Fräulein Güssow legte den Arm um das fiebernde Kind und versuchte es niederzulegen, aber Lilli stieß sie von sich.

»Geh fort!« rief sie; »du bist nit des Kaisers Tochter, du hast kein schönes Kleiderl an! – Ilse! Ilse komm!«

Angstvoll und gellend stieß sie ihre Worte heraus und mit starren Augen blickte sie ihre Pflegerin an.

»Wenn du ruhig bist, wird Ilse kommen,« sagte dieselbe mit zitternder Stimme, die Angst schnürte ihr fast die Kehle zu. »Sei ruhig, mein Liebling, willst du? Lege dich nieder [pg 166]– ganz still – so.« Und sie bettete mit sanfter Gewalt die immer noch aufrechtstehende Lilli in die Kissen.

»Ganz still,« wiederholte das Kind mechanisch; »Ilse komm, – ganz still!«

Fräulein Güssow zog an der Klingelschnur, und nach einiger Zeit ängstlichen Harrens erschien die Köchin. Sie war die einzige, welche die Glocke vernommen hatte, die beiden andern Dienstboten waren im Vorderhause beschäftigt.

»Rufe sofort Fräulein Ilse,« gebot sie mit halblauter Stimme, »und dann hole den Arzt. Das Kind ist sehr krank. Aber still und ohne Aufsehen, Bärbchen, niemand darf es wissen.«

»Aber wenn mich Fräulein Raimar fragen sollte,« wandte die etwas schwerfällige Köchin ein, »dann muß ich es ihr sagen, nicht?«

»Sie wird dich nicht fragen, wenn du deine Sache klug machst. Eile dich nur, ich bitte dich!«

Der Zufall kam Bärbchen zu Hilfe. Gerade als sie sich dem Saale näherte, traten Ilse und Nellie lachend und plaudernd, mit ganz erhitzten Wangen, Arm in Arm, aus der Thür desselben.