[133] S. Abendessen.

[134] Das Zeitw. ruadle(n) (-la, ruedle) = fahren ist auch noch enthalten in den Zus. aus-, darüber-, ein-, heraus-, nach-, um- u. wegruadle(n). Es gehört zu dem Subst. Ruadel (od. Ruedel) = Wagen, bes. Fahrzeug auf dem Lande, Karren. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 488 (Rudel = Wagen). Das in älteren rotw. Quellen vorkommende Zeitw. rodeln (s. z. B. auch W.-B. des Konst. Hans 259 u. Schöll 272) dürfte wegen seiner Bedeutung („führen, mit sich führen“) nicht ohne weiteres zum Vergleiche herangezogen werden, jedenfalls dagegen aber gradeln od. radeln = fahren, das z. B. Schintermicherl 1807 (288) u. Karmayer 63 u. 129 haben. Denn seiner Etymologie nach ist das Zeitw. ruadle(n) wohl nur aufzufassen als eine dialektische Färbung von „radeln“ (s. dazu Günther, Rotw., S. 98, 99, Anm. 118), ebenso wie Ruadel (Ruedel) eine solche von „Radel“, Dim. von „Rad“, sein dürfte. Über das Symn. Rädling (-leng) s. Näh. unter „Eisenbahnwagen“.

[135] Das Zeitw. bohle(n) (-la) = fallen, werfen (Spr.) kommt noch vor in den Zus. ab-, auf-, einbohlen (= einstürzen), hin-, nach-, nieder-, umbohlen. Zu vergl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209, 210]: bohlen = fallen, nausbolen = hinauswerfen). Für „werfen“ ist bohlen auch in rotw. Quellen des 19. Jahrh. bekannt (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [317]; v. Grolman 10 u. T.-G. 133; Karmayer G.-D. 192). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1271 handelt es sich um ein schwäbisches Wort mit der Grundbedeutung „rollen, im Bogen werfen“, ahd. bolôn, mhd. boln = „rollen, werfen, schleudern“ (Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 324), das transit. u. intransit. gebraucht wird, so daß daraus auch die Bedeutg. „fallen“ entstehen konnte. Über das stammverwandte Bolle = Kartoffeln s. unter „Bratkartoffeln“.

[136] Das einfache dogen (-ga), auch doken, kommt vor in dem Sinne von: a) geben (hergeben); b) beschenken; c) schlagen (hauen, fechten). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer abdogen [s. auch unter „abliefern“]) die Zus. aus-, heraus- u. vordogen = aus-, herausgeben und vorschießen (leihen), zu der unter c): zudogen = zuschlagen sowie das Subst. Dokschure (eigtl. „Hauding“) = Hacke (s. d. betr. die Übereinstimmung mit der Zigeunerspr.). Als Ableitg. ist wohl anzusehen Doge = Schläge (falls nicht etwa = Doge[n] als subst. Zeitwort). In dem bes. verw. Quellenkreise ist das Wort m. Wiss. unbekannt, dagegen kommt es sonst vereinzelt vor im Rotw. des 19. Jahrh. (s. z. B. v. Grolman, Akt. Gesch. 1813 [312: Koberment gedockt = Schläge gegeben] u. W.-B. 16 u. T.-G. 95 u. 118 [docken = geben, schenken]; Christensen 1814 [320, 331: tocken = geben, die Vehm tocken = die Hand geben]; Karmayer 30 [docken = reichen, geben) sowie in d. Krämerspr. (s. Eifl. Hausierspr. (491: geduckt = gegeben). Die Etymologie bleibt unklar. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 241 (unter „docke[n]“) gibt keine Erklärung.

