[5] Es soll nämlich herstammen vom hebr. jânâ(h) = „übervorteilen, überlisten“, das auch als das Stammwort von „Gauner“ angesehen wird. Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 5 vbd. mit Weigand, W.-B. I, Sp. 632 u. Seiler, Lehnwort IV, S. 490

[6] In dem m. W. frühesten Beleg des Wortes (näml. in der Wiener Kellnersprache 1714 [176]) erscheint es allerdings noch in speziellerem Sinne („eine gewisse Redensart“ [d. h. Sprechweise] der Wiener Kellner, „welche sie die jenische Sprache nennen“), aber schon wenige Jahre später (in der Dillinger Liste 1721 [182]) findet sich — wie der Zusammenhang ergibt — „jenische Sprache“ für die Gaunersprache gebraucht, und noch deutlicher läßt dies die Ludwigsburger Gesamtliste 1728 erkennen (198: „Jaunerisch oder Jenisch“). Weitere Belege sind dann: Hildburghaus. W.-B. 1753 ff. (235); Bierbrauer 1753/58 (242); Sulzer Zigeunerliste 1787 (251: „Die Sprache der Jauner, die Jenische Sprache genannt“); W.-B. des Konst. Hans 1791 (252: „Die Jauner- oder Jenische Sprache“; vgl. 258: sie [die Gauner] schmusen auf Jenisch = „sie reden auf ihre Sprache“); Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (260-262); Schöll 1793 (268); Schintermicherl 1807 (288: „Die sog. jennische Sprache“); Reichsanzeiger 1810 (290: jännisch); Pfister 1812 (301: kochemer Lohschen = jenische Sprache); v. Grolman, Aktenmäß. Gesch. 1813 (310: „die eigentlichen Gauner, Jenische [oder Romanische] Leute“); Brills Nachrichten 1814 (314); Christensen 1814 (315, 316); Falkenberg 1818 (333, im Titel); Stradafisel 1822 (356: „in der jännischen oder sog. Diebessprache“); v. Grolman 30 u. T.-G. 95 (jenisch = gaunerisch, den Gaunern und ihren Vertrauten eigen; jenische Sprache = Gaunersprache); Wenmohs 1821 (358); Eberhardts Poliz.-Nachrichten 1828 ff. (364: „Die sog. Jenische oder Kochemer Sprache“); Pillwein 1830 (365: „Die sog. Jähnische Sprache“); v. Train 1832 (366, im Titel: „... Gauner- u. Diebs-, vulgo Jenische Sprache“); Karmayer 86-88 u. 158 (jendig, jenisch [auch innig] = gaunerisch, rotwelsch [innig noch bes. = der jenischen Sprache kundig]; jenig, jenisch, der jenische Stand = alle der jenischen Sprache kundigen Gauner, Diebe und Räuber; jen(d)ig oder jendisch parlen = jenisch reden); Castelli 1847 (340); Fröhlich 1851 (399: jênisch = gaunerisch, spitzbübisch, auch klug [in dieser Verallgemeinerung hier zum ersten Male; vgl. die gleichsam umgekehrte Bedeutungsentwicklg. von kochem, Kochemer (= Gauner) vom hebr. châkâm = „klug, gescheit“, „der Kluge, Gescheite“ (s. Günther, Rotwelsch, S. 5, Anm. 3 u. S. 17; Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2)]; daher: jênische Leute = kluge, gescheite Leute); A.-L. 551 (jenisch = klug, gescheit, gaunerisch, Gauner; jenische Leut = kluge, gescheite, mit Gaunern einverstandene Leute, Gauner; jenisch kacheln [= kohlen] = in der Gaunersprache reden); Wiener Dirnenspr. 1886 (417: jenisch = klug, gaunerisch); Lindenberg 185 (jenisch = klug, im Gaunertum erfahren); Klausmann u. Weien X (jenisch = klug, gescheit, gaunerisch; jenische Leute = kluge, im Gaunertum erfahrene Leute, mit denen man sich einlassen kann); Groß 470 (jenisch = klug, gescheit, Gauner; jenisch kacheln = Gaunerspreche reden) u. E. K. 42 (innig = einer, der Rotwelsch kann und überhaupt mit dem Gaunerwesen vertraut ist); Pollak 217 (Jenisch = Gaunersprache); Rabben 66 (jenisch kacheln = in der Gaunerspreche reden); Ostwald (Ku.) 71 (jenisch = klug, im Gaunertum erfahren; vgl. 72: jenisch kacheln = die Gaunersprache reden).

