Einige dieser Weiber lachten mit grinsendem, dummem Ausdruck und machten mit ihren langen, dürren Händen possierliche Bewegungen. Es scheint, daß unser Aeußeres auf sie einen komischen Eindruck ausübte. Einige jedoch starrten mit nichtssagenden Blicken unbeweglich in die Welt hinaus. Sie schienen Körper ohne Seele.

Andere standen an den verfallenen Thüren ihrer Wohnungen, die in Europa für einen Stall zu schlecht wären. Eines der Weiber hatte an seinem Fuße, durch das lange Gehen in der furchtbaren Hitze, die Elephantiasis; hülflos schmachtete dieses arme Wesen dahin; der Anblick machte mich fast krank vor Mitleid und Ekel. In der Mitte des Platzes stand ein dürrer Baum, an dessen Aesten ein grauer Käfig mit drei grauen Papageien hing, welche ein Türkenknabe feilbot, zu 23 frs. das Stück. So wird Mensch und Thier auf einem Raume dem Nebenmenschen verkauft; – ein erniedrigender Gedanke. –

Und mancher philantropisch winselnde Christ, der alle Tage den Grundsatz der Liebe zum Nebenmenschen loben hört und mitlobt, kauft um ein maßloses Geld eine solche gefiederte Bestie, während sein Nebenmensch um wenig Geld verschachert wird. Falsch wäre es jedoch, wenn man glaubte, daß diese Menschen durch das Freikaufen glücklich gemacht würden; dazu müßte mehr geschehen, als es gewöhnlich der Fall ist. In ihrem Vaterlande leben diese Menschen in einem thierisch wüsten Zustande, und nur durch die tiefe Stufe, auf welcher sie stehen, ist die Möglichkeit gegeben, sie einzufangen, um sie dann zu verkaufen.

Man müßte also durch Missionen und Civilisirung des Inneren von Afrika Hülfe zu bringen suchen; aber der Mensch will so selten auf den Grund gehen und begnügt sich gewöhnlich nur mit momentaner scheinbarer Abhülfe! – Wirklich elend sind diese Menschen schon von dem Augenblicke, in dem sie von den Muselmännern gekauft werden. Nackt werden sie aus ihrem Vaterlande bis zu den Thoren Smyrna's gleich einer Heerde getrieben; erst auf dem Markte bekommen sie dieses blau-graue Tuch. Die Nahrung, welche ihnen die Sclavenhändler geben, ist ein grauer Brei. – Diese »bêtes feroces«, wie sie der christliche Dragoman nannte, kosten als Kinder, wenn sie lenksam sind, 100-150 frs., sind sie aber stutziger Natur, nur 40-50 frs. – Einer der Mohrenknaben, welcher schon besser gehalten schien und im türkischen Kostüme war, spuckte auf uns, als wir ihn näher betrachten wollten, mit dem Ausdruck des bittersten Unmuthes. Weiße Sclaven kommen sehr selten auf den Markt. Wir sahen unter allen diesen gräulichen Erscheinungen nur ein hellfarbiges, sehr schönes Weib, welches in reichem, eigenthümlichem Kostüme Speisen herumtrug. Einige behaupteten, es sei eine jüdische Aufseherin, andere sagten es sei eine zum Kauf dargebotene Circassierin. Ihre Züge waren edel: schön gewölbte feine Brauen, lange scharf geschnittene Augen, mit einem melancholisch tiefen Ausdruck, eine echt orientalische Nase und ein zarter länglicher Mund; ihr Teint war blaß und etwas broncirt; die Gestalt schön und wohlgebaut; ihr braunes Haar umfing ein goldener Reif, der einen feinen Schleier hielt, welcher sie feenartig umhüllte. Mieder und Kleid waren von bunten orientalischen Stoffen, und so war sie die einzige lichte Erscheinung in diesem Meere von grauen Farben. Ich ließ mir erzählen, daß die Sclaven nach dem Ankaufe eine ziemlich gute Existenz hätten. Sie werden wie Diener behandelt und das orientalisch patriarchalische Verhältniß erstreckt sich auch auf sie. Dies gab mir einigen Trost und einige Beruhigung bei dem Scheiden von diesem Platze des Entsetzens. Auch gewahrte ich wirklich später auf dem Bazar einige Mohrenweiber, in Begleitung ihrer verschleierten Herrinnen, mit recht wohlgerundeten fröhlichen Gesichtern.

