Otto Erich Hartleben, geb. am 3. Juni 1864 in Clausthal, ist der Ironiker unter den Modernen, der bei Maupassant in die Schule gegangen ist und mit liebenswürdigem Humor seine Geschichten und Schnurren, die er vorsorglich meist irgend einem Philister in den Mund legt, zu erzählen weiß (»Die Geschichte vom abgerissenen Knopf«, »Vom gastfreien Pastor«, »Der römische Maler«). Als Dramatiker ist er Thesendichter (»Ein Ehrenwort«, »Die Erziehung zur Ehe«, »Ein wahrhaft guter Mensch« u. a.).

Philipp Langmann, geb. am 5. Febr. 1862 in Brünn, errang einen großen und verdienten Erfolg mit seinem socialen Arbeiterdrama »Bartel Turaser«, der seiner späteren dramatischen Produktion (»Die vier Gewinner«, »Gertrud Antleß«) ebenso verdienter Weise versagt blieb. Seine ganz in impressionistischem Stile geschriebenen »Realistischen Erzählungen« und »Ein junger Mann von 1895 und andere Novellen« sind bedeutungslos. Hübsche stimmungsvolle Bilder enthält dagegen sein neuester Novellenband »Verflogene Rufe«.

Ernst Rosmer (recte Frau Elsa Bernstein) schrieb »Wir Drei«, »Dämmerung«, »Königskinder«, sowie den Novellenband »Madonna«, in denen sie den Spuren Gerhart Hauptmanns folgt.

Georg Hirschfeld, geb. am 17. Febr. 1873 in Berlin, schuf seine Schauspiele aus dem engen Kreise seiner (jüdischen) Familie heraus. »Zu Hause«, »Die Mutter« und »Agnes Jordan« errangen daher bei dem Berliner Premièrenpublikum freundliche Erfolge.


Tendenzfreie Lyriker der jüngsten Zeit.

Detlev von Liliencron, geb. am 3. Juni 1844 in Kiel, war Offizier und wandte sich erst im reifen Mannesalter der Litteratur zu. Seine litterarische Stellung verdankt er hauptsächlich seinen Gedichten, in denen er sich als durchwegs subjektiver Dichter zeigt, dessen Werke den Stempel der Ursprünglichkeit und des Selbsterlebten tragen. (»Adjutantenritte«, »Gedichte«, »Der Haidegänger«, »Neue Gedichte«, »Ausgewählte Gedichte«, »Kämpfe und Ziele«.) Die Form seiner Werke ist nicht immer einwandfrei, weil oft ein burschikoses Sichgehenlassen hervortritt, aber die Unmittelbarkeit seiner Empfindungsdarstellung und die Frische seiner Gedanken vermögen wohl für diese Fehler zu entschädigen. Sein bester Roman ist »Breide Hummelsbüttel«, der in den Kreisen des holsteinischen Landadels spielt. Viel Lob ernteten auch seine Novellensammlungen: »Eine Sommerschlacht«, »Kriegsnovellen«, »Unter flatternden Fahnen« und sein neuester Roman: »Mit dem linken Ellenbogen.«

Gustav Falke, geb. am 11. Januar 1853 in Lübeck, steht hinsichtlich der Begabung Detlev v. Liliencron am nächsten. Obwohl seine Lyrik viel Formales enthält, hat er doch die Mittel, die höchsten und reinsten Wirkungen zu erzielen und den Leser in seine Stimmungen hineinzuzwingen. Gedichte: »Mynheer der Tod und andere Gedichte«, »Tanz und Andacht«, »Zwischen zwei Nächten«, »Neue Fahrt«, »Mit dem Leben«. Seinem stark realistisch gefärbten Hamburger Roman »Landen und Stranden« ließ er vor kurzem den psychologischen Roman eines fin-de-siècle-Menschen: »Der Mann im Nebel« folgen.

Carl Busse, geb. am 12. Nov. 1872 zu Lindenstadt in Posen, lenkte schon als Schüler die Aufmerksamkeit litterarischer Kreise auf sein dichterisches Schaffen. In seinen »Gedichten« und »Neuen Gedichten«, die in der Form von größter Reinheit sind, ist alles Farbe, Glanz und Stimmung. Seine Romane und Novellen entbehren der Charakteristik, während seine litteraturgeschichtlichen Untersuchungen feine Bemerkungen und treffende Urteile aufweisen.

Ludwig Jacobowski, geb. am 21. Januar 1868 in Strelno, Herausgeber der »Gesellschaft«, ist einer der fleißigsten und begabtesten der jüngeren Dichtergeneration. Seine Gedichte (»Aus bewegten Stunden«, »Funken«, »Aus Tag und Traum«, »Leuchtende Tage«), zeigen ein eigenartiges Gepräge, das auch in seinen Romanen »Werther der Jude«, »Loki« und der Novellensammlung »Und Satan lachte« zu Tage tritt.