Geheimnisvoll winkte ihnen die Köchin zu. »Fräulein Ilschen,« sagte sie, »Sie möchten gleich zu Fräulein Güssow kommen!«
»Es ist doch nichts passiert, Bärbchen?« fragten beide Mädchen fast zugleich.
»O nein, passiert gerade nichts, aber das Kind ist kränker geworden, ich soll gleich den Doktor holen. Es soll aber niemand etwas wissen. Sie brauchen keine Angst zu haben, Fräuleinchens,« beruhigte sie, als sie die erschrockenen Gesichter vor sich sah, »so schnell geht das nicht mit so kleinen Kindern. Krank – tot – gesund – man weiß nicht, woher es kommt! Aber nun will ich laufen!« Und wie der Wind war sie die Treppe hinunter und zum Hause hinaus.
»Ich gehe mit dich,« sagte Nellie, aber Ilse wehrte ihr ab.
»Du mußt in den Saal zurückkehren, Nellie,« erklärte Ilse entschieden, »es würde Aufsehen erregen, wenn wir beide fehlten. Ich gehe allein und bringe dir bald Bescheid.«
Traurig sah Nellie der Freundin nach, dann kehrte sie zurück in den hellerleuchteten Saal. Schwer legte es sich auf ihr Herz, als sie ringsum nur glückliche, fröhliche Menschen sah – unwillkürlich füllte sich ihr Auge mit Thränen.
Aber ihr betrübtes Gesicht durfte niemand sehen, sie trat deshalb unbeachtet hinter eine Tannengruppe.
Einer indes hatte sie doch beachtet und das war Doktor Althoff. Als er sie mit so ernstem Gesicht eintreten und gleich darauf verschwinden sah, näherte er sich ihr langsam.
»Weshalb suchen Sie die Einsamkeit, Miß Nellie?« fragte er herzlich. »Haben Sie Kummer?«
»O Herr Doktor, ich ängstige mir so um das Kind! Bärbchen hat Ilse gerufen und holt jetzt der Arzt!« Und Nellies sonst so fröhliche Augen blickten in Angst und Trauer den jungen Mann an.