Der Jahrmarkt von Opdorp aber ist berühmt. Da finden sich beim ersten Morgengrauen die linkischen Füllen ein, die neben ihren Müttern mit kindlichem Trab daherhüpfen; die ungeheuren Hengste, die von Bauernburschen am Halfter geführt werden; dann Arbeitstiere, eine Art von eigensinnigen und noch kräftigen Dienstboten nach weiß Gott wie viel erbrachten Saaten und Ernten, weiß Gott wie vielen Mühen im weichen, fetten Boden der flandrischen Herbsterde.
Sie ziehen längs der Buden hin, und die Hanswurste erschrecken sie durch ihren Lärm, schlagen sie mit ihren hölzernen Degen auf die Kruppe, schimpfen auf ihre tölpelhafte Art und machen sich über ihre wolligen Schwänze und die durch ihre Zottigkeit noch schwerfälliger aussehenden Hufe lustig, die groß und rund sind wie riesige Schwämme. Zwischen Bauern und Clowns entsteht Streit; die einen bekräftigen ihren Zorn mit Faustschlägen, die andern schütteln flink und lachend ihre Beschimpfungen gleichsam aus dem Ärmel und bekräftigen sie mit einem Nasenstüber. Schreie ertönen, streifen an den Anschlagzetteln vorbei, verlaufen sich in den Gassen und Gäßchen aus Zelttuch und vermengen sich mit dem Wiehern der Pferde, den Hufschlägen, dem Klang des stolpernden Galopps auf dem Pflaster. Sobald die Trompeten und Posaunen und die große Trommel sich hören lassen, wird der Spektakel zur Raserei. Es ist, als ob das ganze Dorf sich in einen riesigen Strauß von Getöse verwandelt hätte, in dem schrille Töne, freche Pfiffe und furchtbare Laute die derben, düsteren und roten Blumen darstellten.
Trotzdem aber finden sich die Leute aus der Umgebung, obwohl es noch jährlich bei diesem Feste sehr übermütig zugeht, immer spärlicher ein. Sie haben ihre guten Gründe.
Seinerzeit sandten die Bischöfe von Gent und Tournay ihre Stallmeister hin, die großen Abteien von Aberbode und Perck trafen dort die Auswahl ihrer Tiere, und hauptsächlich schickte die Leichenbestattung der kleinen Stadt Termonde alle fünf Jahre ihre prunkvollsten Totenwagen, gezogen von vier schwarzen, abgenützten mageren Mähren, die man nach einigen Dienstjahren ersetzen mußte, damit der Pomp der wohlbestallten Leichenbegängnisse keine Kritik zu fürchten habe.
Sobald die Ankunft des Wagens angezeigt war, bestiegen die Hanswurste wieder die Bühne und überboten sich in närrischen Reden. Vier vergoldete Skelette hingen zur Seite des Gefährtes, ein Clown kniff sie ins Kinn, ein anderer steckte Blumen in ihre Knochenhöhlen. Die Musikanten bliesen mit geschwollenen Backen heftige Trauermärsche, aufgeregte Affen verrenkten sich in Sprüngen längs der Budenplanken, und die Schlangenbändigerin, ihre Riesenschlange um den Leib gewunden, packte den Kopf des Tieres und streckte ihn mit offenem Rachen dem nahenden finsteren Gefährt entgegen.
Das Gespann fuhr langsam an dem zynischen und grotesken Mummenschanz vorbei, streifte mit seinen Federbüschen und schwarzen Behängen den gemeinen, grellen Aufputz, die kreuz und quer aufgeklebten Anschlagzettel und die gehißten Fahnen und Wimpel. Der Wagen war voll nichtsnutziger Gassenjungen und -mädchen, die auf den Brettern, die sonst zum Tragen der Särge dienten, herumtanzten und sich hin und her stießen. Neben dem Glockenturm hatten sich ein oder zwei Küster aufgestellt. Und damit der Frevel vollständig sei, brannten düster und zwecklos die Lichter der vier Laternen.
Der Kutscher stellte im Gasthof „Zu den drei Königen“ ein. Sobald er ausgespannt hatte, verkaufte er seine Tiere, die den Abdecker schielenden Auges betrachteten. Rasch handelte er andere ein, ohne den Preis besonders zu drücken; die Leichenbestattung von Termonde war reich.