Und Trien Pyck streichelte ihnen den Kopf und erzählte (es war das hundertste Mal) die Geschichte ihrer Mutter, die, um sie dort drüben aus der Scheune des Fährmanns herüberzuholen, den Fluß inmitten der Strömung des Nachts durchquerte und abermals durchschwamm. Sie gab sich den Anschein, es selbst nicht zu glauben. Sie belebte ihre Erzählung mit dem Ausruf: „Ist es möglich, viermal schwimmend diesen Weg, zweimal hin, zweimal her!“ Und als sie den Bericht beendete, fügte sie hinzu: „Der Pfarrer selbst hat es mir gesagt.“

Wanne zog daraus den Schluß: „Ein Kater hätte das niemals getan.“ Und am Grunde ihrer Gedanken konnte man lesen: „Das ist einmal ausgemacht, die Männer sind lange nicht so viel wert wie die Frauen.“ „Das ist wirklich wahr“, antwortete die alte Pyck mit den Augen.

Sie verstummten einen Augenblick. Aber Wanne Biebuick wußte eine noch viel sonderlichere Sache zu berichten. Vorigen Sommer, eines Sonntags, banden die aus Baesrode eine Menge weißer Fäden an die Füße von einigen hundert Fliegen. Man jagte diese mit Tüchern davon. Die Tiere entflogen: auf der andern Seite der Schelde fing man sie beinahe alle ein. Trien Pyck stellte sich ungläubig, nur um ihrer Freundin zu ermöglichen, sogleich hinzuzufügen: „Die Schwestern vom Kloster des heiligen Vinzenz bestätigen dieses Wunder.“

Es läutete zum Englischen Gruß. Alle drei erhoben sich und machten das Zeichen des Kreuzes. Als sie sich wieder gesetzt hatten, wurde eine neue Tasse herumgereicht, und Trien strich Sirup auf ihr Brötchen. Der Tag war verblaßt, die Magd ging hinaus, die Läden des Zimmers zu schließen, und die drei Freundinnen begannen auf die draußen Vorübergehenden zu horchen. Man hörte die Schritte vom Ende des Dorfes her sich nähern, gegenüber auf dem Bürgersteig vorbeiklappern, mählich verklingen, dann herrschte wieder Stille.

„Das ist der Uhrmacher Claes, der seine Uhr dem Schöffen zurückbringt. Und dies ist Jan Maes, der Kohlenmann, ich höre die Nägel seiner Schuhe auf dem Pflaster klirren.“

„Schweigt still, es ist der Vikar, der zu den Goddschaps geht: ihr Sohn wird die Nacht nicht überleben.“

„Ganz und gar nicht: es ist der Pfarrer. Er allein tritt so fest auf. Es kommt mir vor, als höre ich das Versehglöckchen . . .“

„Es ist die Glocke des Petroleumhändlers. Er rüttelt das Faß auf seinem Karren.“

Sie schwiegen. Ein großes unregelmäßiges Geräusch, eine Art Gestolper näherte sich ihnen vom Lande her. Trien, obwohl sie ahnte, daß nur ein Lastwagen all diesen Lärm verursachte, tat, als ob sie an eine Katastrophe glaube.

„Meint man nicht, die Welt geht unter?“