Mein Haus in Bultfontein.

Als sich im Jahre 1878 meine Praxis bedeutend vermehrt und Freund Eberwald, mein Apotheker, alle Hände vollauf zu thun hatte, wurde die Pflege der Thiere zwei Schwarzen übergeben, welche es leider an Sorge und Nahrung fehlen ließen. Durch die Einflüsse der Witterung kamen manche der Behälter, welche ich so groß wie möglich und der Lebensweise der Thiere angemessen, construirt hatte, zu Schaden. Einzelne Thiere entwichen und wurden von der umwohnenden, freien schwarzen Bevölkerung erschlagen und verzehrt, andere wieder nicht richtig gepflegt und so hatte ich, bevor ich die Diamantenfelder verlassen konnte, mehr als zwei Drittel meiner Pfleglinge verloren. Um die großen, bald pyramiden-, bald thurmähnlich geformten Käfige für kleinere Vögel hatte ich Epheu und Lianen gepflanzt, so daß die armen Gefangenen im natürlichen Laubschatten gegen die senkrechten Strahlen der afrikanischen Sonne geschützt, munter umhersprangen und sangen. Der beschränkte Raum gestattet es mir nicht, meine zweijährigen Beobachtungen an meinen Gefangenen hier mitzutheilen, ich muß mich mit der Specification derselben begnügen. Vor Allem muß ich meines Löwen erwähnen, der mir ungewöhnlich anhänglich war, obwohl ich ihn der Besuche halber im Käfige halten mußte. Oft steckte er seine Vorderpfoten aus dem Käfige, um mich zu umarmen und gab mir seine Anhänglichkeit durch Liebkosungen zu erkennen. Ich refusirte ein Offert von 100 £. St., als er fünf Monate alt war und verlor ihn später, nachdem er mich das Doppelte gekostet. Als ich vierzehn Tage behufs Gewinnung der Felsgravuren der Buschmänner im Oranje-Freistaate weilte, wurde sein Käfig nicht gut gereinigt und ich erkannte leider seine Todesursache zu spät. Er erlag einer Amoniämie. Wenn er während seiner Krankheit mich zufällig auf meinem Mosco vom Krankenbesuche heimkehrend, erblickte, sprang er so plötzlich und unerwartet auf, daß die Besucher meines kleinen Thiergartens auseinander stoben, während er sich schon an die weit von einander abgehenden Gitterstäbe schmiegte, um sich von mir streicheln zu lassen.

Felsen-Gravirungen der Buschmänner.

Ich hatte Schakale, die wiederholt wegliefen und wiederum zurückkehrten, Springhasen, die sich wie Säuglinge hätscheln ließen, doch sie alle konnten mir nicht den Verlust meines jungen Löwen »Prinz« ersetzen. Als es mit ihm schon stark bergab ging und er nicht mehr aufrecht stehen konnte, schleppte er sich, sowie er nur meine Stimme hörte, gegen das Gitter hin. Ich hatte in meinem Thiergarten weiters Meerkatzen und Paviane, Igel, Rohrrüßler, einen Caracal, Mangusten, das schwarz-weiß gestreifte Wiesel, Schabrakenschakale, Wolfshyänen, Springhasen, Berghasen und Erdeichhörnchen, gestreifte und Blindmäuse, Schuppenthiere, Steenbock-, Deuker- und Springbockgazellen und einen Klippschliefer etc., von Vögeln nenne ich drei braune südafrikanische Adler, einen Schopfadler, zwei Arten von Gabelweihen, Rothfalken, sowie Sperberarten, ferner Schlangenadler, braune und schwarze Aasgeier (Gyps socialis), zwei Arten Uhu’s, Ohreulen, Papageien, Mandelkrähen, schwarze und weißgescheckte Krähen, Kernbeißer und insectenfressende Singvögel, einen Tukan, Fischreiher, verschiedene Wildgänse, einen Pelikan, einen Schlangenhalsvogel u. a. m.

