir doch in meiner Krankheit treue Pflege angedeihen ließ. Die gemiethete Wohnung bestand in einem aus Lehm ausgeführten viereckigen Zimmer, hatte einen einfachen Lehmboden und war mit Zinkblech gedeckt, welche Bedachung den Aufenthalt namentlich im Sommer recht unerträglich machte.

Hier hatte ich nun meine Sammlungen untergebracht und wohnte mit meinem Freunde Eberwald, welcher mir die ganze Zeit treu zur Seite stand und unter meiner Aufsicht die Medicamente für meine Patienten bereitete. Das Geschick war mir hold, schneller als ich es je zu hoffen gewagt, vermehrte sich meine Praxis und hob meinen Muth; mit einiger Beruhigung konnte ich in die nächste Zukunft blicken. Vor meinem Häuschen standen die Ruinen einer dachlosen Küche, in dieselbe stellte ich den mit Herrn Eberwald zu Anfang des Jahres 1877 gearbeiteten großen Löwenbehälter, während ich im Umkreise derselben die Höfchen, Behälter und Käfige für meine vierfüßigen Thiere und Vögel errichtete. Leute, die aus der Colonie, aus dem Oranje-Freistaate aus dem Transvaal-Gebiete etc. nach den Diamantenfeldern kamen, verfehlten nicht, meine zahmen Thiere (die meisten waren vollkommen gezähmt) anzusehen und brachten mir bei späteren Besuchen andere seltene Thiere mit.