»Ich glaube wahrhaftig, Du schämst Dich nicht einmal,« rief Joachim unwillig.

»Schämen? Nein, mein keuscher Freund; dazu war die Sache zu traurig. Aber das gestehe ich Dir gern: mein Leben würde ich gelassen haben, wenn ich das arme Geschöpf nicht kennen gelernt hätte. Was sie gelitten hat, wie sie beschimpft und verhöhnt worden ist, das weiß nur ich. Sie hat ihr kurzes Liebesglück teuer bezahlen müssen ... Doch davon willst Du nichts hören. Du siehst bloß den Fehltritt und den verurteilst Du. Was ihm jedoch voranging, wie schwer sie rang, bevor sie Liebe für Liebe und mit der Liebe die Ehre dahingab und was darauf folgte, ... darum bekümmerst Du Dich nicht; das ist Nebensache, nicht der Rede wert.«

»Wie magst Du nur in einem so bitteren Ton zu mir sprechen!« sagte Perkow. »Hältst Du mich für einen Unmenschen? Glaube mir, ich wäre der erste gewesen, der Euch hilfreiche Hand geboten hätte, wenn ich Euch, da Ihr im Elend wart, von Nutzen hätte sein können.«

»Wirklich?« rief Harteck und ergriff seine Hände. Er schien noch mehr sagen zu wollen, besann sich jedoch und begnügte sich damit, daß er die Hände des Freundes mit Wärme drückte.

»Ich will nun wieder an die Arbeit gehen,« sagte dieser. »Sonst kommt der Abend und ich bin mit dem Packen nicht fertig.«

Die Folge bewies indessen, daß der junge Mann die übernommene Arbeit überschätzt hatte. Als das Mittagbrot aufgetragen wurde, standen die paar Kisten und Koffer gepackt und verschlossen da.

»Was tun wir jetzt?« fragte Perkow, als wieder abgetragen worden war. »Wollen wir vielleicht kegeln?«

Harteck lehnte den Vorschlag ab.

»Oder ausgehen?«

»Es regnet ja ... Ich will lieber zu schlafen versuchen.«