Welchen Gebrauch macht die herrschende Vernunft von sich selbst? Hierauf kommt ja alles an. Das übrige aber, mag es von deiner Willkür abhängen oder nicht, ist nur Totenstaub und Dunst.

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Der zur Verachtung des Todes dienlichste Gedanke ist der, daß selbst diejenigen, welche Sinnenlust für ein Gut und Unlust für ein Übel erklärten, ihn doch verachtet haben.

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Wer nur das, was zur rechten Zeit geschieht, für ein Gut hält, wem es gleichgültig ist, ob er eine größere oder kleinere Zahl vernunftgemäßer Handlungen aufzuweisen habe, wer zwischen einer länger oder kürzer dauernden Betrachtung der Welt keinen Unterschied macht, für den ist auch der Tod nichts Furchtbares.

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So hast du denn dein Bürgerrecht gehabt, o Mensch, in diesem großen Reiche. Wie lange es gedauert, darauf kommt´s nicht an. Was den Gesetzen gemäß ist, ist auch jedem billig. Was also wäre Schlimmes daran wenn du entlassen wirst? entlassen ja nicht von einem Despoten oder ungerechten Richter, sondern von der Natur, derselben, die dich eingeführt. So darf ja wohl der Schauspielleiter, der einen Schauspieler angestellt, ihm wieder kündigen. Aber, sagst du, von fünf Akten sind ja erst drei abgespielt! Sehr gut. Doch sind im Leben auch drei Akte das ganze Stück. Der ehemals die Stoffe zusammenfügte und der jetzt sie wieder löst, der hat das Ende zu bestimmen. Du bist unschuldig an beidem. So gehe denn versöhnt! Der dich abspannt, ist´s auch.