»Wenn dich die Gräther führt, kannst du so weit gehen?«

»Ich glaube, ja,« sagte ich.

Da band sie mir ihr Taschentuch und das der Elsbeth um den Kopf, ging mit uns ein Stück weit von der Schule weg, gab mir die Hand und kehrte wieder um.

Die Elsbeth hatte ihren Arm sorgsam unter meinen geschoben und wir waren beide still und verlegen. Als wir in der Webergasse waren, blieb ich stehen und sagte: »Jetzt geh nur wieder zurück! Ich komm' schon allein vollends heim. Es kann dir ja bloß recht sein, weil – ich habe dich doch einmal so arg angelogen!«

Eine dunkle, rote Welle lief ihr über das Gesicht.

»Ach, das ist schon lange her!« –

»Ja, aber, du hast damals doch nichts mehr von mir wissen wollen, das ist jetzt immer noch das gleiche!«

Da tat sie einen ihrer schönen, vollen Blicke herüber und sagte langsam:

»Weißt du, Flaig, es ist nicht das gewesen, daß ich erfahren habe, daß deine Mutter nur eine Magd war und daß dein Vater – krank ist –, ich hätte es gern der Maier nun erst recht gezeigt, daß ich mit dir verkehren will. Aber es kam mir so ein bißchen prahlerisch und verlogen vor und ich mußte nun bei jedem Aufsatz, den der Rektor von dir vorlas, denken: was die wieder zusammenlügt! Aber gelt –« das sagte sie ganz leis und wurde wieder rot dabei, als müßte sie sich schämen, »du hast nur mich angelogen, daß ich nimmer so verächtlich sein sollte und so ekelhaft geringschätzig, wie ich immer war, als wäre ich etwas Besseres als du?«

Ich nickte schweigend und sah weg. Da bot sie mir die Hand hin.