Die arme Nellie war über diesen Angriff so erschrocken, daß sie nicht darauf antworten konnte. Aber Ilse half ihrer Freundin aus der Verlegenheit.

»Ich finde nichts Komisches darin, Flora,« sagte sie lustig, »wenn Nellie nicht gern beschmutzte Finger sehen lassen [pg 129]will; aber daß du ihr deine eignen Gedanken zutraust, das finde ich komisch! – Ja, ja, Florchen, du bist erkannt!«

Flora errötete, aber sie war klug und antwortete nur mit einem wegwerfenden Achselzucken. –

Alle Vorbereitungen waren zu Ende. Die Mädchen trugen Ketten, Netze, kurz allen Schmuck herbei, um den Baum zu behängen.

Wie er sich füllte! Wie festlich geschmückt er bald dastand! Ilse bewunderte hauptsächlich die glänzenden Tannenzapfen, die sich zwischen den dunklen Nadeln ganz herrlich ausnahmen.

»Wie ein Märchenbaum!« rief sie fröhlich, und »Bäumchen rüttle dich und schüttle dich!« setzte sie übermütig hinzu.

»O, nein!« rief Nellie in komischem Ernste, »nicht schüttle und rüttle dir, Baumchen, es fallt sonst all der Salz von deiner Nadel und ich muß mir noch einmal die Finger zerkleben.«

»Nie in meinem Leben sah ich einen so schönen Christbaum!« erklärte Ilse.

»Wir sind noch nicht fertig, Ilse,« entgegnete Fräulein Güssow, »bald hätte ich das Gold- und Silberhaar vergessen.« – Und nun begann sie feine Fäden rings um den Baum zu spinnen.

»Wie schön! wie schön!« jubelte Ilse und schlug wie ein Kind vor Freude in die Hände. Dann nahm sie Nellie in den Arm und tanzte mit ihr um den Baum.