RÄTEREPUBLIKANER IN DER PROVINZ

Lfd. Nr.NameRang Schicksal
1Guido KoppVors. K.P.D. Rosenheim 4 J. Zuchthaus
2Gg. SchummArt.-Kommandeur in Rosenheim 6 J. Zuchthaus
3Josef RennerTruppenführer in Rosenheim 4 J. Festung
4 Hans MelerWirtschaftskomm. (Rosenheim) 1-1/4 J. Festung
5M. GnadRotgardist (Augsburg) 2-1/2 J. Festung
6 W. OlschewskyTruppenführer in Augsbg. 7 J. Festung
7 Max WeberPropagandist i. Augsbg. 1-1/2 J. Festung
8 Karl MarxPolitisch. Leiter in Augsburg 4 J. Festung
9Dr. A. Maier Politisch. Leiter i. Starnberg 6 J. Festung
10Joh. ElbertSoldatenrat (Lohr) 2 J. Festung
11Toni WaibelVorsitzender d. Aktionsausschusses in Würzbg. 15 J. Festung (entkomm.)
12 H. SchuchardtAktionsausschuß, Würzbg. 1-1/2 J. Festung
13Val. HartigMitgl. d. Aktionsaussch. 7 J. Festung
14 Rudolf HartigMitgl. d. Aktionsaussch. 2 J. Festung
15Fritz Sauber Propagandist (Würzburg) 12 J. Festung
16 A. Hagemeister Propagandist (Würzburg) 10 J. Festung
17 L. EgensbergerKommandeur (Würzburg) 7 J. Festung
18 Georg Hornung Mitgl. d. Aktionsaussch. Würzburg, Kriegsministerium München 10 J. Festung
19Leo ReichertSoldatenrat (Würzburg) 2 J. Festung
20 Paul FörsterSoldatenrat (Würzburg) 3 J. Festung
21A. WestrichKorps-Soldatenrat (Würzburg) 6 J. Festung
22Ludw. BedachtSoldatenrat (Würzburg) 5 J. Festung
23 Adolf SchmidtMitgl. d. Aktionsaussch., Kempten 3 J. Festung
24Cl. SchreiberMitgl. d. Aktionsaussch., Kempten 2 J. Festung
25 M. BohnenbergerMitgl. d. Aktionsaussch., Kempten 1-1/4 J. Festung
26Heinr. Pfeiffer Mitgl. d. Aktionsaussch., Landshut 1-1/2 J. Festung
27 Ludwig Vogl im Aktionsaussch. Landshut 1 J. 4 M. Fest.
28 Franz MüllerSoldatenrat Landshut 1 J. 4 M. Fest.
29 Peter BlösslAktionsaussch. Augsbg. 10 J. Festung
30Aug. HoeckRev. Arbeiterrat Augsbg. 4 J. Festung
31 E. RingelmannZensor in Würzburg 5 J. Festung
32 GöpfertBürgermeister v. Rosenheim 15 M. Festung
33 Langenegger Wohnungskommissar, Rosenheim 3 J. Festung
34J. Rheinheimer Stadtkommand., Rosenheim 4 J. Festung
35Hans Elbert Propagandist, Aschaffenburg 2 J. Festung
36 M. SchnellerArbeiterrat, Kempten 1 J. 3 M.
37W. Schmidt IAktionsaussch., Kempten 1 J. 3 M. Fest.
38 H. BohnenbergerAktionsaussch., Kempten 6 M. Festung
39 Alfr. KleinerRev. Arbeiterrat, Kempten 1 J. 3 M. Fest.
40Rich. Blähr Propagand., Reichartshofen 1 J. 3 M. Fest.
41 DreidlRev. Arbeiterrat, Kempten 6 Mon. Fest. m. Bewährungsfr.
42PenzlRevolut.-Trib. Miesbach 3 J. Zuchthaus
43BergmaierRevolut.-Trib. Miesbach 3 J. Zuchthaus
44ErtlRevolut.-Trib. Miesbach }
45 RassRevolut.-Trib. Miesbach }
46 Gruber Revolut.-Trib. Miesbach }
47Griesbeck Revolut.-Trib. Miesbach } je 1 J. 3 M. bis 2. J. Festung
48 ZimmermannRevolut.-Trib. Miesbach }
49 PrillerRevolut.-Trib. Miesbach }
50WaizmannRevolut.-Trib. Miesbach }
51 StohwasserRevolut.-Trib. Miesbach }
52R. SteuerUntersuchungsführer b. Rev.-Gericht, Kempten 1 J. 3 M. Fest.
53 J. MiglitschSicherheitsdienst d. A.- u. S.-Räte 1 J. 3 M. Fest.
54Ch. RaitbergerPropagandist 6 M. Festung
55 LichtenbauerRotgardist (Kempten) 2 J. Gefängnis
56 Jos. ZäunerArbeiterrat (Ingolstadt) 1 J. 3. Mon. Gef.
57 EllenbeckEntwaffnung von Schutzleuten 3 J. Festung
58 Hehret Entwaffnung von Schutzleuten 2-1/2 J. Festung
59Hans KainPropagandist (Starnberg) 6 J. Festung
60 Hans SeffertPolit. Leiter (Starnberg) 3 J. Festung