Das furchtbare Elend ist schon im Urzustande dieser Menschen vorhanden und dem könnte man nur durch Civilisation abhelfen.

Der Bazar von Smyrna.

Wer hat nicht »tausend und eine Nacht« gelesen? Wer hat nicht geträumt von türkischem Luxus, orientalischer Fülle und Pracht? und der mageren Traumgestalt des Schätze tragenden Kamels? Wer hat nicht vom nutzbringenden Hausfreunde des Orientalen, dem fleißigen Langohr gehört? Alles dieses findet der Leser vereinigt in einigen mit Holz und Tüchern bedeckten Straßen von Smyrna, welche die Moslemin Bazar nennen. Als ich mich das erste Mal in diesen langen, hohen, vor der Sonnenhitze geschützten Straßen befand, glaubte ich zu träumen. Alles wogt in bunten Farben und mit dem verwirrendsten Geschrei durcheinander. Auge, Ohr und Nase werden auf einmal in Anspruch genommen, und es braucht lange Zeit, bis man anfängt sich zurecht zu finden; und noch dann verwischt ein Bild das Andere, so daß es mir außerordentlich schwer wird, den Eindruck, den das Ganze auf mich machte, wieder zu geben. – Der Bazar befindet sich zwischen der Türken- und der Frankenstadt. Er nimmt einen großen Raum ein und seine Gassen kreuzen sich nach allen Richtungen. Inmitten derselben befinden sich auf kleinen Plätzen Moscheen, Baumgruppen mit marmornen Brunnen und öffentliche Badeorte, wodurch bei der unendlichen Anzahl von Buden eine angenehme und malerische Abwechslung hervorgebracht wird. Daß sich diese öffentlichen Gebäude im Mittelpunkt der Kaufwelt befinden, hat darin seinen Grund, daß der Bazar das Leben der Stadt, ja der ganzen Provinz vereinigt. So leer die Gassen der eigentlichen Türkenstadt sind, so überfüllt sind diese Räume. Alle Geschäfte werden hier abgeschlossen, alle Wünsche hier befriedigt. Die Sendboten der entfernten Gegenden sind die genügsamen Kamele, welche unter immerwährendem Läuten der Glocken an ihrem Halse, gewöhnlich zu fünfen hinter einander angebunden, schwer bepackt die Straßen durchziehen; den nöthigen Raum um die Menge zu durchschreiten, verschafft ihnen das Geschrei des mohammedanischen Treibers, welcher, im buntesten Kostüme seinen Tschibuk rauchend, auf einem kleinen Esel die Spitze der Caravane bildet. Oft ist man genöthigt, sich vor einem solchen Zuge in die Buden zu flüchten. Die meisten der Letzteren befinden sich in hölzernen Räumen, welche sich an einander reihen und auf deren oberem Theile sich das Dach stufenweise von einer Seite zur andern aufbaut. Das Gebälke ist überall sichtbar und hat die Naturfarbe. Gegen die Gasse zu befinden sich große breite Oeffnungen, wie bei unsern Jahrmarkt-Buden, nur in einem viel größeren Maßstabe. Der eine Theil derselben erstreckt sich bis auf den Boden und bildet hierdurch die Thüre, welche eine Stufe von der Erde trennt. Vor dem andern Theile befindet sich ein langer kistenartiger Auslagetisch, auf welchem zwischen den aufgeschichteten Waaren gewöhnlich der Mohammedaner mit untergeschlagenen Beinen sitzt, pathetisch seine Nargilé raucht und seinen Kaffee aus kleinem Schälchen schlürft. Den regelmäßig edel gebauten Kopf desselben umgiebt ein aus langen Tüchern graziös gewundener Turban; von dem Kinn wallt der mächtige Bart auf den geöffneten pelzverbrämten Kaftan; die Beine bekleiden bis zu den Knien weite faltenreiche Hosen; der untere Theil ist bei den ärmeren Leuten gewöhnlich entblößt, bei den reicheren mit weißen Strümpfen bedeckt. An den Füßen tragen sie schwarze Schuhe, oder in gebogene Spitzen auslaufende gelbe Pantoffeln. Der Eindruck, den ein Mohammedaner im alten Kostüme, vom Aermsten bis zum Reichsten macht, ist würdevoll und malerisch. – Die Oeffnung der Kaufläden umgeben hölzerne Stangen, an welchen die Waaren im buntesten Gewirre hängen; die schönsten sind die, in welchen man türkische Stoffe, Teppiche und Kleidungsstücke verkauft. Wir traten in mehrere derselben ein und ergötzten uns an der Ruhe und Unbeweglichkeit, welche die Türken während dem Verkaufe beibehalten. Sie haben ein edles Vertrauen in die Ehrlichkeit des Käufers, während die griechischen Kaufleute von einer außerordentlichen Beweglichkeit und Geschwätzigkeit sind, und schlau jede Bewegung des Käufers mit ihren dunkeln, verschmitzten Augen verfolgen. Die Teppiche, deren wir mehrere kauften, sind meist aus Persien und zeichnen sich durch Frische der Farben und schöne Zeichnung aus; die Weichheit und Wärme derselben ist bekannt.

