An den Perlhühnern am Marico beobachtete ich, daß sie sich überall da, wo Gebüsche bis an den Fluß herantraten, häufiger zeigten und daß sie ihre Bäume nicht vor dem Abtrocknen des schweren Morgenthaues verließen. Im Laufen leisten diese Geschöpfe Unglaubliches.
Gegen den Abend fuhren wir weiter und begegneten einer größeren Anzahl von Betschuana-Familien, dem Makhosistamme angehörend, welche nahe an den Ruinen von Kolobeng auf Seschele’s Gebiete wohnten. Sie waren aus ihren bisherigen Wohnsitzen ausgewandert und wollten sich an der Transvaal-Grenze am Fuße der Dwarsberge ansiedeln, da sie von Seschele zuviel geplagt wurden. Seschele bereitete sich vor, die Makhosi und die Bakhatla mit Waffenmacht zu überfallen, doch wurde dies den letzteren verrathen und sie trafen sogleich alle Vorkehrungen, um ihn gebührend zu empfangen, auf welche Nachricht hin aber Seschele von dem geplanten Ueberfalle abstand. Für den Reisenden und Händler, wie auch für die nachbarlichen Colonien ist es in jeder Hinsicht besser, wenn die Einheit der gegenwärtigen sechs Betschuana-Reiche aufrecht erhalten bleibt. Die Zersplitterung derselben in kleinere Staaten würde dieselben Nachtheile zur Folge haben, unter denen die europäischen Colonien und Reisende an der Ostküste nördlich der Delagoabai zu leiden hatten.
Am 4. beobachteten wir eine Wasserbockgaiß im hohen Grase des gegen seine Mündung leicht bewaldeten Maricothales. Th. beschlich das Thier ganz vortrefflich, doch das Unglück wollte, daß ihm die Patrone versagte und bevor ihm Pit eine zweite reichen konnte, hatte das Thier die Flucht ergriffen. Der Morgen war ausnahmsweise schön, doch hatten wir seit dem 2. täglich Fröste. Ich durchzog das bewaldete Dreieck zwischen dem unteren Marico und dem Limpopo, indem ich mich von dem ersteren entfernte, um ihm erst an seiner Mündung zu begegnen. Wir begegneten einem aus dem Westmatabele-Lande über 500 englische Meilen weit herkommenden Haufen Makalaka-Männer, welche zu Skeletten abgemagert nach den Diamantenfeldern zogen, um sich hier auf sechs Monate zu verdingen und sich ein Gewehr und Schußbedarf zu erwerben; leider konnten wir ihren Bitten um Fleisch nicht willfahren, da wir in den letzten Tagen kein Hochwild erlegt hatten.
Am folgenden Morgen fand ich mich am Ufer des Limpopo; da ich hier einige Tage zu verweilen gedachte, machten wir uns sofort daran, unseren Lagerplatz mit einer hohen Umzäunung aus Mimosenästen zu umgeben und die Zugthiere in Sicherheit zu bringen. Am Nachmittage unternahm ich mit Th. einen Ausflug am Marico-Ufer aufwärts und schoß zwei Meerkatzen und vier kleine Nachtaffen (Galakae), welche sich durch ein sehr feines seidenartiges Fell und ihre schönen großen Augen auszeichnen. Sie bringen in der Regel den Tag schlafend zu und beginnen erst mit der Nacht als wahre Sprungthiere das Leben in den Zweigen der Bäume in denen sie nach Motten und Insecten jagen, Beeren suchen, und den Gummisaft der Mimosen belecken. Mit den Krokodilen, welchen der Fluß seinen Namen verdankt, machte unser Diener am folgenden Tage Bekanntschaft. Mit Waschen am Ufer beschäftigt, tauchte plötzlich vor ihm ein dunkler Gegenstand aus der Fluth, bei dessen Anblicke ihm das Kleidungsstück entfiel und er es nur dadurch wieder gewann, daß er laut aufschreiend einen Stein dem nach dem eben versinkenden Gegenstande schnappenden Krokodile an den Kopf warf. Da ich den Limpopo etwas unterhalb der Vereinigung mit dem Marico blos etwa drei Fuß tief fand, versuchte ich es, den Strom an dieser Stelle zu überschreiten. Wir fällten mehrere große Mimosenstämme und bauten daraus ein Floß, doch das frische Mimosenholz war so schwer, daß es unter mir zwei Fuß tief einsank und als ich, das Floß im Stiche lassend, auf das Ufer zu springen im Begriffe war, hatte sich am gegenüber liegenden Floßende ein Krokodil angeklammert; diese unliebsame Erscheinung veranlaßte mich, vorläufig auf den Besuch des jenseitigen Ufers zu verzichten.
Am 7. verließen wir unsern Lagerplatz, zogen stromabwärts weiter und hatten auf der nächsten Strecke 15 enge und tiefe Regenschluchten zu überschreiten. Die Gegend war ein ununterbrochener Wald, in dem uns einige sehr schöne und umfangreiche Hardekoolebäume auffielen; das Land zur Linken gehörte Seschele, dem Bakwenakönig, das jenseitige der Transvaal-Republik.
