»Nein, nein,« rief Ilse, »mich hat niemand lieb! Ich weiß es wohl! – Ich bin dumm und ungeschickt und ich will fort – zu meinem Papa!«

»Wenn du so sprechen willst, Ilse, dann verlasse ich dich. Du weißt, wie sehr ich dich lieb habe, dergleichen kindische Reden aber will ich nicht von dir anhören. Soll ich gehen? – willst du vernünftig sein?« –

Ilse schwieg und die junge Lehrerin wandte sich der Thür zu. Als sie im Begriffe war dieselbe zu öffnen, eilte Ilse auf sie zu.

»Bitte, bleiben Sie,« bat sie und hielt sie an der Hand fest.

»Von Herzen gern, wenn du mich ruhig anhören willst.«

Sie setzte sich auf einen Stuhl am Fenster und nahm Ilse in den Arm.

»Wie heiß du bist, du böser Trotzkopf,« sagte sie und streichelte ihr liebevoll die erhitzten Wangen. »Nellie, gieb Ilse ein Glas Wasser.«

Die Angeredete hatte stumm und still am andern Fenster gelehnt und der Freundin lautes Schluchzen mit heimlichen Thränen begleitet, jetzt sprang sie hinzu und reichte das Gewünschte.

»Trink einer kühle Schluck, er wird dir ruhig machen,« redete sie herzlich zu. »Du mußt nie wieder sagen, daß wir dir nicht liebten, du böse, böse Ilse! – Nicht mehr weinen darfst du, komm, ich mache deine Gesicht kalt.«

Und sie tauchte einen Schwamm in das Wasser und kühlte damit Ilses brennende Augen und Wangen.