Während des endlosen Winters wurde die Stadt durch ein unbekanntes Fieber verwüstet, und die Schelde trat dreimal über die Ufer. Die Straßen, durch die der Leichenwagen gekommen war, wurden vor allen andern ergriffen. Die Trauer erstreckte sich bis Opdorp.

Wie sehr schwand aus dem reinen, netten Dorfe die Ruhe! Täglich gab es einen Todesfall. Dies dauerte Monate und Monate solchermaßen an, daß man den Friedhof vergrößern mußte. Noch heute hat sich die Erinnerung dieses schwarzen Ereignisses kaum abgeschwächt, ja man sagt, daß in wenigen Jahren der berühmte Jahrmarkt von Opdorp aus den Kalendern gestrichen sein wird.

DIE DREI FREUNDINNEN

DER Schullehrer nannte sie die drei Parzen. Jeden Donnerstag gegen vier Uhr trafen sie sich bei drei Tassen Kaffee. Wenn die Zusammenkunft bei Dietje Knickelbel stattfand, klapperte die magere Trien Pyck mit ihrem Krückstock durch die Klosterstraße, während Wanne Biebuick, die beweglicher, aber dafür ihrer Kurzsichtigkeit wegen unsicherer war, über die Flohecke daherkam. Von da an setzten sie den Weg zu zweien fort und beklagten sich gemeinsam über ihre Übel. Die eine sagte: „Meine armen Augen“, die andere: „Mein armes Bein“. Sie einigten sich aber schließlich zu einem „Gehen wir halt weiter“, indem sie solchermaßen, ohne es zu wissen, das ganze Ab und Auf der menschlichen Leiden zusammenfaßten.

Dietje wohnte in der Nähe eines Kalvarienberges. Die beiden Alten verharrten einen Augenblick im Gebete. Ein großer Christus wand sich hier am Kreuz. Eine riesige Dornenkrone war ihm von der Stirne auf die Augen herabgesunken, eine Lanzenspitze zwischen den Rippen stecken geblieben, und der schmerzverzerrte Ausdruck war so schrecklich wiedergegeben, daß man im Herbst, während der größten Stürme, sagte: „Horch, Gott selbst rüttelt an seinem Kreuz.“

Von ihrem Fenster aus spähte Dietje nach ihren zwei Freundinnen. Sobald diese ihr Gebet beendet hatten, öffnete sie die Türe und nahm ihnen die Mäntel ab. Der Kaffee rauchte auf dem Tische. Wanne und Trien brauchten eine gute Weile, um sich niederzusetzen. Sie sandten prüfende Blicke im Zimmer umher, betrachteten die Windungen des feinen Sandes um die Möbel herum und die Hortensien, die in Büschen die Vielfalt ihrer rosigen Augen öffneten. Dann ließen sie sich beide auf ihre gewohnten Sessel nieder; zwei Katzen sprangen in der Hoffnung auf Leckerbissen auf ihre Knie.