„Ich komme,“ sagte ich, „um Sie wegen eines Diebstahls, der sich eben bei mir abspielt, zu holen.“

Der Mann folgte mir, und die wenigen Worte, die er sprach, bedeuteten mir Erlösung. Ich war mir in diesem Augenblick der Komödie, die ich spielte, nicht bewußt.

Als wir an der Schwelle meiner Türe angelangt waren, hätte ich es gewiß gewagt, allein in mein Zimmer einzutreten und in aller Ruhe die Winkel und Ecken zu untersuchen, mein Bett aufzufinden und zu schlafen. Der Wächter durchforschte sorgfältig den Salon, das Waschkabinett, zündete seine Blendlaterne an und machte die Runde durch alle Räume. Um meinen Worten Gewicht zu geben — was mir ganz leicht fiel —, gab ich vor, daß ein Schrein auf jenem Tischchen, zwischen diesen und jenen Leuchtern und meinem Reisenecessaire, sich befunden hatte, und daß dieser Schrein verschwunden war. Mit wachsender Kühnheit begann ich gegen die Gauner zu eifern, die den Reisenden auflauern, ihnen in die Hotels folgen, und gegen die Behörde, der es niemals gelinge, wie sie es auch anstelle, die Schuldigen ausfindig zu machen. In diesem Augenblick mußte ich wohl einige etwas allzu übertriebene Worte gebraucht haben, denn der Nachtwächter lächelte, und ich sah einen leichten Zug von Ungläubigkeit in seinen Augen. Ich ärgerte mich.

„Es ist sicher,“ erklärte ich ihm, „daß vor einer Stunde ein Schmuckstück da in einem blauen Schrein sich befunden hatte, daß dieses Schmuckstück — ein Medaillon — mit Perlen verziert war und daß es Haare enthielt, die in Arabesken eingelegt waren.“

Und als mich der Mann unterbrach, um mich zu versichern, daß das Haus verläßlich sei und der Bezirk der stillste der Stadt, erwiderte ich, daß ich im Bett gewesen wäre, als ich plötzlich durch ein Kratzen — gleichsam als wenn ein Diamant über eine Glasscheibe geführt würde oder ein Gegenstand über eine marmorne Tischplatte — geweckt worden war; als ich rasch hinzugelaufen war, sei vor mir ein Mann verschwunden, die Türe hinter sich zuwerfend. Was den Schrein betrifft, so hatte er auf seiner Unterseite vier kupferne Nägel, und einer dieser kreischenden und knirschenden Nägel war es, der mich aus dem Schlaf geweckt hatte. Der Wächter sah mir gerade ins Gesicht.

„Folgen Sie mir,“ befahl er, „und bringen Sie Ihre Klage anderswo vor.“

Aber darauf wollte ich nicht eingehen. Ich widersetzte mich, da mein Freund heimkehren würde — mein Freund, er war nur mehr Vorwand — und daß ich nicht einen Augenblick in diesem verdächtigen Hause die Papiere und die andern Andenken, die uns gehörten, verlassen wollte.

Neuerlich erschien ein Lächeln in den Augen des Nachtwächters. Ich hatte Lust, ihn zu schlagen.

Plötzlich öffnete sich die Türe, und er, der die Quelle meiner Angst gewesen war, er, den ich vergebens sehnsüchtig, ja wahnsinnig in der ganzen Stadt gesucht hatte, trat ein.