Wir setzten an den folgenden Tagen die Reise fort und gelangten zur Mündung des Notuany, die Reise ging etwas langsam von statten, da das Thal des Limpopo und die an seinem Ufer befindlichen, höher liegenden und mit dem Strome nur bei Hochwasser communicirenden Sumpflachen mannigfache Gelegenheiten zur Jagd und zur Vermehrung meiner Sammlungen boten. Bevor wir noch den Notuany erreicht hatten, stießen wir auf das erste der beiden Lager, welche die Damara-Emigranten bezogen hatten, um sich zu ihrem Zuge nach Nordwesten zu sammeln. Das Lager bestand aus etwa 30 Wägen und eben so vielen Zelten. Große Vieh- und Schafheerden weideten von Bewaffneten beschützt ringsum. Die Leute saßen in Gruppen beisammen, die einen tranken den unentbehrlichen Kaffee, während andere emsig an der Completirung des Reisematerials arbeiteten. Mir fiel es auf, daß die meisten der Frauen schwarz gekleidet waren. Die Männer fragten uns, ob wir nicht einigen Boerwägen begegnet wären, und als wir es bejahten, daß wir zahlreiche Damara-Emigranten überholt hätten, da zeigte sich bei allen eine unverhohlene Freude, sie hofften, daß die Zeit nahe sei, wo sie hinreichend stark an Zahl, ihren Zug nach dem Damaralande antreten konnten, wobei sie hinzufügten, daß sie sich, im Falle ihnen von den Königen der östlichen und westlichen Bamangwato der Durchzug verwehrt würde, denselben erkämpfen wollten. Ich machte die Leute darauf aufmerksam, daß sie die trockenen, an Wasser so überaus armen Strecken des westlichen Theiles des nächst anliegenden Bamangwato-Reiches mit ihren zahlreichen Heerden kaum passiren könnten, oder dabei mindestens die Hälfte ihrer Thiere einbüßen würden. Doch sowohl hier als auch im zweiten Lager, in Schoschong und auf meiner Rückreise, auf welcher ich den Emigranten begegnete, war man gegen meine Vorstellungen taub und wollte von einer Umkehr nichts wissen, sie zeigten ein unbegrenztes Selbstvertrauen, besonders wenn man sie auf die Widerstandsfähigkeit der östlichen Bamangwato aufmerksam machte. Nach den Gründen ihrer Auswanderung befragt, klagten sie über die Regierung und die Person des Präsidenten, welcher ganz verkehrte Begriffe über die Auslegung gewisser Stellen in der Bibel hätte, während u. a. die Regierung bestrebt sei, Neuerungen einzuführen, die weder gut noch an der Zeit wären. Ihre Vorfahren südlich vom Oranje-River, sagten sie, waren grau geworden, ohne je mit solchen, mit großen Kosten verbundenen Neuerungen geplagt worden zu sein, deshalb wären auch jetzt diese nicht nöthig und dies um so weniger, als sie einen Zuzug von Fremden, namentlich von Engländern verursachten. Diese Neuerungen bezogen sich namentlich auf Verbesserungen, welche Präsident Burgers im Staate einzuführen bestrebt war, obgleich sie bei Weitem noch nicht die Abschaffung aller der Krebsschäden, an denen die Republik litt, erzielen konnten. Von allen diesen Neuerungen wurde mir das vom Präsidenten Burgers entworfene Eisenbahnproject, welches die Delagoabai mit der Transvaal-Republik verbinden sollte, als das abscheulichste bezeichnet.
Es ist wirklich staunenswerth und unglaublich, daß Menschen, die sich mühevoll ihren Besitz, ihre Farmen erkämpfen mußten, in Folge der oben angeführten Gründe und den Vorspiegelungen eines Mannes Glauben schenkend, ihre Heimatsstätte verließen, um eine Irrfahrt nach dem Innern anzutreten. Im Ganzen zählte der erste Trupp ohne Nachzügler etwa 70 Wägen. Sie wollten von den schönen Weideplätzen der Damara’s Besitz ergreifen und im Falle eines Widerstandes die Damara’s aus ihrem Lande vertreiben. Schon auf der Strecke Krokodil-River — Schoschong hatten sie sehr an Wassernoth zu leiden und so große Schwierigkeiten, ihre Heerden weiter zu bringen, daß sie, in Schoschong angekommen, entschlossen waren, nach dem Limpopo zurückzukehren, um hier so lange zu verharren, bis häufige Regen auf der Strecke Schoschong-Damaraland gefallen wären. Unter der Voraussetzung, daß die Boers das nöthige Land von den Damara’s käuflich erstehen wollten, versprachen ihnen der König Khama der östlichen Bamangwato’s, sowie jener der westlichen Bamangwato’s freien Durchzug durch ihre Gebiete. Als dem Ersteren jedoch die Nachricht zu Ohren kam, daß sie im Nothfalle zu den Waffen greifen würden, zog er sein Versprechen zurück, da er eine Invasion seines eigenen Landes befürchtete. Auf dieses hin erklärten die Boers offen, daß sie im Falle anhaltender Dürre das Königreich der Zulumatabele erobern, andernfalls aber sich mit Waffengewalt ihren Weg durch das Land der östlichen Bamangwato bahnen würden.
Krokodile im Limpopo.
Ich nahm mir damals, nach den Diamantenfeldern zurückgekehrt (im Jahre 1877), die Freiheit, mich der Sache öffentlich anzunehmen um dem Bamangwatostamm und seinem edlen Herrscher einen Vernichtungskampf und den Holländern schwere Kämpfe zu ersparen und schloß den ersten der diesbezüglichen in den »Diamond News« am 24. März veröffentlichten Artikel mit den Worten. »Es wäre absurd, wenn Leute wie diese Boers, welche weder im Stande waren, den Fortschritt in ihrem Mutterlande zu begreifen, noch fähig ihm zu folgen, vielmehr auf jede noch so nützliche Neuerung mit Verachtung herabblickten, einen neuen Staat gründen wollten.«[4]