„. . . Dann werde ich gute Werke tun. Ich werde der Kongregation eine herrliche Monstranz schenken, in der Kirche wird für mich ein Stuhl aus Mahagoni stehen und ein großer Teppich für meine armen Füße. Im Keller werde ich Wein haben, um ihn dem Vikar anzubieten. Ich werde euch, dir, Trien, und dir, Dietje, einen Rosenkranz aus Silber und Perlmutter schenken, der in Rom geweiht ist, und ich werde wirklich den Preis bezahlen, daß er die heilige Reise macht. Ich werde Präfektin des heiligen Rosenkranzordens sein und, wenn ich sterbe, der Kirche ein so bedeutendes Legat hinterlassen, daß man tausend Messen für meine Seele lesen wird.“

Während sie dies sagte, machte Wanne Biebuick eine Gebärde, die sie vollständig aus ihrem Sessel in die Höhe schnellte. Die Katze sprang, als wäre sie erschrocken, von ihren Knien. Eine Stille trat ein. Bisher hatte Dietje nicht mehr gesagt als ja und nein, einzig um ab und zu einen kleinen flüchtigen Ring an die Kette der wiedererweckten Erinnerungen zu reihen. Nun sprach auch sie. Und zwar vom alten Pier Thys, der vergangenen Sonntag allein während der Messe hinter seinem Fenster gestorben war. Das ganze Dorf konnte ihn, als es aus der Kirche kam, hinter seinen Scheiben sehen, blaß und steif wie ein Heiliger in einem Glaskasten. Man hatte ihm ein würdiges Begräbnis bereitet. Reichlich waren die Blumenspenden gewesen. Der Strauß, der sich in diesem Augenblick auf dem Tische befand, hatte sogar seinen Sarg berührt.

Dietje, die die Neugierde ihrer Freundinnen voraussah, gestand, daß ihn ihr der Totengräber nach dem Begräbnis gegeben hatte.

Man sprach noch über den Schullehrer, über den Kapuziner, der Weltabgeschiedenheit gepredigt hatte, über den Bettler mit dem Mausgesicht, der jede Woche an die Türen pochte. Aber bei all dem fehlte der Schwung. Eine heimliche, aber tiefe Bewegung beunruhigte die drei Freundinnen.

Da machte Dietje, die nicht vergessen hatte, daß sie einst alle drei bis zur Tollheit den hübschen Kerl, der Pier Thys gewesen war, geliebt hatten, ja daß sie, von heftiger Eifersucht gegeneinander erfüllt, sich zu allen Teufeln gewünscht hatten, jedoch verschweigend, daß sie die Bevorzugte gewesen war, machte nun drei Teile aus dem blassen Veilchenstrauß, behielt den kleinsten für sich und legte die zwei anderen in die armen alten Hände ihrer Gefährtinnen.

EIN ABEND