Und kaum war die Wirtin bezahlt, das Glas in Eile geleert, die Harnische und das Sattelzeug gebürstet, die Riemen verkürzt oder verlängert . . . je nach dem Maß der neuen und diesmal munteren Rosse, setzte sich das verjüngte Gespann mit den Kirchenvorstehern und Gassenjungen, die auf den Sitzen und Brettern thronten, wieder in Bewegung. Es schlug denselben Weg ein, den es gekommen war, aber diesmal stellten die Jahrmarktsleute, die jetzt vor seinem anständigen Aussehen ernster und fast ehrfurchtsvoll verharrten, alle Possen ein. Ein wenig Staunen, wenn nicht gar ein wenig Furcht, hatte sie ergriffen, und man sah, wie ihre Frauen sich bekreuzten. Der Tod, der des Morgens zerschlagen, hinkend, abgebraucht, zu nichts mehr nütz geschienen hatte, trabte nun, herausgeputzt wie zum Kampfe, wieder munter von dannen.
Nun geschah es, es dürfte so zwanzig Jahre her sein — und seither ist der Jahrmarkt wie verflucht —, da waren die neugewählten Pferde so ungestüm und unlenksam, daß sie das Dorf im Sturmlauf verließen. Sie rannten Buden und Gestelle um, und weiter draußen, auf der Landstraße, gingen sie, dank einer am Wegrand aufgepflanzten Vogelscheuche, durch. Die auf den Wagen Gekletterten bekamen Angst; einige sprangen, auf die Gefahr hin, sich zu erschlagen, auf Böschungen in die weiche Erde am Wege, andere wieder, aneinander gekauert, stießen so schreckliche Schreie aus, daß die Leute mit zum Himmel gerungenen Händen aus den Gehöften hervorkamen. Im vollen Sonnenschein, mit fliegenden Behängen, polternden Rädern, stürzte der Leichenwagen, ein lebendiges schwarzes Gerassel, vorbei. Die Laternen hüpften in ihren Untersätzen, das entwurzelte Kreuz wurde heftig von rechts nach links und von links nach rechts geschüttelt, die Silberfransen verwickelten sich in den Büschen, und an den Zweigen blieben schwarze Fetzen hängen.
Von den Wällen in Termonde sah man diesen Wirbel herankommen, und der Schrecken war groß. Man ängstigte sich hauptsächlich wegen der Kirchenvorsteher, dieser ehrbaren, gediegenen Würdenträger, deren Beine nicht mehr geschmeidig genug waren, um abzuspringen.
Der wildwütende Leichenwagen durchquerte die ganze Stadt. Das gab Schreien und Klagen. Das Entsetzen verbreitete sich von Haus zu Haus, von Stadtteil zu Stadtteil. Man sah Frauen, die die Hände nach ihren Knaben oder Mädchen ausstreckten, die der Wirbel mit fortführte. Ein Greis wurde über den Haufen gerannt. Die Straßen leerten sich . . . Bleiche Gesichter drückten sich an die Fensterscheiben. Leute liefen atemlos hinter dem Wagen her. Der Glöckner am Hauptplatz wollte die Sturmglocke läuten, aber der Tod lief zu rasch, und der Blitz seines Vorbeijagens traf schon das entgegengesetzte Ende der Vorstädte.
Die wahnsinnigen Pferde, weiß von schäumendem Schweiß, Blut an den Mäulern, hielten erst vor einer Friedhofsmauer an. Eines von ihnen schlug hin. Ein kleines Mädchen wurde getötet. Einem Kirchenvorsteher wurde das Bein zermalmt. Alle anderen hatten Verletzungen zu beklagen. Nur der Kutscher kam heil davon, ohne den kleinsten Riß, und da sich die Pferde ihrerseits von ihrem Schrecken erholt hatten, lachte er schließlich über das Abenteuer.
Aber die Menge ließ sich ihre Furcht nicht nehmen. Was für ein unseliges Geschehnis mochte dieser so sinnfällige Unglücksfall voraussagen? Sie verdoppelten ihre Gebete und Andachtsübungen. Es half nichts.