[137] Das Zeitw. bosten (wofür früher holchen gebräuchl. [s. oben „Einltg.“, [S. 26]]) = gehen, fliehen, folgen, kommen, laufen, spazieren (gehen) kommt noch vor in den Zus.: aufbosten = auflaufen, ausbosten = ausgehen, auslaufen, darüberbosten = darübergehen, ei’bosten = einlaufen, herabbosten = herabgehen, -laufen, hinausbosten = hinausgehen, nachbosten = nachfolgen, umher-, unterbosten = umher-, untergehen, verbosten = verlaufen, wegbosten = weglaufen, zurückbosten = zurücklaufen; ferner in den Verbindungen: schiebes bosten = davongehen, sich entfernen, entspringen, entweichen, fliehen, fortgehen (früher dafür malochen [s. „Einltg.“, [S. 27]]), schenzieren bosten = hausieren gehen, Jahre bosten = jagen (eigtl. [in den] Wald gehen [um zu jagen]), begerisch bosten = lahm gehen, ins Sauft bosten (eigtl. „ins Bett gehen“) = niederkommen, grandiche Rande bosten (eigt. „[mit einem] dicken Bauch gehen“) = schwanger gehen, endl. noch in der längern Umschreibung Flu(h)te bostet mer herab = ich schwitze (s. darüber schon oben [S. 36], [Anm. 126] vbd. m. [S. 17], [Anm. 44]). Eine Ableitg. ist das Subst. Boster = Läufer. Zu vergl. (aus d. verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 340, 342 (posten = gehen, boschen = laufen, auspostet = ausgelaufen, durchbosten = durchlaufen, verposten = entfliehen); Schwäb. Händlerspr. 481 (pō̆schten [in Pfedelb. (210): boschten] = gehen, plæ̂te poschten [in Pfedelb. (209): boschten] = fortgehen, durchgehen, in Pfedelb. [208/9]: naus- u. abboschten = auslaufen u. durch- od. fortgehen). — Die Form boschen (bôschen) = gehen hat auch schon v. Grolman, Akt. Gesch. 1813 (312) u. W.-B. 11 u. T.-G. 96, das Subst. Boster findet sich in der Zus. Leili-Boster = Nachtdieb bei Pfister bei Christensen 1814 (325). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1318 bedeutet poste(n) (bošte) im Schwäb. „herumlaufen, kleine Aufträge besorgen“ u. ä., eigentl. soviel wie „Postgänge machen“, so daß es also zu unserem Lehnwort Post (aus dem ital. posta, mlat. posta = „[Post-] Standort“, aus posita, zu lat. ponere [s. Weigand, W.-B. II, Sp. 456, vbd. m. Seiler, Lehnwort III, S. 186) gehört. Näheres (auch über andere südd. Mundarten) s. ebds. vbd. mit Grimm, D. W.-B. II, Sp. 267 (unter „besten“) u. VII, Sp. 2025 (unter „posten“, Nr. 1)

[138] Das Zeitw. pfiche(n) = gehen, folgen findet sich noch in den Zus. auspfichen = ausbrechen, herabpfichen = herabgehen, hinauspfichen = hinausgehen sowie in den Verbindgn. schiebes pfichen = davongehen, fortgehen (entrinnen) und schenzieren pfichen = hausieren gehen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 340 (pfichen = gehen [ausgehen, entfliehen, herumziehen]); Schwäb. Händlerspr. 481 (u. Lütz. [214] pfiche[n] = gehen, pficht = er ist fort). Die Etymologie des Wortes (das bei Fischer, Schwäb. W.-B. nicht angeführt ist) bleibt zweifelhaft. Nur unsichere Hypothesen bei A.-L. IV, 245/46.

