Kein Stamm in Süd-Afrika bis tief nach Central-Afrika hat so viel und wahre Kunstfertigkeit in der Bearbeitung des Gesteins entwickelt, als der Buschmann. Seine Geräthe sind sowohl aus Holz, Bein und der Schale des Straußenei’s als auch aus Stein gearbeitet. Seine Langweile hat er sich mit Steinausmeißelungen vertrieben, die abermals mit Steininstrumenten ausgeführt wurden und mit diesen seine ureinfachsten Wohnsitze verherrlicht, seinen Kunstsinn bewiesen und sich Denkmäler gesetzt, die Alles überdauern werden, was die übrigen hier lebenden Stämme der beiden anderen südafrikanischen Völkerfamilien, der Hottentoten und Banthu, geleistet haben.
Grabstichel.
Die Zeichnungen in ihren Höhlenwohnungen sind mit verschiedenfärbigem Ocker, meist auf Sandstein ausgeführt. Der Geologe Stow hat diesen Arbeiten besondere Aufmerksamkeit gewidmet und zahlreiche Copien derselben verfertigt. Ich hoffe auf meiner nächsten Forschungsreise nach Afrika die größten Exemplare derselben zu erlangen, die von den Höhen herabzubefördern mir diesmal aus Mangel an nöthigem Werkzeuge und Arbeitskräften unmöglich war.
Die gesammten Buschmann-Curiositäten zerfallen in zwei Classen, und zwar in Utensilien und Steinausmeißelungen. Zu den ersteren gehören: Dreieckige, pfeilspitzartige Kieselschiefer etc., mit denen die Contourlinien der Zeichnungen eingravirt und sonstige Hausarbeiten verfertigt wurden, ferner Beschwersteine, welche an das obere Ende eines unten angekohlten, zugespitzten 1½ bis 3 Fuß langen Stockes angeheftet, mit dessen Hilfe eßbare Wurzeln ausgegraben oder wasserhaltige Stellen aufgescharrt wurden. Oft findet man Steine mit nur theilweise ausgeführter Höhlung, welche mit Hilfe eines Sandschmirgels und eines anderen Gesteinstückes herzustellen versucht wurde. Was die Steingravirungen anbetrifft, so sind diese an vielen Höhen blos in geradlinigen oder in unzusammenhängenden schiefen Strichen ////// dargestellte Objecte, an anderen jedoch vollkommen ausgemeißelt. Solche Stücke gehören zu den Besten ihrer Art und ich glaube, daß die von mir mitgebrachten achtzehn Gravirungen bis zum heutigen Tage Unica in Europa sind.
Von den aus Herrn Wessel’s Farm mitgebrachten Stücken sind namentlich folgende als gute Arbeiten hervorzuheben: Oberkörper eines Buschmann’s; Buschmannsfrau eine Last tragend; Linke Sohle eines erwachsenen Buschmann’s; Strauß mit Reiter; Strauß von einem Nashorn gestoßen; Roibock-Gazellen; Eland-Antilopen; Buntbock-Antilope; Kopf einer Gemsbock-Antilope; ein Gnu; ein Rind; ein Schakal eine Gazelle jagend.
Während meines Aufenthaltes auf dieser Farm im westlichen Gebirge des Oranje-Freistaates gelang es mir, eine große Anzahl von Insecten, Vogelbälgen und Pflanzen, zu erwerben und bevor ich noch die gastliche Stätte verließ, nahm ich, von den umwohnenden Farmern dazu eingeladen, an zwei interessanten Jagdausflügen Theil. Beide wurden von einer größeren Anzahl von Berittenen und Eingebornen zu Fuß mit einer Meute unternommen, und galten der Verfolgung der gestreiften Hyänen und Erdhöhlen-Thiere. Mein Hauptzweck dabei war, womöglich lebende Stachelschweine, Springhasen und Erdferkel zu erjagen. Die erste dieser Jagden wurde bei Tage unternommen; wir umstellten zu Pferde eine Felsenhöhe und sandten die Treiber mit den Hunden hinauf, leider vergeblich, denn die Hyänen hatten sich schon geflüchtet.
