Ludwig Eichrodt, geb. am 2. Febr. 1827 in Durlach in Baden, gest. 1892, ein Jugendgenosse Scheffels, dichtete eine Anzahl humoristischer Lieder, die besonders in studentischen Kreisen Anklang fanden (»Gesammelte Dichtungen«).

Hermann Allmers, geb. am 11. Februar 1821 zu Rechtenfleth, gab das »Marschenbuch« heraus, das im Stile der Riehlschen kulturhistorischen Novellen Bilder aus dem Leben der friesischen Marschenbauern enthält. »Dichtungen« und »Römische Schlendertage« schlossen sich an.

Robert Waldmüller (Pseudon. für Ed. Duboc), geb. am 17. Sept. 1822 in Hamburg, versuchte sich auf fast allen dichterischen Gebieten und hat sich auch als Übersetzer bekannt gemacht. Von seinen Romanen sind »Somosierra« und »Don Adone«, von seinen Gedichtsammlungen »Klänge aus der Fremde« und »Liebesstürme« die bekanntesten.

Rudolf Bunge, geb. am 27. März 1836 in Koethen, als Improvisator und liebenswürdiger Gesellschafter in allen litterarischen Kreisen geschätzt, errang seine größten Kassenerfolge mit dem Libretto zum »Trompeter von Säckingen«. Dichterisch höher steht die 5-aktige Tragödie »Der Herzog von Kurland«, das den Verlust von Straßburg und dem Elsaß behandelt. In seiner Gedichtsammlung »Heimat und Fremde« singt er von Lenz und Liebe, von deutschen Frauen, deutscher Treue, deutschem Wein und dem angestammten Herrscherhaus, das seine vielseitige litterarische Thätigkeit durch Verleihung von Titeln und Orden anerkannte.

Adolf Brieger, geb. am 12. Okt. 1832 in Greifswald, ein in den »weitesten Kreisen« unbekannter Dichter, veröffentlichte erst 1870 in Hexametern das kleine antikisierende Epos »Krösus und Adrastus«, 1885 aber, in die unmittelbare Vergangenheit greifend »König Humbert in Neapel«. Modern ist auch: »Stirb und werde«. Seine »Ausgewählten Gedichte« (1895) geben innerlich Erlebtes, meist an das Naturbild als Symbol (im Goethe'schen Sinne) anknüpfend. Zuletzt erschien: »Verirrt und heimgefunden«, zwei aus dem Leben der Gegenwart genommene Versnovellen.

Heinrich Bulthaupt, geb. am 26. Okt. 1849 in Bremen, zeigt sich in der Lyrik dem Schweizer Conrad Ferd. Meyer verwandt (»Durch Frost und Gluten«), versuchte sich auch wiederholt im Drama (»Der verlorene Sohn«, »Viktoria« u. a.), ohne jedoch große Bühnenerfolge zu erzielen. Dagegen erlebte seine »Dramaturgie der Klassiker« wiederholt neue Auflagen und gilt für das beste neuzeitliche Werk auf diesem Gebiete.

Julius Rodenberg (Pseudon. für Levy aus Rodenberg) geb. am 26. Juni 1831 in Rodenberg (Kurhessen), der Begründer und Leiter der »Deutschen Rundschau«, schrieb Gedichte, Romane und Reisebeschreibungen (»Berliner Bilder«), die ihn als liebenswürdigen Poeten zeigen, der sich gern in die Erinnerung an die so ungleich bessere und vollkommenere Vergangenheit versenkt. (Vergl. auch R.'s »Erinnerungen aus der Jugendzeit«.)

Karl Weitbrecht, geb. am 8. Dez. 1847 in Neuhengstett, ist nach Form und Inhalt einer der bedeutendsten schwäbischen Epiker. Von seinen Büchern seien hier genannt: »Liederbuch«, »Sonnenwende«, die Novellensammlung »Verirrte Leute«, und der satirische Roman: »Phaläna. Die Leiden eines Buches«. Ein besonderes Verdienst hat sich W. in Gemeinschaft mit seinem Bruder Richard um die Pflege der Dialektdichtung erworben. (»Gschichta-n aus'm Schwôbaland« [1877] und: »Nohmôl Schwôbagschichta« [1882]).

Eduard Paulus, geb. am 18. Okt. 1837 in Stuttgart, besitzt unter den schwäbischen Dichtern der Gegenwart das stärkste lyrische Talent. Ein liebenswürdiger Humor, der auch oft satirisch gefärbt ist, zeichnet seine in der Form tadellosen Gedichte (»Gesammelte Dichtungen«) aus. 1897 ließ er »Arabesken« und im Vorjahre ein Epos in 12 Gesängen »Tillmann Riemschneider. Ein Künstlerleben« folgen, das wiederum Zeugnis von der starken lyrischen Begabung P.'s ablegt. Neben einem kecken, übermütigen Humor macht sich, namentlich in seinen letzten Schöpfungen, eine wehmütige Grundstimmung bemerkbar.

Isolde Kurz, geb. am 21. Dez. 1853 in Stuttgart, ein C. F. Meyer verwandtes Talent, hat nur wenige Bände (»Gedichte«, »Phantasien« und »Märchen«, »Florentiner Novellen«, »Italienische Erzählungen«) publiziert, aber das Wenige trägt den Stempel durchgebildeter Meisterschaft und ungewöhnlicher Fabulierkunst.