Richard Voß, geb. am 2. Febr. 1851 in Neugrape in Pommern, ist eine reiche phantasievolle und starke Dichternatur, die sich leider nicht zur künstlerischen Vollendung durchringen konnte. Ein nervöser, dämonischer Zug geht durch alle seine Romane und Dramen, die bald in Deutschland, bald in Italien, im Mittelalter oder in der Neuzeit spielen. Eine zerrissene, unbefriedigte Natur, vermögen auch seine Schöpfungen nicht zu befriedigen, von denen die meisten den Leser narkotisieren oder peinigen. Seine erfolgreichsten Dramen sind »Schuldig«, »Alexandra«, und »Eva«; von seinen Novellen und Romanen sind »Römische Dorfgeschichten«, »Mönch von Berchtesgaden«, »Villa Falconieri«, »Unter den Borgia«, die bekanntesten.


Realistische Erzähler.

Ernst von Wolzogen, geb. am 23. April 1855 in Breslau, ist einer der ungleichmäßig schaffenden Dichter. Seine Tragikomödie: »Das Lumpengesindel« ist noch immer sein bestes Werk. Einst erhoffte man vieles von dem Talent dieses fabulierenden Freiherrn, der die schöne Gabe des Humors besitzt und es versteht, seine Personen treffend zu charakterisieren, doch produziert er seit langem nur Unterhaltungslitteratur, wenn auch im besseren Sinne. Seine besten Romane sind »Die Kinder der Excellenz« (auch als Lustspiel bearbeitet), »Die tolle Komteß«, »Die Entgleisten«, »Der Kraftmayr«.

Konrad Telmann (recte Zitelmann), geb. 1854, gest. 1897, wurde durch körperliches Leiden zur Aufgabe seines Berufes gezwungen und lebte seit Jahren in Rom. T. hat eine außerordentlich große Anzahl von Werken hinterlassen und eine rastlose Thätigkeit entfaltet, die seiner Kunst nicht immer zum Vorteil gereichte. Er ist ein Übergangskünstler, der sich Friedrich Spielhagen zum Vorbild nahm und über ihn hinaus den realistischen Roman auszubauen und mit neuen, meist »interessanten« und exotischen Zügen auszustaffieren suchte. Zu seinen besten Romanen, von denen viele in der zweiten Heimat des Dichters, in Italien, spielen, zählen: »Vox populi«, »Unterm Strohdach«, »Unter römischem Himmel«, »Unter den Dolomiten«, »Götter und Götzen«, »Vom Stamme der Skariden«.

Alexander Baron von Roberts, geb. am 23. Aug. 1845 in Luxemburg, gest. 1896, zählte zu den besten Unterhaltungsschriftstellern, besonders in den Romanen, die das Militärleben zum Gegenstand haben. (»Es und Anderes«, »Götzendienst«, »Lou«, »Die schöne Helena«, »Schwiegertöchter« u. a.) Sein Drama »Satisfaktion« ging mehrfach mit Erfolg über die Bühne.

Georg von Ompteda, geb. am 29. März 1863 in Hannover, veröffentlichte (teilweise unter dem Pseudonym Georg Egestorff) »Von der Lebensstraße u. a. Gedichte«, sowie die Romane »Drohnen«, »Unter uns Junggesellen«, »Sylvester von Geyer« u. a., deren Stoff er vorzugsweise der deutschen Armee entnahm. Als Übersetzer machte er sich durch die Übertragung der Werke Guy de Maupassants bekannt.

Wilhelm von Polenz, geb. am 14. Januar 1861 in Ober-Cunewalde, debütierte mit dem Roman »Sühne« und ließ diesem dramatische und novellistische Arbeiten, sowie die Romane »Der Pfarrer von Breitendorf«, »Der Büttnerbauer«, »Der Grabenhäger« und »Wald« folgen, in denen er hauptsächlich brennende Zeitfragen des gutsherrlichen und bäuerischen Besitzstandes behandelt.

Adolf Schmitthenner, geb. am 24. Mai 1854 in Neckarbischofsheim, schrieb den Roman »Psyche« und »Novellen«, die eigenartige, fast »gewagte« Probleme zu lösen suchen und sich durch feine Seelenmalerei auszeichnen.