»Nein. Indessen darf ich Ihnen nicht verschweigen, daß Sie einige Anlage zu diesem Leiden besitzen.«
Harteck nickte wie jemand, der etwas hört, worauf er schon vorbereitet war, und langte nach seinem Hute.
»Ich empfehle Ihnen noch einmal dringend an, auf Ihre Gesundheit acht zu geben,« sagte der Arzt. »Dieses Übel ist heimtückischer Art und schöpft aus allem Nahrung ... Es genügt nicht, sich körperlich zu schonen und zu pflegen, ... auch der Geist muß frei und leicht sein. Kummer, Unzufriedenheit, Sorgen sind die besten Förderer dieses schleichenden Übels, sind oft verhängnisvoller als körperliche Unvorsichtigkeiten ... Trachten Sie daher, so viel wie möglich eine gleichmäßige, heitere oder doch ruhige Stimmung anzustreben; grübeln Sie nicht nach, bekämpfen Sie Schwermut und Traurigkeit, beschäftigen Sie sich stets, damit Sie keine Zeit haben, trüben Gedanken nachzuhängen und meiden Sie alles, was Ihnen körperlich von Nachteil sein könnte; Schlaf, kräftige Speisen, gute Luft und ein ruhiges Gemüt sind und bleiben die besten, ja, die einzigen Mittel, um solchen Krankheitsanlagen entgegenzuwirken.«
Er hatte bis dahin als Arzt gesprochen, ohne ein persönliches Motiv zu berücksichtigen: unparteiisch, teilnehmend und voll Interesse, wie er es jedem Fremden gegenüber tat, der einen ärztlichen Rat von ihm begehrte. Doch jetzt, da er fertig war, verbeugte er sich wie verabschiedend und sah den jungen Priester, der unbeweglich stehen blieb, mit strengem Blick an.
»Wünschen Sie noch etwas von mir?« fragte er ihn.
»Ich verlasse St. Jakob in einigen Tagen,« sagte Harteck mit unsicher klingender Stimme, »und da ich vielleicht nicht mehr Gelegenheit haben werde, Sie zu sehen, möchte ich Ihnen jetzt schon Adieu sagen ...«
Er streckte dem anderen die Hand entgegen. Der Arzt erfaßte sie, ließ sie jedoch sogleich wieder fallen.
»Gehaben Sie sich wohl,« sagte er und wendete sich von dem Priester ab.
Dieser tat einen Schritt gegen ihn hin.
»Lassen Sie mich hoffen, daß Sie sich meiner nicht mit Haß erinnern werden ... Ich habe schweres Leid über Ihr Haus gebracht, ... aber ich büße hart dafür, Gott weiß es.«