»Hier, Ilse, stell ich dich unsre Dichterin vor,« sagte sie lachend.

Die Angeredete blickte hinein und sah ein junges Mädchen auf einer kleinen Bank sitzen, die hochaufgeschossen, blond und blaß, und deren Gesicht mit zahllosen Sommersprossen bedeckt war. Dieselbe hatte auf dem Schoße ein dickes, blaues Heft, in welchem sie eifrig schrieb.

Mit einer gewissen neugierigen Scheu blickte Ilse sie an, es war ihr so neu, daß junge, siebzehnjährige Mädchen schon dichten können.

»Sie schreibt Romane,« fuhr Nellie fort, »aber wie! Es kommen immer zerbrochene Herzen drin vor. – Du wirst [pg 40]dir die Auge schaden, du hast ja keine Licht genug zu deine Romane!«

Bis dahin hatte Flora Hopfstange sich nicht stören lassen in ihrer Arbeit, jetzt aber wurde sie ärgerlich.

»Ich bitte dich, laß mich in Ruhe, Nellie!« rief sie und schlug ihr hellblaues Auge schwärmerisch auf. »Ich hatte eben einen so wundervollen Gedanken, nun habe ich ihn verloren!«

»O, ich will ihn suchen!« neckte Nellie und bückte sich auf die Erde nieder, als ob sie ihn dort finden könne.

»Du bist unausstehlich!« entgegnete Flora aufgebracht. »Du freilich hast keine Ahnung von meiner Poesie, verstehst du doch nicht einmal deutsch zu sprechen!«

»Das ist wahr,« meinte Nellie lachend und verließ mit Ilse die schwerbeleidigte Dichterin.