Lyriker und Epiker der 70er und 80er Jahre.

Julius Grosse, geb. am 25. April 1828 in Erfurt, ist einer der fruchtbarsten deutschen Dichter, der sich auf dem Gebiete der Lyrik, des Romans und des Dramas gleich sicher zu bewegen verstand. Besondere Erwähnung von seinen Werken, die sich durch feine Entwicklung der Seelenzustände und Charaktere auszeichnen, verdienen die Dramen: »Der letzte Grieche«, »Gudrun«, »Judith«, »Tiberius«, von den epischen Dichtungen: »Das Mädchen von Capri« und »Gundel vom Königssee«. Originelle Schöpfungen sind auch sein Roman: »Der getreue Eckart« und seine Lebenserinnerungen »Ursachen und Wirkungen«.

Martin Greif (eigentlich Hermann Frey), geb. am 18. Juni 1839 in Speyer, ist der Meister des einfachen Volksliedes, dessen Ton er wie wenige trifft. Seinen Ruhm begründeten die bereits wiederholt aufgelegten »Gedichte«. Seine Dramen (»Heinrich der Löwe«, »Ludwig der Bayer«, »Francesca von Rimini«) werden das Schicksal der Uhlandschen Dramen teilen.

Johann Georg Fischer, geb. am 25. Okt. 1816 zu Großsüßen, gest. am 6. Mai 1897, gehört der schwäbischen Dichterschule an, deren Merkmale er trägt, und ist in seinem dichterischen Schaffen eine Goethe verwandte Natur. Mit 38 Jahren veröffentlichte er seine ersten »Gedichte«, denen noch drei weitere Sammlungen, zuletzt – 1896 – »Mit 80 Jahren« folgten. Wie alle Schwaben hat auch er an dem politischen Leben seiner Zeit teilgenommen, wenn auch nicht in dem Maße wie Uhland. Seine Dramen »Saul«, »Friedrich II.«, »Florian Geyer« und »Kaiser Maximilian von Mexiko« werden geschätzt, ohne jedoch bühnenfähig zu sein.

Friedrich Wilhelm Weber, geb. am 26. Dez. 1813 in dem Orte Alhausen bei Driburg in Westfalen, gest. am 5. April 1894, studierte Medizin und trat im Herbst 1878 mit dem lyrisch-epischen Gedicht: »Dreizehnlinden« vor die Öffentlichkeit, das ihn mit einem Schlage zum gefeiertsten katholischen Dichter machte. Außer »Dreizehnlinden«, von dem mehr als 70 Auflagen erschienen, sind noch seine Dichtung »Goliath«, sowie die Sammlungen »Gedichte«, »Marienblumen« und »Herbstblätter« zu nennen.

Friedrich Theodor Vischer, geb. am 30. Juni 1807 in Ludwigsburg, gest. am 14. Sept. 1887, bethätigte sich auf lyrischem Gebiet durch seine 1882 erschienene Sammlung »Lyrische Gänge« und auf epischem durch den eigenartigen humoristischen Roman »Auch Einer«. Viel Aufsehen erregte die Parodie auf den 2. Teil des Faust, die er unter dem Titel: »Faust. Der Tragödie dritter Teil. Von Deutobold Symbolizetti Allegoriowitsch Mystifizinsky« herausgab.

Wilhelm Jordan, geb. am 8. Febr. 1819 zu Insterburg, wurde bekannt durch sein Doppelepos »Die Nibelunge«, für die er selbst als wandernder Rhapsode eine Propaganda machte, die ihm zu einem starken buchhändlerischen Erfolge verhalf. J. übersetzte ferner die Edda, Sophokles, Homer, Ilias und Odyssee und gab eine große Anzahl eigener Dichtungen, Romane (»Die Sebalds«, »Zwei Wiegen«) und Theaterstücke heraus, von denen die Lustspiele »Durchs Ohr«, »Tausch enttäuscht« und »Sein Zwillingsbruder« sich als die erfolgreichsten erwiesen. Seine Lebensauffassung spiegelt sich am besten in dem dramatischen Werk »Demiurgos« wider.

Hermann Lingg, geb. am 22. Januar 1820 in Lindau, faßte durch Geibels Freundschaft festen Fuß in der Münchener Dichterschule. Sein Hauptwerk ist das großangelegte farbenprächtige Epos »Die Völkerwanderung«. Außerdem besitzen wir von ihm eine Reihe Dramen und Gedichte. Sein Leben und Schaffen beschrieb L. in dem 1. Bande der »Zeitgenössischen Selbstbiographien« (»Meine Lebensreise«).

Stephan Milow (Pseudon. für Stephan von Millenkovics), geb. am 9. März 1836 in Orsova, verdankt seine litterarische Stellung besonders seinen lyrischen Gedichten (»Gesammelte Gedichte«). Bemerkenswert sind noch die Novellenbände »Wie Herzen lieben« und »Höhen und Tiefen«.