Frauen, nur halb bekleidet, Buben und Greise bildeten die Kette. Man füllte die Eimer in faulenden Zisternen, in schlammigen Teichen, ja selbst in der Jauche der Düngergruben. Und all dies ging von Hand zu Hand zum Turm hinauf.
Die Glut höhlte sich trichterförmig. Die Zeiger des Zifferblattes waren stehen geblieben. Jemand schrie: Die Glocken werden fallen! Eine Minute wahnwitziger Angst setzte ein. Krachend mit Stoß und Prall, im Sprung sich aufbäumend, erfolgte der erste Sturz. Sie lag schon auf der Erde, da man meinte, sie hänge noch. Ein riesiges Loch gähnte und spie Staub aus. Einige näherten sich. Die zweite Glocke sauste eben herab und tötete sie.
Nun gab es Weinen und Schreien. Alle wollten die beiden Glocken und die Menschen sehen, die nur noch ein einziger Leichenhaufen waren. Man mußte die Menge mit Faustschlägen zurückdrängen: die Kirche selbst war ja bedroht.
Steile, heftige Flammen rissen sich wie schrille Schreie vom Turm empor. Sie stoben hin wie Haare aus Glut, wie Fetzen von Blut. Zuweilen flammte es jenseits des Flusses auf, und entfernte Bäume ragten plötzlich rot empor. Es war ein beständiges Schnauben, ein fliegendes, springendes Rasen zum Himmel auf.
Man mußte den Pfarrer suchen, daß er die Hostien und Reliquien rette. Man lief ins Pfarrhaus. Die Tür war verschlossen. Alles schien still darin; nur ein erhelltes Fenster bezeugte, daß man wach war.
„Der Herr Pfarrer betet und will allein bleiben“, antwortete die Magd.
Der Bürgermeister und der Schullehrer trauten ihren Ohren nicht und sahen einander achselzuckend an. Einige murrten und wollten mit Gewalt eindringen. Sie wagten es nicht. Der Schmied und der Zimmermann hatten das Dach verlassen, überzeugt, daß die Scheidewand, die den Turm von der Kirche und ihrem Schiff trennte, gleichfalls in Brand geraten würde. Schon züngelte das Feuer mit seinen tausend Flammenzungen an der Wand empor, und die Balken knisterten.
Plötzlich aber erfolgte ein völliger Zusammenbruch. Aus dem ausgehöhlten Turm stieg eine fette, träge Rauchsäule auf, man sah die Mauern glühen, die Wände und ganze Stücke Mauerwerks, eines nach dem andern, in die Glut stürzen. Der Glockenturm war dahin. Gegen Osten stieg der Tag auf.