Melanie mußte die Hand vor den Mund halten, sonst hätte sie laut herausgelacht.

Um halb acht Uhr war das Abendessen vorbei und zugleich den Pensionärinnen die Erlaubnis gegeben, frei zu thun, was sie wollten, bis neun Uhr. Dann war Schlafenszeit.

»Komm,« sagte Nellie und trat auf Ilse zu, »ich werde mit dich in die Garten spazieren. Aber du hast ja dein Serviette noch nicht schön gelegt und die Ring drauf gezogen! Das mußt du erst machen.«

»Nein,« entgegnete Ilse, »das werde ich nicht! Wozu sind denn die Dienstmädchen da? Zu Hause hatte ich niemals nötig, solche Dinge zu thun.«

»Ist egal, meine liebe Kind. Hier mußt du solche Dinge thun, wir machen es alle.«

Richtig, da lagen sämtliche Servietten sauber zusammengewickelt, sie war die einzige, die es nicht gethan hatte. Ungeduldig nahm sie die ihrige, schlug sie flüchtig zusammen und zog den Ring darüber.

»So nicht,« meinte Nellie, »das ist ungeschickt.«

Und sie faltete die Serviette noch einmal schnell und geschickt mit ihren kleinen Händen. Die junge Engländerin hatte bei allem, was sie that, Grazie und Anmut, es war eine Lust, ihr zuzusehen.

»Nun schnell in der Garten!« sagte sie, nahm Ilses Arm und führte sie dorthin.

Es war ein hübscher Garten, den Ilse jetzt kennen lernte. Nicht so groß und parkartig wie der heimatliche, aber wohl gepflegt. Schöne, hohe Bäume standen darin, auch fehlte es nicht an lauschigen Plätzen. Von allen Seiten sah man auf die grünbewaldeten Berge.