Erwin Bauer, geb. am 9. Jan. 1857 auf dem Gute Techelfer bei Dorpat in Livland, begründete in Reval die »Nordische Rundschau«, 1890 in Berlin »Das zwanzigste Jahrhundert«. Außer einigen Dramen gab B., dessen Talent frühzeitig von der Politik beschlagnahmt wurde, die Novellensammlungen »Aus dem Zarenlande« und »Einfache Geschichten«, sowie die Erzählung »Der Selbstmord des Leutnants Mergenthin« heraus. Sein bestes Werk ist der in Rußland spielende Roman »Aut Caesar, aut nihil«.

Carl Kerstan, geb. am 22. Okt. 1847 in Prag, machte sich als Historienmaler einen Namen. Sein philosophischer Roman in 3 Bänden »Sapaere aude« gehört zu den besten unserer Litteratur und verdiente mehr Beachtung, als er gefunden.


Die großen neuzeitlichen Erzähler.

Theodor Fontane, geb. am 30. Dez. 1819 in Neuruppin, gest. am 20. Sept. 1898, war wie Sudermann und Ibsen ursprünglich Apotheker. Eine Reise nach England weckte sein dichterisches Talent, so daß er sich bald ganz der Schriftstellerei widmete. F. ist besonders der Dichter des Preußentums oder im engeren Sinne der Mark, Berlins. Er schrieb die Romane »Irrungen, Wirrungen«, »Stine«, »Quitt«, »Frau Jenny Treibel«, »Effi Briest« u. a., die zu den besten der neuzeitlichen Erzählungslitteratur zu rechnen sind. Schon seit den vierziger Jahren zählte F. zu den bedeutendsten Balladendichtern und Schilderern der Mark Brandenburg. Seine »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« sind Landschaftsbilder von entzückender Anmut, sinniger Feinheit und zugleich von frappierender Treue. Tüchtige litterarische Leistungen sind außerdem seine Darstellungen der drei Kriege 1864, 1866 und 1870, die wiederholt aufgelegt wurden. Mit zwei Bänden Erinnerungen aus seinem Leben: »Meine Kinderjahre« und »Von Zwanzig bis Dreißig«, schloß er seine dichterische Thätigkeit ab.

Wilhelm Jensen, geb. am 15. Febr. 1837 in Heiligenhafen, ist einer der eigenartigsten und markantesten Erzähler. Er ist der Dichter des Meeres und der Heide und alle Stimmen, die er ihnen abgelauscht, klingen in seinen Werken wieder. So ungleich auch die einzelnen Werke J.'s untereinander sind, allen gemeinsam ist die melodische, wunderbare Sprache und eine weiche, stillverträumte Stimmung, die über ihnen liegt und den Leser gefangen nimmt. J. ist ein ungemein produktiver Dichter, der sich jedes Jahr mit zwei, drei Bänden einstellt. Von seinen Werken seien genannt: »Die braune Erica«, »Karin von Schweden«, »Tagebuch aus Grönland«, »Aus den Tagen der Hansa«, »Jenseits des Wassers«, »Luv und Lee«, »Sehnsucht«. Auch als Lyriker ist J. wiederholt hervorgetreten und darf wohl den Anspruch erheben, als solcher neben Keller, Meyer und Storm genannt zu werden. (Gesammelte Gedichte: »Vom Morgen zum Abend«.)

Marie von Ebner-Eschenbach, geb. am 13. Sept. 1830 in Zdislavic in Mähren, ist gegenwärtig die bedeutendste lebende deutsch-österreichische Schriftstellerin. Sie ist eine Meisterin des künstlerischen Realismus, den sie so sicher wie die besten Meister der Erzählungskunst beherrscht. (»Bozena«, »Dorf- und Schloßgeschichten«, »Zwei Komtessen«, »Das Gemeindekind«, »Rittmeister Brand« u. a.)

Adolf Wilbrandt, geb. am 24. Aug. 1837 in Rostock, gab zuerst ein Werk über Heinrich von Kleist heraus, dem er eine Reihe von Dramen: »Arria und Messalina«, »Gracchus«, »Kriemhild«, »Graf Hammerstein«, »Die Tochter des Herrn Fabricius«, »Der Meister von Palmyra« u. a. folgen ließ, unter denen das letztgenannte das bedeutendste ist. In den letzten Jahren hat sich W. fast ganz dem Zeitromane zugewandt (»Hermann Ifinger«, »Die Osterinsel«, »Vater Robinson« u. a.). W. ist eine der vornehmsten Erscheinungen unter den Schriftstellern der Gegenwart und sowohl der Schiller- als auch der Grillparzerpreis sind ihm zugefallen.