Im Jänner des Jahres 1877 war ich, wie schon erwähnt, im Stande, im Varieties-Theater in Kimberley eine Ausstellung meiner Sammlungen zu veranstalten. Ich muß gestehen, daß mir diese Ausstellung, so viele Freunde sie mir auch schuf, materiell keinen Nutzen brachte, im Gegentheile mich in Schulden stürzte und ich gezwungen war, um mir die Mittel zur Rückkehr nach Europa zu verschaffen, neuerdings meine ärztliche Praxis aufzunehmen und die Gesammtersparnisse des Jahres 1877 auf Tilgung meiner Verpflichtungen zu verwenden.

Obgleich die Diamanten wieder im Preise gesunken, waren doch der anhaltenden Dürre halber Cerealien theurer wie je; daher war es mir willkommen, ein tüchtiges Roß als Reitthier zu erwerben, welches mir dieselben Dienste leistete, als drei oder vier Pferde im Jahre 1873. Die zunehmende Praxis im Jahre 1878 hatte meine Gesundheit — denn ich bin bis jetzt noch immer kränklich gewesen — nicht gebessert, so daß ich in der Zeit, zu welcher sich alle meine Patienten bis auf zwei Kinder bedeutend wohler fühlten, die Diamantenfelder verließ, und mich für kurze Zeit auf eine der Farmen in dem nahen Freistaate begab, wo ich von dem Besitzer, Herrn Wessels, freundlich aufgenommen und mir ein Haus zur Verfügung gestellt wurde. Auf dem Gebiete dieser Farm fand ich die schon vor mir von dem Geologen Georg Stow und Kapitän Warren besichtigten Gravirungen der Buschmänner, welche diese auf Bergeshöhen anbrachten.

Im Aussterben begriffen, bewohnen die Reste dieses Stammes einzelne Theile der Cap-Colonie und haben bis heutigen Tages den Einflüssen der Civilisation sich zu entziehen gewußt. Einst bewohnten sie felsige Höhen und die Höhlen an den schroffen Abhängen derselben in der Cap-Colonie und im Oranje-Freistaat. Sie scheinen die ältesten Bewohner Süd-Afrika’s zu sein und ein Theil derselben sich mit den vom Norden andrängenden Banthu-Familien zu den Masarwa’s, ein anderer Theil mit den noch früher aus Nordnordosten einwandernden Hottentoten verschmolzen zu haben.

Von ihren Felsenhöhlen erspähen sie das Wild auf den Ebenen und jagen es mit Bogen und Pfeil. Auf so tiefer intellectueller Stufe sie auch standen, vermochten sie es, die Felswände der von ihnen bewohnten Höhen mit Ockermalereien — Thiere, Schildkröten, Leguane, Schlangen und Thierkämpfe, sowie Kämpfe mit den sie bedrängenden Banthu’s, die Gestirne und andere in die Augen fallende Objecte darstellend — zu verzieren. Als das Wild nach und nach von den eingewanderten Europäern erlegt worden war, stiegen die Buschmänner von ihren Höhen herab, um die Heerden der Weißen zu erbeuten, welches Vorgehen einen gegen sie eröffneten Vernichtungskampf zur Folge hatte. Der wahre Buschmann (es gibt zu viele Mischlinge) liebt seine Felsenhöhen leidenschaftlich, und hat er sich auch als Diener vermiethet, oder ist er, wie in früheren Zeiten, dazu gezwungen worden, so entflieht er bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit, stiehlt ein Schaf und eilt seinen Höhen zu. Fälle treuen Ausharrens bei ihren Dienstherren sind selten. War man bisher gewohnt, dem Buschmann eine der tiefsten Stufen im Menschengeschlechte einzuräumen, so wird man diese Meinung aufgeben, sobald man seine Arbeiten näher kennen gelernt hat.