Die Gegend, in welcher die zweite Jagd abgehalten werden sollte, wurde von großen bebuschten und mit zahllosen brodlaibförmigen Termitenhügeln bedeckten Grasebenen gebildet, welche ringsum, namentlich aber von Osten, von mit Gebüsch bestandenen Felsenhöhen umsäumt waren. Jeder der an der Jagd theilnehmenden Farmer hatte einige Hunde mitgebracht, welche die Spur der ihre Höhlen verlassenden Nachtthiere aufnehmen sollten. Die von meinen Freunden für unseren Ausflug gewählte Nacht war unstreitig eine der reinsten und schönsten Mondscheinnächte, die ich in Afrika erlebte. Da ich den Tag über entferntere Höhen der Gravirungen der Buschmänner halber besichtigt hatte und auch am folgenden Tage einen längeren Ausflug unternehmen wollte, ließ ich meinen Rappen daheim und ritt ein mir von meinem Gastfreunde geliehenes Pferd, das an die Gegend gewöhnt, mir bessere Dienste zu leisten versprach. Endlich wurde das Zeichen zum Aufbruch gegeben und die Hundemeute zur Aufnahme der Spur angefeuert. Wir mochten etwa sieben Minuten hingaloppirt haben, als zu unserer Rechten am Fuße der Höhe das Hundegeheul vernehmbar wurde. Mit einem lauten »Hurrah!« spornten wir die Pferde an und aufwärts ging es durch das niedere Gestrüpp, wobei wir unseren Rennern die Zügel schlaff anliegen ließen, da wir die vor uns im Grase zerstreut liegenden Felsenblöcke nicht sehen konnten und das Ausweichen ihnen überlassen mußten. Wir sahen vor uns einen sich wälzenden Hundeknäuel, in dessen Mitte zeitweilig etwas Weißliches aufglitzerte. Es war ein Stachelschwein, das die Hunde förmlich zerrissen hatten. Unter den Säugethieren hat die Natur, abgesehen von dem Stachelkleide, diese Thierspecies mit einer so gebrechlichen Haut versehen, daß ein Raubthier beim Gebrauche seiner Fänge das Thier zu zerfleischen im Stande ist. Kaum zur Stelle, waren wir herabgesprungen und hieben auf die Hunde los, doch es war zu spät, und so fiel das Stachelschwein den eiligen Basuto’s als Beute zu. Ein ähnliches Schicksal hatten zwei andere Stachelschweine, ein Springhase und ein schwarzweiß gestreifter Mäusehund (das südafrikanische Stinkthier).
Einer frischen Spur folgend, waren die Hunde nach der Attaque auf den Mäusehund in einem Bogen nach der Höhe zurückgegangen und stießen auf ein Erdferkel (Orycteropus capensis). Von den Hunden gehetzt, trachtete sich dieses in ein Erdloch einzugraben und hatte dies schon theilweise ausgeführt, als wir zur Stelle gelangten. Trotz der vereinten Anstrengungen unserer schwarzen Diener entkam das Erdferkel nach seinem Baue, nachdem es die bei der Ausgrabung beschäftigten Männer wie Bälle bei Seite geworfen hatte. Unter den Zahnarmen ist unstreitig das Erdferkel das stärkste Thier. Seiner Gestalt nach länglich, walzenförmig, besitzt es lange, mächtige Nägel an seinen Scharrhänden, deren Muskulatur einzig in ihrer Art genannt werden darf. Dem länglichen, walzenförmigen Körper ist der fleischige, keilförmige Schwanz eine besondere Stütze. Im Nothfalle gebraucht ihn das Thier zur Vertheidigung, sonst meist auf der Flucht, wenn es in weiten Sätzen enteilt. Auch bedient es sich seiner, wenn es in hockender Stellung die Termitenhaufen ausgräbt, denn es ist einer der größten südafrikanischen Termitenfresser. Es besitzt eine sehr dicke, beborstete Haut, welcher Schakalfänge wenig anhaben können; außerdem ein Paar lange Lauscher, welche ihm sehr zu statten kommen. In der Colonie bedient man sich der Haut, um daraus die kurzen, gedrehten Doppelriemen (Strappen) zu verfertigen, die man den Zugthieren anlegt. Außer ihm stellen unter den Vierfüßlern den Termiten namentlich das kurzschwänzige Schuppenthier, die Wolfshyäne, die Mangusten und unter den Vögeln besonders die Kiebitze nach.
Nachdem wir so den eigentlichen Zweck unserer Jagd nicht erreicht hatten, gaben wir jeden anderen Versuch auf und ritten langsam heim. Auf diesen Mißerfolg hin trachteten ich, sowie meine Freunde, einiger lebender Thiere habhaft zu werden. Es gelang mir auch, zahlreiche Vögel zu gewinnen, von denen jedoch die meisten, und darunter namentlich die Siedelsperlinge, zu Grunde gingen. Auf einem von dieser Farm aus unternommenen Ausfluge erspähte ich in einem Neste der letztgenannten eine an fünf Fuß lange Cobra. Es gelang mir jedoch nicht eher das Thier zu erlegen, als bis es viele der auffliegenden alten Vögel getödtet, und eine Menge der Jungen und Eier verschlungen hatte.