Erstaunt blickte letztere auf die umherliegenden Sachen.

»Nun, Ilse, was soll denn das bedeuten?« fragte sie.

Anstatt zu antworten vergrub Ilse das Gesicht in beiden Händen und schluchzte laut.

Fräulein Güssow ließ sie einige Augenblicke gewähren, dann zog sie ihr leise die Hände vom Gesicht.

»Beruhige dich, Kind,« sprach sie in sanftem Tone, »dann will ich mit dir reden.«

»Ich kann nicht! Ich will fort!« stieß Ilse leidenschaftlich heraus.

»Du mußt dich beherrschen, Herz. Ich glaube gern, daß es dir schwer wird, dein trotziges Ich zu zähmen, aber du mußt es thun, es ist notwendig. Siehst du nicht ein, Ilse, wie unrecht, wie ungezogen du gehandelt hast?«

Diese schüttelte den Kopf. »Sie haben mich alle gereizt,« entgegnete sie abgebrochen schluchzend – »Fräulein Raimar hat mich so furchtbar blamiert – alle haben mich ausgelacht!«

Fräulein Güssow hatte das Gefühl, als sei es besser gewesen, wenn die Vorsteherin ihren berechtigten Tadel in einer andern Weise ausgesprochen hätte, – doch das war nun einmal geschehen und nicht zu ändern.

»Du irrst,« entgegnete sie, »nicht Fräulein Raimar, sondern du selbst hast dich lächerlich gemacht. Denke einmal zurück, wie du dich benommen hast. – Uebrigens,« fuhr sie fort, »du darfst nicht so trostlos sein und dir nicht allzuschwere Gedanken [pg 68]darüber machen. Wenn du morgen verständig bist, ist alles vergessen. Die Mädchen haben dich alle lieb.«