Edwin Bormann, geb. am 14. April 1851 in Leipzig, machte sich als sächsischer Humorist in seinem engeren Vaterlande einen Namen (»Mei Leipzig low' ich mir«, »Herr Engemann«, »Schelmenlieder« u. a.) So gut einige ältere Dialektdichtungen B.'s sind, so flach und schal ist die Mehrzahl seiner jüngsten fabrikmäßig hergestellten Poesien. Seinen humoristischen Werken nicht beizuzählen, nach Ansicht B.'s vielmehr durchaus ernsthaft zu nehmen, sind »Das Shakespeare-Geheimnis« und die im Anschlusse daran erschienenen Schriften, in denen der Nachweis geführt werden soll, daß Shakespeare nicht Shakespeare, sondern Francis Bacon ist.

Georg Bötticher, geb. am 20. Mai 1849 in Jena, ein feinsinnigerer und vielseitigerer Humorist als Bormann, schrieb in Gemeinschaft mit Victor Blüthgen »Schüler-Novellen«, und selbständig zahlreiche humoristische Schriften, von denen viele durch die »Fliegenden Blätter« und die »Reclam-Bibliothek« weiteren Kreisen bekannt geworden sind. (»Schnurrige Kerle«, »Schilda, Verse eines Kleinstädters«, »Allotria, humoristische Geschichte«, »Neue Allotria«, »Bunte Reihe« u. a.)

Hans Arnold (Pseudon. für Frau Babette von Bülow), geb. am 20. Sept. 1850 in Warmbrunn, schildert in ihren Novellen und Erzählungen mit Vorliebe in humoristischer Weise die kleinen Verdrießlichkeiten und Unannehmlichkeiten des Lebens. Ihre Werke besonders anzuführen, erübrigt sich: sie amüsieren und werden vergessen.


Die Dichter der Dekadenz.

Dranmor, mit seinem eigentlichen Namen Ferdinand von Schmid, geb. am 22. Juni 1823 in Muri bei Bern, gest. 1888, wanderte nach Brasilien aus und wurde weiteren Kreisen durch seine »Gesammelten Dichtungen« bekannt, die neben lyrischen Gedichten Balladen und Epen aus dem südamerikanischen Leben in düsterer, pessimistischer Färbung enthalten.

Eduard Grisebach, geb. am 9. Okt. 1845, gab den »Neuen Tannhäuser« und »Tannhäuser in Rom« heraus, leichtgeschürzte Poesien, die viel Anerkennung fanden. G. hat sich ferner als Bibliophile und Herausgeber der Werke Schopenhauers u. a. verdient gemacht.

Emil Prinz von Schönaich-Carolath, geb. am 8. April 1852 zu Breslau, lieferte in seinen Dichtungen den Beweis, daß jemand Prinz und doch ein großer Dichter, Zigeuner und Weltmann zugleich sein kann. Wenn auch die Schöpfungen dieses modernen Byron (»Lieder an eine Verlorene«, »Tauwasser«, »Dichtungen«, »Geschichten aus Moll« u. a. m.) von Koketterie und Salon-Zigeunertum nicht frei sind, so kommen ihm doch an Größe und Leidenschaft nur wenige der Modernen gleich.

Hieronymus Lorm (Pseudon. für Heinrich Landesmann), geb. am 9. Aug. 1821 in Nikolsburg, seit seinem Jünglingsalter taub und erblindet, schrieb Romane und Novellen und that sich besonders als pessimistischer Lyriker hervor (»Am Kamin«, »Gedichte«, »Nachsommer« u. a.). In seinen philosophischen Schriften unternahm er, wenn auch mit wenig Glück, wiederholt den Versuch, eine allgemein-verständliche Erörterung des Lebensproblems zu geben.

Alberta von Puttkamer, geb. am 5. Mai 1849 in Glogau, debütierte mit dem Schauspiel »Kaiser Otto III.«, dem sie »Dichtungen«, »Accorde und Gesänge«, »Offenbarungen« und »Aus Vergangenheiten« folgen ließ, in denen sich ein glühendes Verlangen nach erträumtem Glück, Trauer und Sehnsucht nach verlorenem ausspricht.