Kleiderstoffe und Echarpen werden gewöhnlich in einer Fabrik in Brussa verfertigt; sie sind sehr fein und schmiegsam. Der Preis derselben ist außerordentlich niedrig; nur anfangs erschraken wir über die großen Summen von Piastern, welche die Türken für jeden Gegenstand fordern; bald waren wir jedoch hierüber aufgeklärt, indem wir erfuhren, daß zehn dieser Piaster nur 1 Gulden in Conventionsmünze ausmachen.

Eine besonders schöne Auswahl und geschmackvolle Farbenpracht findet man in gestickten Stoffen, welche für Pantoffeln, Kappen, Kissen und Beutel verwendet werden. Eine feine gelbe Seide, mit goldenen Fäden untermischt, giebt ihnen einen lebhaften Schimmer, welcher gegen den schwarzen, rothen oder blauen Grund sehr gut contrastirt. Erst von den Kaufläden aus hatten wir etwas mehr Muße, das Getreibe um uns in den Straßen zu betrachten. Türken, Griechen, Armenier und Juden umwogten uns. – Die Letzteren stachen gewaltig durch ihren geistreichen, schlauen Ausdruck hervor, welcher zu den gutmüthigen Türken in lebhaftem Gegensatze steht, besonders da beide Nationen fast ein und dasselbe Kostüme tragen. Zwischen dem männlichen Volke erschienen die Frauen der Türken, Stirn, Aug' und Nase mit schwarzem Flor umhüllt, der, wie man mir sagte, mit dem Alter immer undurchsichtiger wird. Von dem Kopfe um das Kinn und den Leib schlingt sich ein weißes Tuch; unter demselben erscheinen beim Knöchel blaue weite Beinkleider, welche in gelben oder violetten Pantoffeln enden. Den Frauen folgen gewöhnlich schwarze Sclavinnen, welche sich nur in ein weißes Tuch hüllen und ihre dicken aufgeschwollenen Gesichtszüge den Blicken der Männer Preis geben. Zu den merkwürdigsten Erscheinungen der Bazarwelt gehören die berühmten türkischen Lastträger. Diese Leute haben ein matratzenartiges Kissen über Rücken und Schultern, auf welchem sie in vorgebeugter Stellung Lasten von fünf Zentnern tragen. Man sagte uns, daß einer auf diese Art ein ganzes Clavier trage. Professor G. begegnete einem, welcher eine complete Hauseinrichtung fortschleppte. Auch zu vieren tragen sie an schweren Stangen kreuzweise außerordentliche Lasten. Oefters trafen wir auf Mohammedaner mit grünem Turban, was besonders gut aussieht; es sind dies Abkömmlinge des Propheten, die jetzt Melonen und Feigen in den Straßen Smyrna's verkaufen; so steigen und sinken die irdischen Größen. –

Wir unternahmen eine vollkommene Entdeckungsreise in die verschiedenen Theile des Bazars. Das erste, was uns auffiel, waren die Vegetabilien, welche hier verkauft werden. Ganze Berge von Melonen häufen sich auf den Straßen, tausende von Schachteln mit Feigen gefüllt, welche die Muselmänner mit dem Daumen kneten, sind für die europäischen Leckermäuler aufgeschichtet. Lager von herrlichen Sultanatrauben, breite Kuchen von Honig und Mehl, alles dies lockt das Auge des Hungrigen an, und bringt gar manchen Piaster zu Tage. Eigenthümlich sind eine Art Restaurateurs, welche in ihren Boutiquen zwei aufrecht stehende Spieße immerwährend drehen. An dem einen derselben befinden sich aneinander gepreßte glühende Kohlen in Säulenform, an dem andern sind hunderte von Fleischstückchen aufgespießt; durch diese zwei beweglichen Colonnen wird das Hammelfleisch für die Moslemin gebraten.