Entweder du lebst hier, wie du gewohnt bist, oder du kommst anderswohin, wie du am Ende auch gewollt, oder du stirbst und hast ausgedient. Das ist alles. Drum sei guten Muts!
23
Vergiß nicht, daß du da, wo du lebst, ganz dasselbe hast, was du im Gebirge oder an der See oder sonstwo, wohin du dich sehnst, haben würdest. Dem Hirten, sagt Plato, der so bei seiner Hürde auf dem Berge weidet, ist´s nicht anders zumute, wie dem, den eine Stadtmauer umgibt.
24
Wozu das Herrschende in mir? Und was mache ich jetzt selbst aus ihm? Oder wozu bediene ich mich jetzt seiner? Ist es ohne Einsicht? Oder von der Gemeinschaft getrennt und abgerissen? Oder so an das Fleisch gekettet und mit ihm verschmolzen, daß es alle seine Bewegungen teilen muß?
25
Wer seinem Herrn entläuft, ist ein Ausreißer. Der Herr ist das Gesetz; wer also der Befolgung des Gesetzes sich entzieht, ist ein Ausreißer. Nicht minder aber verdient diesen schimpflichen Namen auch der, der sich erzürnt oder betrübt oder fürchtet. Denn er will nicht, daß geschehen wäre oder geschehe oder geschehen soll, was der alles Verwaltende, der allen Gesetz ist, bestimmt.
26
Der eine vertraut dem Mutterschoß den Samen und geht dann fort. Dann nimmt eine andere wirkende Kraft den Samen auf, verarbeitet ihn und vollendet die Bildung des Kindes. Welch ein Wesen aus solchem Stoff! Wieder schluckt die Mutter durch den Schlund Nahrung. Dann nimmt diese eine andere wirkende Kraft auf und bewirkt daraus Empfindung, Reife und überhaupt Leben und Stärke und wer weiß wieviele und welcherlei Dinge sonst! Betrachte nur die verborgenen Wirkungen und lerne die hierbei tätige Kraft kennen, wie wir auch die Kraft, vermöge der die Körper sich senken oder steigen, zwar nicht sichtbar aber doch geistig wahrnehmen.
27