»Thut nix!« erwiderte Nellie, »man muß mit weniges auch zufrieden sein!«

»Bitte, bitte – wartet einen Augenblick!« rief es plötzlich hinter ihnen.

Annemie war es, die in voller Eile allen nachgelaufen kam. »Ich bin noch nicht ganz fertig,« fuhr sie atemlos fort, »ich kann aber nichts dafür! Als ich mein Kleid überzog, riß ein Band irgendwo, – nun hängt der eine Zipfel vom Ueberwurfe bis auf die Erde. Bitte, seht einmal nach!«

Alle waren stehen geblieben und betrachteten Annemie. Nellie, praktisch wie immer, untersuchte gleich, wo der Schaden saß.

»Komm her,« sagte sie, »ich werde dir ausbessern. Aber ein Nadel und Faden muß ich haben, dann nähe ich dir gleich mit weniger Stich in Ordnung.«

»Sei nicht umständlich,« meinte Flora. »Hier hast du eine Stecknadel, damit wirst du es ebenso gut machen können. Wie manchmal habe ich mir schon ein Band oder einen kleinen Riß schnell mit der Nadel gesteckt.«

Aber davon wollte die Engländerin nichts wissen. Sie nahm Annemie mit in ihr Zimmer und nähte die wenigen Stiche.

»Bitte, liebe, gute Nellie, mir ist hier am Aermel ein Endchen Spitze abgerissen, willst du mir nicht die gleich annähen? Du bist auch ein Engel!«

Nellie brachte auch diesen Schaden in Ordnung, und als sie fertig war, zupfte sie an Annemie hier und dort zurecht, nichts saß an der kleinen, runden Lachtaube, wie es sitzen mußte. Die Handschuhe waren nicht zugeknöpft, die Halskrause saß schief und an dem halbhohen Lackschuh fehlte ein Knöpfchen.

»Du bist aber ein sehr unordentlich’ Mädchen, liebes Lachtaube,« schalt Nellie, »aber ich kann dich nicht helfen, du [pg 153]mußt mit deiner abgerissener Knopf gehen. Es schlägt sechs, wir müssen pünktlich erscheinen.«