Gustav Renner, geb. am 17. Oktober 1866 in Freiburg in Schl., war ursprünglich Buchbinder und ging dann zur Kunstmalerei über. Seine »Gedichte« erregten Aufsehen und wurden von der Kritik ebenso günstig aufgenommen, wie die »Neuen Gedichte«, die eher eine Steigerung als eine Abnahme seines dichterischen Könnens verraten.


Philosophische und polemische Dichter.

Ferdinand Avenarius, geb. am 20. Dez. 1856 in Berlin, zeigt sich in seinen Gedichtsammlungen als objektiver Lyriker, der oft statt Empfindungen Grundsätze zum Ausdruck bringt. (»Wandern und Werden«, »Lebe« und das lyrische Epos: »Die Kinder von Wohldorf«.) Als Herausgeber des »Kunstwart« hat er auf unser litterarisches und künstlerisches Leben vielfach Einfluß gewonnen.

Otto Ernst (Pseudon. für Otto Ernst Schmidt), geb. am 7. Okt. 1862 in Ottensen bei Hamburg, von Beruf Lehrer, ist eine kampfesfrohe, polemische Natur, die sich gern gegen das Althergebrachte wendet und auch in der Litteratur oft den Herrn Lehrer spielt. (Gesammelte Essays aus Litteratur, Pädagogik und öffentlichem Leben unter dem Titel: »Offenes Visier«, »Buch der Hoffnung«.) Seine besten Werke sind die Novellensammlung »Aus verborgenen Tiefen«, die »Karthäusergeschichten« und die humoristischen Skizzen: »Ein frohes Farbenspiel«. Das Ende 1899 erschienene Schauspiel: »Die Jugend von heute« ist trotz stellenweise treffender Satire ein verfehlter Versuch zu einer »deutschen Komödie«.

Wilhelm Weigand, geb. am 13. März 1862 in Gissigheim, gab sich als geistvoller Essayist in seinen litteraturgeschichtlichen Schriften. Außer dem Roman: »Die Frankenthaler« und einer Reihe dramatischer Schriften »Die Renaissance« (Dramencyklus) u. a. gab er »Dramatische Gedichte«, »Sommer« (Neue Gedichte) u. a. heraus.

Carl Spitteler (Pseudon. Felix Tandem), geb. am 24. April 1845 in Luzern, der bedeutendste lebende Dichter der Schweiz, debütierte mit der Dichtung »Prometheus und Epimetheus«, der er die Gedichtsammlung »Schmetterlinge« und »Balladen« folgen ließ. Als geistreicher Causeur zeigt er sich in den »Lachenden Wahrheiten«.

Josef Viktor Widmann, geb. am 20. Febr. 1842 in Nennowitz i. M., bekannt als litterarischer Kritiker des »Berner Bund«, begann seine Laufbahn mit Dramen und Epen, die stark philosophisch angehaucht sind. Von seinen letzten Werken wurde das Epos »Maikäfer-Komödie«, das sich durch liebenswürdigen Humor auszeichnet und viele satirische Spitzen und Anspielungen enthält, beifällig aufgenommen.

Christian Wagner, geb. am 5. August 1835 in Warmbrunn, lebt als Bauer in seinem Geburtsorte. Er ist ein tüchtiger Botaniker und weiß in seinen prosaisch-poetischen Naturbetrachtungen die charakteristischen Eigentümlichkeiten der Blumen zu kleinen Märchen auszugestalten. (»Märchenerzähler, Bramine und Seher« [in 2. Aufl. unter dem Titel: »Sonntagsgänge«], »Balladen und Blumenlieder«, »Weihegeschenke«, »Neue Dichtungen«.) Seine buddhistisch-brahmanistische Weltanschauung legte er in seinem letzten Werke »Mein Glaube« nieder.