Gesamtstrafe: 204 Jahre, 2 Monate Einsperrung

Demnach sind gegen die Anhänger der bayrischen Räterepublik Strafen von insgesamt 616 Jahren Einsperrung verhängt worden. Gegen die Anhänger des Kapp-Putsches 5 Jahre Einsperrung. Dabei ist noch zu beachten, daß die bayrischen Zahlen unvollständig, die Kapp-Zahlen vollständig sind.

DIE RECHTSNATUR DER BAYRISCHEN STANDGERICHTE UND DAS SCHICKSAL DER HINTERBLIEBENEN

Nach der Einnahme von München durch die Regierungstruppen am 1. Mai 1919 setzten sie »Standgerichte« genannte, wilde Feldgerichte ein, bei denen irgend ein Leutnant oder sonst jemand in der Weise Gericht spielte, daß er die Erschießung einfach anordnete. Sogar Unteroffiziere waren so Richter über Leben und Tod. Die Gerichte tagten in irgend einer Schenke ohne Anwendung irgend eines Gesetzbuchs. Akten wurden nicht geführt. In wenigen Minuten wurde das »Urteil« gefällt und an irgend einer Wand durch Erschießen vollstreckt.

Eine Unterscheidung zwischen den »tödlich Verunglückten« (184) und »standrechtlich Erschossenen« (186) (vergl. S. 31) ist, da alle Unterscheidungsmerkmale fehlten, gar nicht durchführbar. So sind z. B. »standrechtliche« Erschießungen wegen Beleidigung des Offizierkorps vorgekommen, ebenso wurden zahlreiche Personen erschossen, weil man angeblich bei ihnen Waffen gefunden hatte, und zwar zu einer Zeit, in welcher die von der Regierung und vom Oberkommando gesetzte Waffenablieferungsfrist noch nicht abgelaufen war.

Die 53 unbewaffneten Russen

Mit welcher Willkür bei diesem »Standrecht« vorgegangen wurde, beweist der Fall der 53 unbewaffneten Russen in Gräfelfing.

Die Räteregierung hatte die in den Gefangenenlagern befindlichen Russen befreit und zum Eintritt in die Rote Armee aufgefordert. Am 1. Mai wurden am Bahnhof Pasing 53 Russen, ohne Waffen, in deutscher Uniform, die aus München kamen, festgenommen. Sie wurden nach Lochham gebracht und dort, wie Augenzeugen berichten, schrecklich mißhandelt. Als einer aus der Reihe treten wollte, um seine Unschuld zu beteuern, wurde er niedergeschossen. Die andern wurden ins Feuerhaus in Gräfelfing eingesperrt. Die dort liegende württembergische Sicherheitskompagnie Nr. 21 forderte wütend ihre sofortige Erschießung. Am 2. Mai um 1/2-6 Uhr morgens wurden alle 52 von einem »Standgericht« auf einmal zum Tode verurteilt. Die Russen beteuerten, an Kämpfen nicht teilgenommen zu haben. Den Gegenbeweis hat das Standgericht gar nicht zu führen versucht. In der ganzen Umgebung war nicht gekämpft worden. Um 1/2-9 Uhr vormittags wurden sie in einer Kiesgrube erschossen. Der Fall wurde vom Staatsanwalt untersucht, doch fand er keinen Grund einzuschreiten. (»Der Kampf«, München, 4. Dezember 1919.)