[139] a) Das in dieser Verbindung enthaltene Wort Gleis = Milch kommt auch noch in folgenden Zus. vor: α) am Anfang stehend: in Gleisnolle = Melkfaß (oder Milchtopf, -napf), Gleisschottel = Melkgefäß (eigtl. Milchschüssel), Gleiskechelte = Milchbrötchen (Spr.), Gleisglansert = Milchglas, Gleisschnall = Milchsuppe und Gleisschund (eigtl. „Milchdreck“) = Rahm oder Sahne (dem das obige abgeschunde Gleis entspricht!; β) am Ende stehend: Schmunkgleis = Buttermilch. Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.) Dolm. der Gaunerspr. 96 (Glais); Pfullend. J.-W.-B. (Gleis; Gleiskittle = Milchhaus, Gleispolifska oder -schnalla = Milchsuppe); Schwäb. Händlerspr. 484 (Gleiß); s. auch Metzer Jenisch 216 (Gleiss). Zur Etymologie des Wortes (höchstwahrscheinlich von unserem deutsch, gleißen, d. h. glänzen) sowie über weitere Belege im Rotw. usw. s. Näh. Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 256, Anm. 2 verbd. mit Bd. 42, S. 49 (unter „Gleißer“); vgl. auch Weber-Günther, S. 177/78 (unter „Klais“) und Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 689. — b) Zu abgeschunde, das ein Zeitw. abschunden voraussetzt, vgl. das ähnliche einschunden = einsalben, einschmieren, während das einfache schunden im W.-B. durch „austreten (schwer“), d. h. cacare, wiedergegeben ist. Es ist (gleich dem Adj. schundich [schondich (Spr.)] = beschmutzt, dreckig, kotig, schmierig, schmutzig, trübe, unflätig, unreinlich, unsauber) abgeleitet von dem Hauptw. Schund od. Schond = Dreck, Kot, Schmutz, Unflat, Unrat, auch spezieller noch Asche, Dünger (Mist), Exkremente, Lehm. Dazu die Verbindg. näpfiger Schund = Kalk (worüber das Näh. schon oben [S. 17]) sowie mannigfache Zusammensetzgn., so: a) mit Sch. am Anfang: Schundkitt = Abort, Schundschottel = Aschenbecher, Schundbolle = Kartoffeln (eigtl. etwa „Dreckknollen“), Schundfurschet = Mistgabel, Schundfläderling = Mistkäfer (eigtl. „Mistvogel“), Schundsitzling = Nachtstuhl; b) mit Sch. am Ende: Gleisschund = Rahm, Sahne (s. oben lit. a), Flu(h)teschund (eigtl. „Wasserdreck“) = Schlamm, Leilescheischund = Sternschnuppe (worüber Näh. schon oben [S. 37], [Anm. 127]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 92, 93, 97 (Schund = Exkremente, Schund-Kitte = Abtritt, Schompolle [dial. statt: Schundbolle] = „Grundbirnen“, d. h. Kartoffeln; schunden = Notdurft verrichten; vgl. [90]: beschunden = betrügen [also ähnl. wie unser „bescheißen“ gebr.; vgl. Weigand, W.-B. I, Sp. 213]); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341, 344 (Schund = Dreck, Kot, Schutt; vgl. auch [342] Schunplotzer = Maurer); Schwäb. Händlerspr. 479, 480, 482, 484, 486 (Schund = Dreck, Schmutz, aber auch = Acker, Feld; schundig = dreckig, schmutzig, Schumbolle = Kartoffeln, Schundplutzer oder Schunplotzer [in Degg. (215): Schundblozer] = Maurer, in U. [214]: schunde[n] = cacare, beschunden [in Lütz. (214): b’schunderle(n)] = betrügen). S. auch noch Metzer Jenisch 216 (schunde = cacare und Schund-Bais = Abtritt). Zur Etymologie (vom deutsch. Stammwort „schinden“, daher Grundbedg. von Schund eigtl. „Abfall beim Schinden“) sowie über weitere rotw. Belege s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 139.

[140] Das Stammwort ist basche(n) = kaufen; vgl. einbaschen (Spr.), verbaschen. Ableitungen davon sind die Subst. Bascher = Käufer, Verbascher = Handelsbursche, Verbaschere = Handelsfrau. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 341 (baschen = kaufen, verbaschen = ausbieten); Schwäb. Händlerspr. 487 (verpassen oder verpâschen = verkaufen). S. auch Metzer Jenisch 217 (verpasse = verkaufen). Zur Etymologie sowie über weitere Belege im Rotw. (schon 1687: verpassen = verkaufen) s. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 62 u. Anm. 1. Der dort (im Anschluß an Schmeller, Paul, Kluge u. a.) vertretenen Ansicht, die das Wort paschen (= schmuggeln usw.) vom französ. passer oder ital. passare (= „[die Landesgrenze] überschreiten“) herleitet (dafür auch z. B. Seiler, Lehnwort III, S. 101 u. Anm. 2), steht noch eine andere gegenüber, die hebräischen Ursprung annimmt; s. darüber Näh. bei H. Klenz, W.-B. nach der neuen deutsch. Rechtschreibung, Leipzig 1904, S. 173, Sp. 3 und Weigand, W.-B. II, Sp. 379. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1261 (unter „verpaschen“ u. „verpassen“, Nr. 4) hat keine Erklärung gegeben.

[141] Stammwort: bikeren = kaufen; Ableitung: das Subst. Bikerer = Käufer. In den verw. Quellen unbekannt, ebenso m. Wiss. auch sonst im Rotw. Auch über die Etymologie läßt sich nichts Gewisses sagen; ein Zusammengang mit d. Adj. bikerich (s. oben [S. 37], [Anm. 129]) dürfte kaum anzunehmen sein.

[142] Mit dem Zeitw. greme(n) = kaufen (erkaufen) sind noch gebildet die Zus.: ausgremen = auskaufen und vergremen = handeln. Dazu die Ableitungen: Gremer = Käufer (Zus.: Trabertgremer = Pferdehändler), Vergremer = Handelsbursche, Vergremere = Handelsmädchen (Zus.: Vergremerskaffer = Handelsmann, fem. aber Vergremmoss [= Handelsfrau]). Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 487 (vergrimmen = verkaufen; in Lütz. [215]: kremen = kaufen). Die Etymologie ist unsicher. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1200 (unter „verkräme[n]“) und Sp. 1202 (unter „verkrümme[n]“ Nr. 2) gibt keinen näheren Aufschluß darüber.