»So haben Sie alles gesehen und gehört?«

»Alles.«

Eine Pause trat ein.

»Aber warum ... warum,« begann Harteck wieder; sein Atem stockte. »Warum haben Sie das getan?« brach er wütend los.

»Mäßigen Sie sich. Ich hatte den Auftrag dazu; ich bin weder neugierig noch liebe ich es, zu spionieren. Aber Sie wissen ja, was unsere Pflicht ist: den Vorgesetzten zu gehorsamen in allem und jedem.«

»Und Sie werden – natürlich! – dem Dekan alles erzählen?«

»Ich muß.«

»Und wenn Sie dadurch – nicht mich – an mir ist wenig gelegen – wenn Sie dadurch ein unbescholtenes Mädchen zugrunde richten?«

»Jetzt ist sie nicht mehr unbescholten,« entgegnete der Mönch mit hart klingender Stimme.

»Aber ich schwöre Ihnen, daß heute zum erstenmal ... Sie sind doch auch jung und sind nicht schlecht« ... Der Verzweiflung nahe, ergriff er beide Hände des Mönches: »Wälzen Sie alle Schuld auf mich, ... machen Sie mich so schlimm, wie Sie wollen, ... aber schonen Sie das unglückliche Mädchen. Gott im Himmel! Stehen Sie nicht so stumm und starr da, als ob ich zu einem Steine redete ... Soll ich mich noch mehr demütigen? Mich vor Ihnen auf die Kniee werfen? Würde vielleicht das Sie rühren?«