Erst jetzt erblickte man das ganze Elend dieses Schauspiels. Das Dorf sah aus, als wenn es geplündert worden wäre: die Häuser standen da mit offenen Türen und Fenstern, verwüstet, in Unordnung, stumm in ihrer Verlassenheit; auf dem Friedhof war der Rasen zerstampft, die Gitter und Kreuze zerbrochen, als wäre Leichenschändung begangen worden; Holzeimer, Kübel und Fässer waren in Haufen durcheinandergeworfen, und längs der Wege konnte man die Spuren der Abfälle und des Kots erblicken, mit denen man die Feuersbrunst zu löschen gehofft hatte.

Endlich sah man auf der Landstraße die erwartete Hilfe auftauchen, das galoppierende Gespann, die Kupferpumpen, die Helme und die Hacken.

DER JAHRMARKT ZU OPDORP

ALLJÄHRLICH im Juni findet in dem kleinen Dorfe Opdorp, dicht an der Grenze von Flandern und Brabant, ein berühmter Jahrmarkt von bunt und heiter aufgeputzten Pferden statt. Um ein weites, rasengeschmücktes und von Ulmen, Eschen und Weiden geziertes Viereck reihen sich die Häuser — ihre Mauern gleichen weißen Röcken, ihre Dächer roten Kappen —, und sie bewachen einander mit den frisch gewaschenen und sauberen Augen ihrer Fenster. Am Ende steht die Kirche mit dem Turm und seinem goldstrahlenden Hahn; um sie der armselige, ungezäunte Friedhof.

Das Dörfchen ist still, traurig, unscheinbar. Die Arbeit geht dort in Regelmäßigkeit, ohne Eile, mit langsamen Händen vor sich, als wollte man, ohne je es zu verwirren, das nützliche und kostbare Gewebe der Zeit abhaspeln.

An Werktagen entströmt den Kellern ein Duft von Butter und Milch. Langsam hinziehende Kuhherden kommen des Abends von der Tränke und den Wiesen heim; hinter ihnen pfeift der Kuhhirt sein Lied. Ein Brüllen wird laut, ein Tor knarrt, ehe es sich schließt. Nur der Turm verbreitet mit seinem Geläute des Sonntags ein wenig frommes und wärmeres Leben. Man drängt sich zur Messe, zur Vesper, zum Schlußgebet. Vom Montag an wird alles Leben wieder still und tritt in seine geregelte und eintönige Ordnung.