»Du hast nicht viel Geschmack, liebste Rosi. Nimm mir nicht übel, daß ich es dir frei heraussage,« fertigte Melanie die Aermste ab. »Orla, bitte, gieb du dein Urteil ab.«
Die Russin galt als die eleganteste, deren Toilette stets am geschmackvollsten war. Mit Kennermiene musterte sie denn auch Melanie.
»Die dunkle Rose ist zu grell,« entschied sie, »für dein Haar paßt eine blaßrote besser. Uebrigens, was willst du denn anziehen? Das ist doch am Ende die Hauptsache und darnach mußt du die Blumen wählen.«
»Mein blaues Batistkleid, denke ich.«
»Dein bestes Kleid!« rief die vorlaute Grete erstaunt. »Gut, dann ziehe ich mein geblümtes an!«
Gerade wie die Verhandlungen am lautesten waren, öffnete sich die Thür und Fräulein Güssow trat ein.
»Fräulein Raimar läßt euch sagen, ihr möchtet heute abend eure Sonntagskleider tragen,« verkündete sie.
»O! ...« Langgedehnt und unzufrieden kam es über Melanies Lippen. »O, Fräulein Güssow, die alten, dunklen Kleider! Die hellen sind so viel besser!«
Aber es blieb bei den Wollkleidern. Gegen das Machtgebot der Vorsteherin galt kein Widerstreben.
Bevor sie in den Tanzsaal hinuntergingen, fanden sich die Mädchen noch einmal bei Orla ein. Diese hielt erst eine allgemeine Musterung über die Toiletten, besserte hier und dort und verstand es, durch eine Kleinigkeit dem einfachsten Anzuge einen netten Anstrich zu geben.