»Ich hatte niemals etwas über Sie zu sagen,« versetzte Harteck und ergriff ihre Hand. Joachim sah ihn und die junge Magd, die ein bißchen geziert tat, mit zweifelhaften Blicken an.
»Was i no' sagen hab' wollen,« sprach Uschei. »Ja, richtig. Wenn die Herren eppes heut' hier, in dem Zimmer da, essen wollen, kann's leicht g'schehen. Der Herr Pater is weit furt gangen zu oam Kranken und ißt a drenten. Sie zwoa sein ganz alloani dahoam, ... Sie können also essen, wo's wollen.«
»Dann essen wir hier,« entschied Harteck und goß die Gläser voll. »Da, nehmen Sie einen Schluck, Uschei.« Sie ergriff das dargebotene Glas und schwenkte es lächelnd gegen Perkow hin. »Zum Wohl! Herr Kopp'ratter,« sagte sie dabei.
»Danke,« sprach Joachim ziemlich ungerührt und stieß flüchtig mit ihr an. Des Mädchens blühende Gestalt brachte nicht den geringsten Eindruck auf ihn hervor. Er sah nichts anderes in ihr als eine Magd, die sich vertraulicher benahm, als eben nötig war, – und das war alles. Harteck entging nicht die leise Ungeduld in den Zügen des unerschütterlichen Freundes und er sagte zu Uschei: »Sorgen Sie nur, daß wir was Gutes zu essen bekommen.«
»Die Herren werden scho' zufrieden sein,« antwortete Uschei, knickste und ließ sie allein.
»Ein hübsches Mädchen, nicht wahr?« sagte Harteck lächelnd zu Perkow.
»O ja,« antwortete dieser gleichgültig ... »Ich verstehe nicht, wie man sich für die Weiber so sehr interessieren kann. Sie gehen Dich nichts an. Laß sie doch in Ruhe.«
Harteck mußte lachen. »Ja, wenn ich so weise wäre wie Du ...«
»Ich bin nicht weise. Aber ich habe, Gott sei Dank! nicht Dein entzündbares Temperament. Überhaupt begreife ich nicht, wie man sich verlieben kann. Ich habe doch auch schon eine Menge hübscher Frauen und Mädchen gesehen, ... daß aber eine, außer flüchtigem Gefallen, andere Gefühle in mir wachgerufen hätte, ist mir nicht bekannt. Es darf nun einmal nicht sein, und wenn man sich beizeiten vorsieht und der Versuchung aus dem Weg geht, kann man das Übel im Keim ersticken. Mir ist die bloße Vorstellung, der Narr einer solchen Dirne zu sein, um ihre Gunst zu betteln und vielleicht von ihr verspottet zu werden, fürchterlich. In welche Abhängigkeit gerät man nicht, wenn man auf die Verschwiegenheit eines Frauenzimmers angewiesen ist! Und was für eine dumme Figur ein Geistlicher macht, von dem die Gemeinde weiß, daß er verliebt ist, ... und solche Dinge kommen immer an den Tag: die Weiber sind eitel und können den Mund nicht halten. Das hast Du ja an Dir selbst erfahren.«
»Mein armes Mädchen ... Du sprichst ja wohl von Kathei? ... hat nicht geschwatzt. Dazu hatte sie mich viel zu lieb. Die Leute haben es eben gemerkt ... Das Mädel und ich waren zu sehr verbrannt ineinander, als daß wir uns genügend hätten verstellen können.«