[7] So definiert H. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 93 den Begriff „jenisch“ grundsätzlich durch „wer oder was zu Landfahrern u. dergl. gehört“, und ähnlich sagt Ostwald (Ku.) 71: „Jenisch sind alle fahrenden Leute, die nicht vom Sinde (s. [Ku.] 143) abstammen, d. h. keine Zigeuner sind“. Dazu: jenischer Adel = „Landfahrer, Vagabunden“ (bei Fischer, a. a. O. Sp. 93). Daß auch die Kundensprache „jenische Sprache“ genannt wird, erklärt Ostwald (Ku.) 71 zwar für „irrtümlich“, doch hat er selber (Ku. [72]) die etwas engere Bezeichnung Jenisch-Tippern — im Anschluß an Ku. 11 (422) — durch „Kundensprache“ wiedergegeben.

[8] S. dazu näh. Angaben bei Fischer, a. a. O., Sp. 93. Die Bezeichnung von Hausierer- und Händlersprachen als „Jenisch“ findet sich ausdrücklich z. B. auch bei Kluge (Rotw. I, Sp. 476 ff., 490), W. Zündel in d. Württembg. V.-J.-Heften für Landesgesch., N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff. u. R. Kapff in der Z. f. deutsche Wortforschg., Bd. X (1908/9), S. 213 ff., 216.

[9] Schon A.-L. IV, S. 165 hat richtig erkannt, daß in dieser Quelle besonders „der schwäbische ... Dialekt ... überall stark hervor“tritt.

[10] Vgl. dazu auch schon oben [S. 3], [Anm. 4].

[11] S. dazu Näh. bei Günther, Rotwelsch, S. 7. Andererseits ist bekanntlich gerade im schwäbischen Gebiet auch die erste erfolgreiche Bekämpfung des Gaunertums (durch Männer wie den berühmten „Malefiz-Schenk“, den Oberamtmann Schäffer u. a. m.) eingeleitet worden. S. darüber Näh. jetzt bes. bei E. Arnold in Groß’ Archiv, Bd. 54 (1913), S. 80 ff., 84 u. Anm. 1; vgl. auch Bd. 53, S. 121 ff.

[12] S. den (von mir mit Erläuterungen versehenen) Aufsatz von H. Weber, „Die Lingelbacher Musikantensprache und die Geheimsprache der Vogelsberger Maurer“, in den „Hess. Blättern für Volkskunde“, Bd. XI, 2. Heft (1912), S. 130/31.

[13] Vgl. Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl., Leipzig 1910), S. 71.

[14] Beachtenswert ist in dieser Hinsicht, daß manche Händler, z. B. in der Pfalz und in Franken für ihren (bes. stark mit Judendeutsch durchsetzten) Jargon die Bezeichnung Lôchne-kôdesch (so in der Pfalz [s. Kluge, Rotw. I, S. 438]) oder Lotekhôlisch (so in Franken [s. Meisinger in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. III (1902), S. 121 ff.]) haben (vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 220, Anm. 2), die nichts anderes ist als eine Entstellung aus dem jüd. loschon (ha-)kodesch = die „Sprache der Heiligkeit“ oder „heilige Sprache“, d. i. das Hebräische. S. Landau in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. III, S. 319 vbd. mit A.-L. III, S. 53 u. IV, S. 399; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1293. In der schwäb. Händlerspr. (482) bedeutet lotekorisch nur „jüdisch.“ Das Wittichsche Jenisch kennt den Ausdruck (auch dafür) nicht.